Review

Staffel 2 - 6/10

Staffel 2

Eher stolpern als springen 

„Impulse“ ist eines der Aushängeschilder und mit „Cobra Kai“ vielleicht sogar die Schlüsselserie von YouTube (Premium). Sie spricht vor allem Jugendliche an und kombiniert geschickt Teenage Angst mit Sci-Fi-Elementen und sozialrelevanten, „woken“ (?) Themen. Doch befindet sich das alles eher in twilight'schen Sphären oder kann der (indirekte) „Jumper“-Ableger mehr? Die erste Staffel zeigte immerhin feine Ansätze.

In der zweiten Staffel versucht Henry mit ihren Teleportationsfähigkeiten wärmer zu werden, sie sucht noch immer ihren Vater, wir erfahren mehr über den mysteriösen Nikolai und die Geschehnisse aus dem schockierenden Staffelfinale der Premierensaison beschäftigen natürlich auch noch die Behörden sowie den erweiterten Beteiligtenkreis inklusive Lucas...

STÄRKEN
+ Henry als Protagonistin hat definitiv Probleme, ist sehr düster und ambivalent, interessant gezeichnet (fast „antiheldisch“)
+ recht realistische Darstellung von Traumata, psychischen Problemen und auf diesen Berg menschlicher „Fehler“ noch „Superheldenfähigkeiten“
+ Serie sieht weiterhin sehr hochwertig aus (gerade in 4K)
+ Schauspiel erreicht zum Teil neue Höhen (z.B. das heftige Streitgespräch zwischen Henry und ihrer Mom im Finale)
+ manchen Nebenfiguren (Nicolai) interessant 
+ von typischen Teenagerproblemen wird weitestgehend Abstand gehalten 
+ wenn es Effekte gibt, sehen diese klasse aus
+ atmosphärischer Score
+ recht intime, persönliche Herangehensweisen
+ Townse ist ein großartiger „Sidekick“, seine aufblühende Beziehung ist zudem eines der absoluten, süßen, helleren Highlights
+ letzten Minuten der Staffel in Barcelona versprechen viel/haben Potenzial
+ Twists werden solide vorbereitet
+ Shyamalan würde diese „Superheldenserie“ bestimmt gefallen

SCHWÄCHEN
— sprunghaft (*hihi*) as f, nicht nur thematisch
— einige Nebenfiguren (Polizistin) und ihre Stories sind nicht nur ätzend langweilig, sie verlaufen auch im Sand
— etliche offene Fäden aus der ersten Staffel werden nicht weiter verfolgt
— viele Figuren haben starkes Nervpotenzial
— graue, triste Welt
— dauernd Streits und melodramatische Konflikte
— jeder sieht aus, als ob er jede Sekunde in Tränen ausbrechen könnte
— viele Stories und Entwicklungen treten auf der Stelle
— dann wieder seltsame, plötzliche Charakterentwicklungen/-Entscheidungen
— sympathische Figuren werden oft nicht so behandelt, wie sie es verdienen
— immer noch zu wenig Teleportation und Sci-Fi
— deutliche Längen (zu viele, zu lange Folgen)
— oft bekommt man den Eindruck, die Serie wüsste gar nicht wirklich wohin
— aus der Prämisse und guten Ansätzen wird zu wenig gemacht
— Staffelfinale nicht wirklich würdig und schwächer als im ersten Jahr 
— nah am Overacting zum Teil 
— wenn man genau hinguckt, doch klar auf eine jüngere Zielgruppe zugeschnitten
— viel zu wenig Einblicke in die „mysteriöse Organisation“ hinter allem 
— viele Fragen, nicht alle davon interessant, wenige Antworten 
— macht nur dezent Lust auf eine für Herbst angekündigte dritte Staffel

Fazit: aus einigen Schwächen wurde gelernt, dafür sind andere hinzu gekommen; auf einigen Ebenen ist das schon richtig gut, in anderer Hinsicht nervt vieles und es gibt einfach dutzende, vielleicht hunderte bessere Serienalternativen. Starke Darsteller, eine ungewöhnliche Herangehensweise an seine „Heldin“ und eine gewisse Intimität und positive „Kleinhaltung“ machen das Ganze dennoch (zumindest für ein junges Publikum) testenswert. (6/10)

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