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Ein Großteil von Horrorfilmen lebt von der Umkehr des eigentlich Positiven: Eine Schwangerschaft entwickelt sich zu einem Alptraum („Rosemaries Baby“), die eigenen vier Wände gehören plötzlich Fremden („Funny Games“) oder eine Familienzusammenführung mündet in einem Debakel („You're Next“). An den Letztgenanntem erinnert ein wenig die Prämisse der vorliegenden Horrorkomödie.

Obgleich sie seine steinreiche Familie nicht sonderlich mag, ist die frisch gebackene Braut Grace (Samara Weaving) glücklich mit ihrem Alex. Doch bevor die Hochzeitsnacht beginnt, pocht die Familie auf ein altes Ritual: Grace muss zu einem Spiel antreten. Das von ihr per Zufall ausgewählte Versteckspiel auf dem riesigen Anwesen gestaltet sich jedoch anders als erwartet, denn plötzlich sind alle mit Waffen ausgestattet und eröffnen die Jagd…

Die Einleitung, 30 Jahre zuvor angesiedelt, nimmt bereits mit kurzen prägnanten Szenen vorweg, wie es um die blutige Familientradition bestellt ist, während Grace noch ein harmloses Versteckspiel erwartet und sich gelangweilt im Speiseaufzug verkriecht.
Als sie den Ernst der Lage begreift, dauert es indes nicht lange, bis ein erstes Opfer zu verzeichnen ist, denn allzu treffsicher stellen sich die Familienmitglieder nicht an und es kommt folgerichtig zu einiger rabenschwarzer Situationskomik, die zuweilen auch einigermaßen blutig ausfällt.

Die detaillierte Ausstattung des Herrenhauses vermag durchaus Atmosphäre zu schüren, hinzu gesellen sich viele geheime Schlupfwinkel und Gänge und aufgrund des flotten Erzähltempos wird es zu keiner Zeit langweilig. Im Gegenteil. Grace wächst über sich hinaus und verballert so ziemlich alle sieben Leben einer Katze, was sich an dem im Verlauf zerfetzten Brautkleid mit immer weniger Stoff manifestiert. Zwar besteht die Sippe überwiegend aus Klischeefiguren, doch manche Eigenheit wird dabei herrlich überzeichnet.

So wird hüben wie drüben munter geflucht, das Aufgabenfeld eines Butlers gestaltet sich mannigfaltig und wenn nicht gerade gekokst wird, bleibt immer noch Zeit für ein Schlückchen Edeltropfen. Entsprechend funktioniert der Stoff auch als Gesellschaftssatire auf die dekadenten Superreichen, was die Heldin im Gegenzug umso sympathischer erscheinen lässt und das Mitfiebern innerhalb der kurzweiligen 95 Minuten durchaus erleichtert.

Sonderlichen Tiefgang oder gar einen doppelten Boden sollte man bei alledem nicht erwarten. Es bleibt ein simpler, jedoch effektiv inszenierter Streifen, der vor allem von der sehr stark aufspielenden Samara Weaving getragen wird.
Der mitunter groteske Humor wird mit einer Handvoll Gewalt angereichert, wobei Spannung und Action nicht zu kurz kommen. Durchaus partytauglich.
7,5 von 10

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