Die bereits sechste Zusammenarbeit von Scott Adkins mit seinem jetzigen Paraderegisseur Jesse V. Johnson, wobei der letztere nicht nur das Glück der Stunde in der Paarung mit dem nahezu einzigen verbliebenen (jüngeren) Darsteller des Actiongenres für den Homemediabereich, sondern auch zuweilen tatsächlich kreative Ideen oder Inspirationen für gleich mehrere unterschiedliche Gattungen Film hat. Die jeweiligen Ergebnisse sind zumeist, selbst noch im Fall des eher mäßig aufgenommenen Debt Collector für die übergebliebene Klientel interessant und entsprechend auf dem Markt gut verkäuflich, teilweise werden gar Spitzen noch oben hinaus wie im Fall des auch als Fortsetzung angekündigten Accident Man oder eben etwas von dem gecasteten Team her besonderes wie Triple Threat, dort als engagierter Auftragsregisseur in Szene gesetzt. So richtig einschätzen kann man trotz der Vielfilmerei den Mann selber noch nicht, zu divergierend die jeweiligen Stoffe, die Umsetzung, keine einheitliche Gestaltung und zuweilen hängt auch viel von der Choreographie der Actionszenen ab, die trotz der Vergangenheit von Johnson als Stuntman immer Jemand Autarkes wie oftmals Tim Man übernimmt.
Hier in diesem Falle ist Man nicht an Bord, dafür wird erneut die britische Heimat von Regisseur, Hauptdarsteller und auch dem zusätzlichen Drehbuchautor Stu Small als Rahmen für die Geschichte und damit ein anderer Ansatz als sonst gewählt; eine karge Einöde zwischen Pub und Gefängnis, aus dem Kleinkriminellenmilieu und mit mehr Härte und auch etwas 'Botschaft' als der reinen schnellen Unterhaltung, wobei den Meisten sicherlich nur die Anzahl und die Qualität von Adkins in seinen kräftigen, es auf die Kausalkette von Treffer und Vernichtung absehenden Kämpfen und dies auch mit erhöhten Blutzoll interessiert:
Als der Strafgefangene Cain Burgess [ Scott Adkins ] bei dem Besuch seiner an Krebs erkranken Mutter [ Jane Thorne ] im Krankenhaus diese nur noch tot im Hospital vorfindet, ist dies der entscheidende Moment für ihn, sich der begleitenden Wachen zu entledigen und zu fliehen. Das Ziel seines nun folgenden Weges ist das Pub "The Horse & Jockey", in dem sich derzeit trotz der frühen Stunde bereits mehrere Gangmitglieder sowie Hyde [ Nick Moran ], die rechte Hand von Lincoln Burgess [ Craig Fairbrass ] aufhalten, dem Cain allen voran die Schuld an seiner Misere gibt.
"So...prison turned you into a stone-cold killer, did it?"
"Nah, prison didn't. You and my brother did."
Abgesehen von viel Raum für guten undd ankbar aufgenommenen und wiedergegebenen darstellerischen Leistungen ist der Vorteil der Geschichte, dass sie trotz einer längeren Rückblende bzw. immer wieder Einschnitten in die Vergangenheit, in die frühere Umgebung und die Umstände dennoch streng fokussiert auf die Belagerungssituation im Pub, mitten am hellichten Tage, eher noch in den Morgenstunden beginnend und ab da an länger dauernd und anhaltend ist. Die chronologisch unstete Struktur punktiert einzelne szenen zuweilen stärker und hält Perspektivwechsel und Sinneswandel bereit, zudem ist die Tension von Beginn an hoch: das Aufreten des Eindringlings, der eben kein "Members only" mehr und für die Meisten hier unbekannt ist, hält die anwesende Baggage aus sieben, acht Männern nicht davon ab, ständig auf Krawall gebürstet zu sein und permanent nur darauf zu warten, dass dieser mal die Deckung fallen und vor allem die Shotgun für eine Sekunde runter lässt. Der Erste versucht einen Gegenangriff trotz der Kanone im Raum und endet mit einem blutig zerschossenen Bein, was die aufgeheizte und auf Anschlag stehende Stimmung der Anderen aber nur für einen Augenblick der Schreckens und des kurzen Ekels vor der Ausmaß der Verletzung abkühlt und nur die Ruhe vor dem Sturm und die Pause vor dem finalen Gemetzel ist.
"You must be a tough guy then, yeah? Chasin' that bloke away all by yourself. It's funny, that. You don't look like a tough guy to me."
"Well, what's a fucking tough guy look like then?!"
"Well, they look like me, don't they?"
Geiseln werden genommen, Gefangene aber nicht gemacht, der Film als Crime Drama mit einem Kniff, zwischendurch vielleicht auch als einfach gehaltene, nicht gleich wirkungslose Sozialstudie, später als opernhafte Abrechnungsphantasie und Prügelfilm mit höchst violenten Actionszenen (bis hin zu einem abgeschossenen Kopf per Doppelläufiger aus nächster Nähe), dazu die wie üblich von Small geschriebenen knackigen Dialogen oder meist Oneliner aus dem "Handbuch der coolen Leute", die die Sachlage schon per selbstbewusster Schlagfertigkeit oder auch Großmäuligkeit zu klären versuchen und wo sich Jeder der Anwesenden für den besten Hengst im Stall hält oder zumindest so tun muss, da er sonst automatisch an Ansehen verliert. Die Schule des Lebens, wenn man das so nennen will, hat hier aber nur einer Durchlaufen, und der ist jetzt am Drücker und der ist jetzt auch kurz vor seinem persönlichen Ziel.
Avengement als maßgeblich umgesetzter Titel, als eine etwas andere Form der Rachegeschichte, im britischen Straßenmilieu, wo man sich sich früh am Tage von Bier und mit kleinen ktriminellen Handlangertätigkeiten die Existenz ernährt. Nichts glamouröses, nichts worauf man stolz sein kann, selbst als Verbrecher nicht, keine Gangstersaga, sondern meist nur Knüppel oder auch den Gewehrkolben ins Gesicht. Direkte Konfrontationen, im Gefängnis schon beim Eintreffen ein ausgerenkter Kiefer und mehrere ausgetretene Zähne, ein brutaler Willkommensgruß, der selbst dem passiv Zuschauenden wehtut und ungenießbar im Ansehen ist. Folgend wird es etwas 'gemütlicher' für den Beobachter, ein fairer Deal an Knochenbrüchen, blutspritzenden Schlägen mit Fäusten, Schlagstöcken, Kanthölzern, Schürhaken, abgebrochenen Flaschenhälsen und anderem handgefertigten oder zusammengebastelten Material, dann allerdings auch mit der Portion an kleineren derben Stunts und Auseinandersetzungen mit einem ganzen Trupp von Bauernopfern oder auch mal gegen die bei einer Massenschlägerei im Zellentrakt aktivierte Riot Police. Sparsam umgesetzt, aber nicht billig, sondern auf das Nötigste und das Wichtigste reduziert, dazu oftmals ein Gelingen auch in den stilleren Momenten und eine grundsätzliche Sicherheit in der Inszenierung, die auf Weiteres bei beiden hauptverantwortlichen Akteuren, gerade auch dem demnächst wieder unter der Ägide von Florentine in Seized und Strapped tätigen Adkins hoffen lässt.