Drei Jahre hat man gebraucht bis Paul Verhoevens („Total Recall“, „Starship Troopers“) kontroverses Science-Fiction-Spektakel in die zweite Runde ging. Die erste Fortsetzung „Robocop 2“ ist leider auch die einzige, die die Reihe würdig fortsetzt. Der auf ein PG-13 (LOL?) abzielende „Robocop 3“ und die später folgende Ausschlachtung auf TV-Ebene waren da von ganz anderen unterirdischen Kalibern. Den Hauptverdienst am Gelingen von „Robocop 2“ trägt ganz eindeutig einer der besten, leider nur selten Regie führenden und inzwischen ganz aus dem Filmgeschäft zurückgezogenen Auftragsregisseure: Irvin Kershner („Star Wars: Episode V - The Empire Strikes Back“, „Never Say Never Again“)
Der kopiert im Grunde zwar nur Paul Verhoeven, genau wie Komponist Leonard Rosenman („Star Trek IV: The Voyage Home“) den Score von Basil Poledouris („Under Siege“, „Starship Troopers“), aber dafür folgt „Robocop 2“ den typischen Regeln einer Fortsetzung im Actiongenre: Mehr Action, mehr Tote, größere Zerstörungsorgien, mehr spektakuläre und ausgefeiltere Effekte – auch wenn letztere inzwischen altbacken und dennoch charmant aussehen.
Peter Weller („Screamers“, „The Order”), der auch seinerzeit nicht mit guten Rollenangeboten überhäuft wurde, schlüpft ein letztes Mal in sein stählernes Kostüm und beendet auch umgehend sein familiäres Kapitel, indem er seiner Frau erklärt, dass er lediglich Murphys Gesicht trägt. Beeinflusst von den OCP-Leuten muss er sich eingestehen, dass es für ihn kein menschliches, geschweige denn familiäres Leben mehr gibt und deswegen stürzt er sich sogleich noch effektiver in die Verbrechensbekämpfung.
Das hat Detroit auch bitter nötig, denn die Cops streiken wieder und Anarchie herrscht auf den Straßen. Der nun schon nationalsozialistische Züge annehmende OCP-Konzern (man beachte die roten Firmenflaggen mit weißem Innenkreis und schwarzem Firmen-Logo) kennt bei seinem lukrativen Streben und Ausbau von Macht und Einfluss keine Skrupel und setzt alsbald den Bürgermeister ab, um eine neue, privatisierte Stadt aus dem Boden zu stampfen.
Robocop sorgt derweil auf den Straßen als letzte Instanz für Recht und Ordnung, kriegt es diesmal aber mit einer kunterbunten Schar (u. a. ein Kleinkind!) zu tun, die sich um den, gerade die ganze Bevölkerung mit der neuen Designerdroge Nuke überschwemmenden Dealer Cain (Tom Noonan, „Manhunter“, „Last Action Hero“) geschart hat und es auch schafft Robocop in eine Falle zu locken, um ihn darauf in seine Einzelteile zu zerlegen. OCP, gerade um eine gute Presse bemüht und den stählernen Polizisten als Auslaufmodell betrachtend, funktioniert ihn nach einer Generalüberholung in ein familiengerechtes, höfliches, manierliches Plappermaul um: Für Konversationen wie geschaffen, zur Verbrechensbekämpfung weniger.
Irvin Kershner schien zu wissen, dass er dem Original nicht das Wasser reichen konnte, kopiert zwar, wenn auch sehr latent und zahmer Verhoevens Gesellschaftskritik (die Werbespots als Relikt des Vorgängers), zeigt aber auch einen deutlichen Hang zur Selbstironie. Die brachiale, blutige Action mit blutigen, durchsiebenden Shootouts ist auch hier anzutreffen, wird aber nicht so over the top wie im Erstling zelebriert.
„Robocop 2“ ist bunter, humoriger und auch spektakulärer. Das lässt über die fehlenden Innovationen hinwegblicken, denn unterhalten kann die Fortsetzung ganz problemlos. Als Endgegner wurde diesmal dann sein Nachfolgemodell Robocop 2, auserwählt. Mit dem ist nicht gut Kirschen essen und deswegen duelliert sich Robocop mit ihm dann auch durch Wände, Fahrstuhlschächte und Keller, plumpst den OCP-Wolkenkratzer herunter und reißt ihm schließlich sein Gehirn raus, um es matschend auf der Straße zu Götterspeise zu verarbeiten.
Verglichen mit „Robocop“ zeigt sich die Fortsetzung vor allem in Punkto Titelfigur wesentlich humoriger. Nicht nur, dass er mehr trockene Oneliner bringt, er darf auch zu einer Parodie seiner selbst verkommen. Nancy Allen („Dusting Cliff 7“), die ebenfalls nicht gerade mit Rollenangeboten beworfen wird, schlüpfte auch ein drittes Mal in die Rolle der Anne Lewis hat hier aber wesentlich weniger Screentime und überlässt bis auf wenige Ausnahmen Peter Weller komplett das Feld.
Wer sich also mit dem Original anfreunden konnte, dem sei auch die Fortsetzung ans Herz gelegt. Hier steckt mehr Kohle hinter und deswegen wurde die Dramaturgie vernachlässigt und zugunsten der Action die Story einfach aus bekannten Motiven des Vorgängers zusammengestrickt, um fulminante, blutige Shootouts, Autoverfolgungsjagden, dicke Explosionen und zum Schluss einen infernales Schlussduell abzubrennen. Logik und Filmfluss gehen dabei bisweilen flöten, aber das stört mich als Actionfan in diesem Fall herzlich wenig.
Fazit:
Gelungene Fortsetzung, die gegenüber seinem Vorgänger nur unwesentlich abfällt. Gespickt mit Humor, feinster, harter Action und Zerstörungsorgien hat sich jedenfalls auch „Robocop 2“ in mein Filmherz geballert. Der beeindruckende Bodycount und die damit verbundene Action sorgen, genau wie portionierte Selbstironie und comichafte Charaktere nicht zuletzt für durchgehenden Filmspaß. Da ist die Tatsache, dass hier alles etwas bunter und publikumstauglicher gestaltet wurde, gar nicht mehr so schlimm. Eben die Regeln einer Fortsetzung und die wurden selten so gut hier befolgt.