Review

Staffel 1

Buntes Spieglein

„Weird City“ auf YouTube (Premium) ist eine (Quasi-)Anthologieserie und erzählt ein paar Geschichten aus einer bizarren, futuristischen Stadt, die durch eine Grenzlinie in arm und reich unterteilt ist - satirisch, augenzwinkernd und warnend. Nie so düster wie „Black Mirror“, mit dem oft Vergleiche herangezogen werden, nie so leicht wie „Eureka“, an das ich mich öfters erinnert fühlte, und natürlich nie so ikonisch wie „Twilight Zone“. Und dennoch nie so schlecht wie einige Stimmen im Netz verlautbaren...

„Weird City“ sieht klasse aus, bietet zum Teil überraschend massive Starpower, einige pointierte Momente, die mich mehr als nur schmunzeln haben lassen, und verpackt die Angst vor Zukunft, Technik, Fortschritt sehr clever in eine leicht surreale, quietschfidele Hülle. Die sechs nichtmal halbstündigen Folgen lassen sich leicht, kurzweilig und flott weggucken, sodass ich jedem Abonnenten des Zahl-YouTubes (oder des dortigen Probemonats) einen Abstecher nach „Weird City“ durchaus ans Herz legen kann. Erst recht wenn man ein Faible für zynische Anthologien, die genannten Vergleichspunkte und Zukunftsszenarien hat. Vielleicht die Erwartungen gering halten und dann positiv überraschen lassen...

THE ONE (8/10)
Über eine High-End-Kuppel-App, mit der man „immer“ den richtigen Partner fürs Leben finden soll. Und auf einmal stehen zwei Männer voreinander, die weder homosexuell sind noch äußerlich oder vom Alter her zueinander passen...
Exzellenter Start mit Al Bundy höchstpersönlich. Die beste Folge der ersten (und vielleicht letzten?) Staffel. Sehr herzlich und freundlich und romantisch. Selbst wenn alles etwas an die die BM-Folge „Hang the DJ“ erinnert. Süß. Liebe gewinnt.

A FAMILY (6,5/10)
Ein Versager und verwöhnter Sohn findet eine Ersatzfamilie in einem kultähnlichen Fitnessstudio...
Wieder Starpower mit Michael Cera und der wunderbaren Rosario Dawson. Etwas überzogen und comicartig, aber hat mich gut unterhalten. Selbstironisch und... weird?! Auch ein wenig eklig und bescheuert.

GO TO COLLEGE (3,5/10)
Für eine neue Studentin an der Uni der Stadt wird die erste Zeit dort besonders gewöhnungsbedürftig, da scheinbar keine echten körperlichen oder sexuellen Kontakte ausgetauscht werden und alles nur durch Emojis und Apps „funktioniert“...
Für mich der Tiefpunkt der Staffel. Nicht lustig, nicht frech, nicht kreativ und auch der „Twist“ oder „Kniff“ verpufft völlig in seiner absurden Art. Dumme Idee. Fällt falsch. Ne, nicht meins.

SMART HOME (5/10)
Eine teures, sprechendes, intelligentes Haus bekommt ein unangenehmes Eigenleben bzw. einen leicht psychopathischen Charakter...
Fast schon klassisches Thema und einfache, effektive Idee. Smart Home mit Killertick hat schon was. Aber im Endeffekt dann nicht böse genug. Da hätte man viel mehr durchziehen können, sogar das Horrorgenre streifen können. Schade. Nicht schlecht, aber beliebig.

CHONATHAN & MULIA & BARSLEY & PHEPHANIE (7/10)
Zwei befreundete Pärchen „oberhalb der Linie“ nehmen es sich zur scheinheiligen, „weltverbessernden“ Aufgabe, einen armen Jungen von „unterhalb der Linie“ zu adoptieren...
Hier mal ein Blick „unter“ die Linie, was viel zu selten vorkommt bisher. Die crazy rich scheinen doch etwas interessanter zu sein. Eine weitere gute Folge, nicht nur für „TWD“-Fans. Aber auch hier wird fast nur gebellt, nur sehr sanft gebissen. Dennoch musste ich doch lachen über diese Breitseite gegen weltfremde, selbstverliebte, privilegierte weiße „Retter“.

BELOW (5,5/10)
Zwei Charaktere aus einer Fernsehserie, die in Weird City scheinbar sehr beliebt ist, entdecken, dass sie nur Figuren in einer Serie sind und sie sich zudem noch im Serienfinale befinden, sodass ihre Zeit scheinbar abläuft...
Die kürzeste Episode, meta und mit einigen Anspielungen zu den vorangegangen Folgen. „Twilight Zone“-Hommage passt. Jedoch kein würdiges „Finale“. Wirkt eher wie ein Snippet oder ein Interlude zwischendurch. Wie vieles hier in der Serie nur angedacht, nicht zu Ende. Aber Awkwafina ist natürlich ein Star der Stunde.

Fazit: ernste Vergleiche zu „Black Mirror“ oder gar „Twilight Zone“ verbieten sich, da kommt „Weird City“ nicht im Traum ran. Und dennoch würde ich gerne weitere Folgen und Facetten dieser quirligen Zukunftsvision sehen. Zwischen Satire, Komödie und unterschwelligem Horror, seichtem Surrealismus und milder Gesellschaftskritik. Definitiv mit Verbesserungspotenzial. Aber mit noch genug guten Ansätzen und aberwitzigen Ideen. Nicht alles Treffer, aber i like your Style! (6/10)

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