RoboCop 2 konnte mich leider nicht mehr mitreißen. Der Film eröffnet mit einer neuen Lage, die interessant zu werden scheint. Die Trenddroge "Nuke" bringt einen neuen Schrecken nach Detroit. Und mit sich einen Kultführer namens "Cain", der in seinem mysteriösen Licht wie ein interessanter Gegner erscheint. Dann aber verliert sich der Film in Nebensträngen, die der Story tatsächlich hätten Tiefe und Spannung verleihen können, aber unerledigter Dinge einfach wieder fallen gelassen werden: Murphys Frau, die ihn wieder findet. Murphys innerer Konflikt zwischen seiner, ihm abgesprochenen, Menschlichkeit und seiner Existenz als OCP-Produkt. Der Moment, als nicht nur die neuen, lächerlichen Zusatzdirektiven gelöscht werden, sondern gleich alle Direktiven. Es bleibt alles ohne bedeutende Konsequenz.
Als Robocop schließlich von Cain und seiner Gang in Stücke gerissen wird, zieht sich der Film wie ein Kaugummi. Die Animatronik ist hübsch gemacht und es schmerzt, ihm beim Leiden zuzusehen. Doch dann wiederholt sich dies gefühlte 5 Szenen lang und man fragt sich, wozu. Als er wieder zusammengesetzt wurde und die neuen Direktiven bekommen hat, bekommt man einige Lacher und fasst sich in der Hinsicht auf OCP und ihre propagandistischen Maschen an den Kopf. Die gesetzeshütende Kampfmaschine wurde zu einer händeschüttelnden Werbefilmkarikatur herabgestuft, die Kindern mit Reimen beibringen soll, auf ihre Wortwahl zu achten. Die Kinder "lieben" es.
In der Zwischenzeit versucht OCP, weil Murphy angeblich "veraltet" ist, einen Robocop 2.0 zu erschaffen. Die Reinfälle dieser Experimente bieten einen köstlichen Moment schwarzen Humors, als in alter ED-Manier bei Präsentationen einige Anwesende zu Tode kommen und die Subjekte sich selbst zerstören. Man hätte sie ihres männlichen Körpergefühls beraubt, als man sie in Maschinen umwandelte, heißt es.
Die Lösung für dieses Problem soll ein dem Tode geweihter Häftling sein, der das ewige Leben als Maschine bestimmt wollen würde. Ein schwer verletzter Cain ergibt sich als der perfekte Kandidat, und wird prompt verwandelt.
In einer Aufnahme während der fehlgeschlagenen Tests ist das Gesicht eines der Testsubjekte auf einem im Roboterkörper installierten Bildschirm zu sehen. Jedoch begrüßt uns in Cains fall ein kaum zu ertragendes CGI-Modell, das bloß als gewollt und nicht gekonnt bezeichnet werden kann. Ich war froh um jede Sekunde, die ich nicht mit diesem Anblick verbringen musste. Es soll seine menschliche Seele in der Killermaschine zeigen - gut und okay, bloß... Warum konnte man nicht einfach nochmal eine Gesichtsaufnahme des Schauspielers dafür nehmen?
Wie dem auch sei, der Cyborg-Cain bringt eine gewaltige, geballte Ladung brutalen Geballers in's Spiel, und seine Bedrohlichkeit ist ordentlich spürbar, als er Jagd auf die Stadtverwaltung und die Drogendealer macht. OCP ist sichtlich zufrieden und veranstaltet eine Pressekonferenz mit der Präsentation des finalen Robocop 2.0. Die menschliche Seite Cains jedoch, leidet, selbst in Cyborgform, Schmerzen unter ihrem Nuke-Entzug, schnappt sich eine bei der Präsentation herumgewedelte Kapsel, und schaltet die eigenen Waffensysteme ein. Cain beginnt, den ganzen Block zu zerlegen und liefert sich einen harten Kampf mit Murphy. Die Zerstörung ist fabelhaft anzusehen, die reingeschnittenen Raketeneffekte eher weniger.
Wenn der Film mich in der Mitte nicht so gelangweilt zurückgelassen hätte, würde ich jetzt vielleicht mitfiebern. Doch ich muss nochmal in das eckige Antlitz des CGI-Cain, jetzt auch noch mit Kullerauge ausgestattet, blicken, als dieser endlich zerstört wird.
Lewis hat 1 oder 2 coole Kampfszenen bekommen, scheint ansonsten kaum da zu sein, außer um winzige Anlehnungen an Murphys Suche nach seiner Menschlichkeit zu machen, die ebenso im Sande verlaufen, wie oben bereits erwähnte Handlungsstränge.
Da ist ein Kind, das man am liebsten durch eine Wand treten würde. Dann ist es tot. Könnte tragisch sein, ist es aber leider kaum.
Leider lädt mich dieser Film persönlich nicht zu einem Rewatch ein. Er verleitet mich eher dazu, die Story wie ein Lego-Gebäude zu zerlegen und zu sezieren, um die guten Stücke zu bewahren und im Kopf weiterzuspinnen, und den Rest als Ballast zu entsorgen.
5/10 Sternen, die meisten Punkte gehen wirklich an die Sets, die Kostüme und die praktischen Effekte, sowie die schauspielerische Leistung von Peter Weller, der die robotischen Bewegungen seines Charakters sehr realistisch darstellt, und in dem Kostüm gewiss kaum Komfort hatte. Auch der Humor darf positiv erwähnt werden, auch wenn er mehr wie eine Homage an den ersten Teil rüberkommt, als wie ein natürlicher Bestandteil von RoboCop 2.
Das Wirrwarr der Story ist leider der absolute Schwachpunkt, und auch einen mitreißenden Bösewicht nach Art Boddicker kann man hier nur vermissen.