Im Filmuniversum des DCU war nach den bekannteren Helden auch mal einer dran, den es zwar ebenso schon eine ganze Weile in gedruckter Form gibt, aber bislang nicht so im Fokus stand. Dabei war es nicht der erste filmische Auftritt der Figur, denn schon in den 1940er Jahren gab es ein zwölf Teile umfassendes Serial mit Captain Marvel. So hieß der Kerl damals, erschienen noch bei Fawcett Comics. Dieser wechselte in den 1970er Jahren zu DC und wurde zu Shazam umbenannt, da Konkurrent Marvel Comics ebenfalls einen gleichnamigen Captain im Programm hatte und sich den Namen zwischenzeitlich sichern ließ. So kann's gehen.
In seinem neuerlichen Kinodebüt kümmert sich das Skript eingangs aber erst einmal um den Antagonisten. Der junge Thaddeus Sivana sieht sich unvermittelt einem alten Zauberer gegenüber, der einen Nachfolger sucht. Seine Kraft erlischt bald und in seiner Höhle hält er die sieben Todsünden im Zaum. Von diesen verführt, scheitert Thaddeus an des Zauberers Prüfung und dessen Kräfte werden ihm verweigert. Anders ergeht es Jahrzehnte später Billy Batson. Der Schüler erlangt Shazams Fähigkeiten und verwandelt sich in den gleichnamigen Helden, nicht wissend, dass es Thaddeus immer noch nach diesen verlangt.
Und was macht ein Teenager, der plötzlich wie Superman ausgestattet ist? In der von David F. Sandberg inszenierten Comicverfilmung vor allem erst einmal Unsinn. Der Ton ist weniger ernst, als man es aus den vorigen Verfilmungen des Verlagsinventars kennt. Wenn Billy mit seinem Kumpel Freddy die neugewonnenen Fähigkeiten ergründet, macht das szenenweise schon Spaß. Dieser Kindergeburtstagsflair nutzt sich aber auch irgendwann ab. Denn „Shazam!“ ergeht sich sehr lange in dieser Findungsphase und mischt diese mit Billys Suche nach seinen leiblichen Eltern, dem Finden eines Zuhauses, Thaddeus' Suche nach der ihm vorenthaltenen Macht, dem sich wandelnden Verhältnis zu Kumpel Freddy und der typisch-generischen Gut gegen Böse Thematik. Und da gerät die Chose aus dem Gleichgewicht, kann sich nicht entscheiden und will einfach alles sein. Familiendrama, Comedy, Coming of Age, Effektkino, garniert mit ein paar Gruselelementen.
Letzteres übernehmen die personifizierten Todsünden, die allerdings in ihrer Einfarbigkeit wenig beeindrucken. Überhaupt sind sie überwiegend dazu da, in die Kamera zu brüllen oder Leute festzuhalten. Nur kurz toben sie sich etwas aus, wenn Sandberg seine Genrewurzeln andeutet. Der Rest wirkt episodisch eingewoben, in seinen Einzelteilen gelungen, im Gesamtwerk aber nicht harmonisch. Billys Suche nach den Eltern ist trotz der Kürze interessant, andere Bauteile der Geschichte nicht so. Das mit der Pflegefamilie ist nett, wobei Freddy oftmals anstrengend ist und als Sidekick eher so semi funktioniert. Dafür ist er prima als der hausinterne DC-Fanboy, der diverse Verweise auf andere Figuren liefert. Ansonsten erinnert er das Publikum einfach immer wieder daran, dass in dem rot gewandeten Zachary Levi eigentlich ein Teenie steckt und ja, das hab ich schon nicht vergessen. Marvelesk wird es generell, wenn man keine Angst um irgendeine Figur hier haben muss, das hat man sich leider abgeschaut. Denn trotz der immer wieder eingestreuten Monsterei ist man sehr bemüht, die Familienkarte zu spielen. Vielleicht warnt man den Schurken auch deswegen vor, falls man auf ihn schießen will. Mark Strong wirkt in der Rolle ziemlich verschenkt und läuft auf Autopilot. Charismatisch durchschnittlich und letztlich kein erinnerungswürdiger Schurke. Und was den oft eingestreuten Humor angeht – er funktioniert manchmal.
Das Ganze ist recht vorhersehbar, konzentriert sich lange auf das Verhältnis zwischen Billy und Freddy und die Auswirkungen der verliehenen Kräfte auf ihre Freundschaft. Sofern da eine ist, man kennt sich eigentlich kaum. Trotzdem will der Film mir das während seiner überdimensionierten Laufzeit anders verkaufen. Aber sei's drum, man kann schnell erahnen, wo das hinläuft. Und wenn sich das Skript in der zweiten Hälfte daran erinnert, dass man genretypisch noch einen beliebig gezeichneten Schurken braucht, weiß man auch, worauf das hinausläuft. Alle kloppen sich und am Ende passt's schon. Mid-Credit, Post-Credit, Ende. Die Szene mit dem Bier war allerdings lustig.