Vielleicht braucht es tatsächlich einige leicht naiv denkende Weltverbesserer wie den australischen Autor und Regisseur Damon Gameau, der seine Semidokumentation selbst „wissenschaftlich fundiertes Träumen“ nennt. Denn, wenn es so einfach wäre, den Klimawandel zu stoppen, wieso hat man es nicht längst getan?
Gameau, Vater einer vierjährigen Tochter, beschäftigt sich mit den Umweltproblemen dieser Tage und überlegt, wie diese bis zum Jahre 2040 gelöst werden könnten. Wie mithilfe von Solarzellen ein komplettes Dorf abgesichert ist, wie durch Algen nicht nur Hungersnöte gestoppt werden könnten und wie der Verkehr in Großstädten mit deutlich weniger Autos ablaufen würde…
Gameau reist um die halbe Welt, um anhand von Beispielen zu veranschaulichen, dass bereits zur Verfügung stehende Technik gezielt eingesetzt werden muss, um Schlimmeres zu verhindern. In einem Dorf in Bangladesh mag das mit der Solarzelle auf den Dächern funktionieren, - versuch das mal in Berlin mit diversen Großkonzernen im Hintergrund.
New York fast gänzlich ohne Autos klingt gut, stattdessen soll es führerlose Taxis für Fahrgemeinschaften geben, was eher nach dem Jahr 2240 klingt. Und LPs, DVD und Blu-Ray werden eh nicht mehr benötigt, weil Streamingdienste ausreichen würden, - schon mal etwas von Unabhängigkeit und Individualität gehört?
Zugute halten muss man dem Werk seine latent hoffnungsvolle Attitüde, die durch den orchestralen Score adäquat untermauert wird. Nach-mir-die-Sintflut-Miesepeter mag es genug geben und Gameau findet zumindest für jedes Subthema einen fachlich qualifizierten Ansprechpartner, der mit einfachen Worten entsprechende Vorstellungen unterbreitet.
Zwischendurch kommen Grundschulkinder in aller Welt zu Wort, die ihre Wünsche, Befürchtungen und Hoffnungen kundtun, was allerdings zuweilen ein wenig abgelesen rüberkommt. Die Idee mit Flugstiefeln mit pflanzlichem Antrieb klingt allerdings überaus pfiffig.
Nachdem die Geschichte mit den Solarzellen relativ viel Raum einnimmt, zeichnet sich im Verlauf eine gewisse Oberflächlichkeit ab. Themen wie die Reduzierung von Rohstoffverbrauch und die Chancen auf Bildung, primär für Mädchen, werden im Vorbeigehen abgehandelt, wobei zumindest auf den Unterpunkt von Recyclingmöglichkeiten in Form praktischer Beispiele eingegangen wird. Ohnehin wirken einige Szenarien oft ein wenig verspielt, indem erklärende Personen als Miniatur eingefügt werden, beispielsweise auf einem Toaster sitzend.
Mal eben die Welt retten ist ein respektables Vorhaben, welches sich im vorliegenden Fall wohl eher an ein jüngeres, nicht weiter nachhakendes Publikum richtet, das weniger Rindfleisch essen und mehr Bäume pflanzen soll. Löblich, dass sich jemand Gedanken macht, ohne dabei am Freitag zur besten Schulzeit auf die Straße zu gehen. Anderweitig bleibt der Stoff oft skizzenhaft und basiert auf frommen Wunschdenken, während realistische Entwicklungen weitgehend anders aussehen dürften. Gute und nachvollziehbare Ansätze treffen auf wenig Informatives und am Ende stehen zuviel Kitsch und zu wenig Ambivalenz.
5 von 10