Zwischen seinem Regiedebüt „Replacement Killers“ und seinem vielbeachteten „Training Day“ drehte Antoine Fuqua noch „Bait“, der allerdings recht unbeachtet blieb.
Der Ganove Alvin Sanders (Jamie Foxx) ist ein kleiner Fisch – und ein Pechvogel: Bei einem Raubüberfall, bei dem er Garnellen klauen will, wird er geschnappt, während sein Bruder entkommt. Ab geht es in den Knast, wo Alvin seine große Klappe immer noch nicht halten kann. Dabei reproduziert „Bait“ zwar diverse Klischees vom großmäuligen, etwas feigen und weichlichen Kleinganoven, wenn auch auf immer noch amüsante Weise.
In seiner Zelle sitzt jedoch auch Jaster (Robert Pastorelli), ein flüchtiger Gangster, der mit seinem Partner Bristol (Doug Hutchinson) 42 Millionen Dollar in Gold ergatterte, die Beute aber allein versteckte. Unglücklicherweise geht er bei den rabiaten Verhörmethoden des Cops Edgar Clenteen (David Morse) wegen eines Herzfehlers hops. Die Cops vermuten, dass Alvin das Versteck kennt, doch die Hinweise führen ins Leere. Als kleinen, leicht überraschenden Bruch mit den Genregesetzen lässt „Bait“ Alvin aber erst mal hinter schwedischen Gardinen schmoren.
Nach einer Weile kommt Clenteen auf die Idee Alvin freizulassen – als Köder für Bristol, denn das eiskalte Verbrechergenie läuft frei herum. So schlendert Alvin nichtsahnend durch die Gegend, während Polizei und Bristol ihn verfolgen – und Bristol denkt immer noch, Alvin kenne das Versteck der Beute...
Was folgt, kann seine Anleihen bei „Der Staatsfeind Nr. 1“ nicht verstecken (wie dort sitzt auch hier Jamie Kennedy in der Überwachungszentrale), kann aber nicht dessen Drive und Spannung erreichen. Da es sich bei Bristol nur um einen Gegner handelt und seine Aktionen selten, aber wohlgeplant sind, wird es für Alvin selten wirklich brenzlig. Überraschungen bietet die Geschichte kaum, selbst die klischeehafte Wandlung Alvins vom Windhund zum braven Vater (seine Freundin war schwanger als er in den Knast ging und begrüßt den Unwissend nun mit einem Baby) bleibt dem Zuschauer nicht erspart. Die Optik macht zwar einiges her, aber wirklich neue Ideen sind bei „Bait“ dann doch Mangelware.
Dafür nutzt Fuqua Bekanntes als Aufhänger für nette Comedy, wobei vor allem das lose Mundwerk Alvins ein ums andere Mal für Erheiterung sorgt. Die flapsigen Sprüche sitzen, ein echter Brüller ist z.B. der Moment als der frisch entlassene Alvin von seiner Freundin Lisa (Kimberly Elise) gefragt wird, ob er ausgebrochen sei, und er darauf etwas von Tunnelgraben und Verfolgung durch Hunde erzählt. Hammergags wie „Bad Boys – Harte Jungs“ darf nicht erwarten, doch die Wortgefechte und Slapsticksituationen sind immer gut getimt, sodass man sich gut amüsieren kann.
Auch die Action ist von Fuqua gewohnt gut in Szene gesetzt worden, doch leider macht sich auch hier der Mangel an Feindvolk bemerkbar, denn es gibt recht wenig davon. Ein paar Verfolgungsjagden, kleine Prügeleien und etwas Schusswaffengebrauch sind echt gut gemacht, machen aber aufgrund der Kürze der Actionszenen nicht so recht satt (allenfalls die Blechschadenaktion mit dem Taxi ist etwas ausgiebiger). Der Showdown ist dann etwas ausladender geraten, ist für ein Finale aber immer noch recht kurz und bietet trotz einer netten Explosion einfach zu wenig Drive, um einen würdigen Höhepunkt abzugeben, sodass der sonst recht unterhaltsame Film auf der Zielgeraden noch Punkte verschenkt.
Jamie Foxx macht dafür als Hauptdarsteller einen sehr guten Job und verleiht Alvin genug Profil, um über eine reine Eddie Murphy Imitation hinauszukommen. Vor allem in den leisen Momenten, z.B. bei ernsten Gesprächen über seine Kindheit, kann er der Figur Leben verleihen. David Morse als Brutalo-Cop ist ein echtes Highlight, Jamie Kennedy und Nestor Serrano hingegen haben kaum Raum. David Paymer ist OK, Kimberly Elise als Freundin ganz gut und Doug Hutchinson als kalter Fiesling ragt zwar nicht hinaus, bedient Genrestandards aber auf hohem Niveau.
Unterm Strich bietet „Bait“ solide Action-Comedy-Unterhaltung ohne viel Neues, aber mit reichlich Wortwitz und schicker Optik. Kurzweil für Zwischendurch, aber mit aufsehenerregenderer Action wären auch mehr als 6,5 Punkte meinerseits drin gewesen.