Regisseur von „RoboCop 2“ ist Irvin Kershner, der mit „Das Imperium schlägt zurück“ bereits den zweiten Teil einer anderen Trilogie dreht.
Ähnlich wie das Original beginnt „RoboCop 2“ satirisch: Zuerst ein Ausschnitt aus dem Fernsehen der Zukunft, danach ein Blick auf das Geschehen in den Straßen von Detroit, wo einer den anderen ausraubt. Die Satire ist zwar etwas plumper als in Teil eins und daher nicht so beißend, aber noch ganz witzig.
Während der Konzern OCP die Herrschaft über die Stadt erlangen will und der größte Teil der Polizei streikt, ist es an RoboCop (Peter Weller) unter dem Abschaum aufzuräumen. Zuerst bringt der Blechbulle eine Horde marodierender Räuber zur Strecke, wobei die Action noch unausgewogener als in Teil eins ist (die Räuber bepflastern RoboCops Wagen mit schwerster Artillerie und RoboCop steigt nahezu unversehrt aus dem Wrack aus). Insgesamt sind die Shoot-Outs von „RoboCop 2“ nicht so gut wie die von Teil eins, aber dazu später mehr.
RoboCops neuester Gegner ist der Drogenlord Cain (Tom Noonan), der mit einer neuen Droge Nuke Macht gewinnt und unter einem Erlöserkomplex leidet. Wie zuvor wird RoboCop aus dieses Mal von Anne Lewis (Nancy Allen) unterstützt und wie zuvor zieht die OCP auf mysteriöse Weise die Fäden im Hintergrund – dieses Mal plant der Konzern das Nachfolgemodell RoboCop 2.
„RoboCop 2“ liegt zwar immer noch recht weit über dem Durchschnitt, ist aber einige Takte weniger gut als Verhoevens Original. Dabei hätte man ein Non-Stop-Action Sequel machen können; schließlich ist die Vorgeschichte hinreichend aus dem Erstling bekannt.
Die gezeigte Action ist zwar gut, aber recht wenig (vor allem bei einer Laufzeit von ca. 110 Minuten). Wieder dominieren derbe Shoot-Outs die Action, ein wenig Verfolgungsjagd und mehrere Stunts finden sich aber trotzdem. Wer die Schießereien in „RoboCop“ mochte wird auch hier an der Action seine Freude haben, aber in der Mitte des Films benutzt der Titelheld seine Knarre so gut wie gar nicht.
Auch das Flair ist weniger packend als in Teil eins, da Verhoeven eindeutig stimmungsvollere Schauplätze gewählt hat. Ähnlich ist es mit dem Humor: Die sarkastischen Anspielungen (vor allem in den Fernseheinspielern und beim Porträtieren der OCP) sind weniger beißend als im Original; die Szene mit den fehlgeschlagenen RoboCop-Nachfolgern ist allerdings zum Brüllen komisch. Im punkto Musik wurde der gleiche, tolle Score wie im Original verwendet.
Die Story ist an sich ganz gut, aber arg uneinheitlich. Denn mal werden die bösen Drogenhändler, mal die halbseidene OCP stärker betont. In der Mitte gibt es eine gut gemeinte und witzige Passage mit dem umprogrammierten RoboCop, die allerdings nur halb so witzig ist wie sie gedacht war und zudem überlang ist. Die Spannung hält sich in Grenzen, auch wenn „RoboCop 2“ nie wirklich langweilig wird.
Bei den Bösewichten gibt es eine große Auswahl: Cain mit seiner abgehobenen Art ist ganz OK, aber nicht der beste Bösewicht. Bei der OCP ist vor allem der Konzernchef, aber auch eine Wissenschaftlerin, die das RoboCop 2-Projekt ohne Rücksicht auf die Konsequenzen vorantreibt und dafür auch mal dem Chef die Latte poliert. Hinzu kommt noch ein psychopathisches Drogen-Blag, das anfangs etwas nervt, aber nach kurzer Zeit einen ausgesprochen guten Bösewicht abgibt. Zum Ende hin kommt noch ein martialischer RoboCop 2 hinzu, der den ED-209 aus „RoboCop“ ersetzt. Aber an Kurtwood Smith aus Teil eins mit seinen „Gewehre, Knarren, Kanonen“-Sprüchen (oder im O-Ton schlicht „Guns, Guns, Guns“) und seiner gewalttätigen, bedrohlichen Ader reichen sie alle nicht heran.
Schauspielerisch kann man wenig zu „RoboCop 2“ sagen: Von Peter Weller ist nicht oft mehr als der Unterkiefer zu sehen, aber die Szenen ohne Maske (die sich meistens mit seiner Vergangenheit als Polizist Murphy beschäftigen) bestreitet er recht gut. Nancy Allens Rolle wurde arg verkleinert, aber sie liefert eine brauchbare Leistung ab. Auch die verschiedenen Bösewichte sind ganz gut anzusehen; nur Tom Noonan könnte fieser wirken.
„RoboCop 2“ ist ein gutes Sequel, das gegenüber dem Original in den Punkten Action und Flair allerdings nachlässt.