Gefühlt gibt es deutlich mehr Filme über den Vietnamkrieg als über den Zweiten Weltkrieg, wobei bekannte Vertreter wie „Apocalypse Now“, „Die durch die Hölle gehen“, „Plattoon“ oder auch „Full Metal Jacket“ mit teils sehr markanten Bildern die Sinnlosigkeit von Kriegen veranschaulichen. Der Beitrag von Regisseur Kriv Stenders beschreibt die australische Sicht nach einer wahren Begebenheit auf der titelgebenden Kautschuk-Plantage von Long Tan.
18. August 1966, im äußersten Süden von Vietnam: Die Einheit unter der Leitung von Major Harry Smith (Travis Fimmel) sieht sich unerwartet einem Bataillon der Vietcong gegenüber und fordert Verstärkung an. Doch bis die Schützenpanzer eintreffen könnten, vergeht wertvolle Zeit und der Einsatz entwickelt sich zum Himmelfahrtskommando…
Seinerzeit kämpften 108 größtenteils junge und unerfahrene Soldaten aus Australien und Neuseeland gegen annähernd 2000 feindliche Soldaten, einige Einheiten waren phasenweise von drei Seiten ihren Feinden ausgesetzt.
Stenders hält sich nur mit einem Vorspiel in der Basis auf und setzt schon bald auf Feuergefechte, wobei die Figurenzeichnungen deutlich zu kurz kommen. Im Verlauf der Kampfhandlungen können sich insofern nur zwei Figuren herauskristallisieren, der Rest bleibt eher Kanonenfutter, im wahrsten Sinne des Wortes.
Denn es geht annähernd pausenlos zur Sache und wenn nicht gerade geballert wird, einige Bomben abgefeuert werden oder Rauchbomben zum Einsatz kommen, gibt es strategische Überlegungen, hastige Funksprüche oder die notdürftige Versorgung von Verletzten.
Glücklicherweise wird fast gänzlich auf CGI verzichtet, so dass die Pyrotechnik in hohem Maß gefordert wurde, was sich durch die Bank sehen lassen kann. Der Härtegrad ist dennoch nicht übermäßig hoch und einer FSK16 angemessen. Zur Steigerung der Authentizität hätten bei der einen oder anderen Detonation durchaus mal Körperteile und nicht nur Stuntleute durch die Gegend fliegen können.
Dennoch vermag das Treiben zu packen, zumal die treffend besetzten Mimen recht nuanciert zu Werke gehen und im Verlauf vermehrt untermauern, dass ein etwaiger Verlust nicht gleichgültig hingenommen wird. Zudem ist der Score sehr gefühlvoll ausgefallen ohne dabei unnötig zu dramatisieren. Er bildet im Kern eine leicht melancholische Note und unterstreicht in vielen Situationen den eigentlichen Irrsinn des Tötens.
In die Tiefe geht der Stoff zwar kaum, jedoch klammert er gleichermaßen jeden Anflug von Heldentum konsequent aus. Aufgrund der ordentlich inszenierten Action, der grundsoliden Ausstattung und den souverän aufspielenden Mimen ein sehenswerter Genrebeitrag, der reinen Actionfreunden definitiv eher entgegenkommt als Leuten, die vermehrt auf die emotionale Schiene setzen.
6 von 10