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Albert Pyun lässt die Hitzesucher aufeinander los, denn bei „Heatseeker“ prügeln sich vornehmlich Cyborgs.
2019: Bei Kickbox-Veranstaltungen sind leistungssteigernde Cyberimplantate zugelassen, doch der Champ Chance O’Brien (Keith Cooke) ist ein kompletter Mensch. Seine Trainerin Jo (Tina Cote) ist auch gleichzeitig seine Liebschaft und Chance denkt daran, sie zu ehelichen. Dafür lässt er auch das große Turnier des Cyberkonzerns Sianon laufen, bei dem zum ersten Mal Kämpfer mit bis zu 50% Implantaten antreten dürfen. Jau, Cyborgs, Cyberpunk und bösartige Konzerne, das ist schon ein Sujet für Albert, der sich ja mit Vorliebe den Maschinenmenschen widmet.
Doch wenn Chance an dem Turnier nicht teilnimmt, wirkt dessen Sieger nicht als legitimer Champion und „überredet“ der PR-Chef Sianons Chance zur Teilnahme, indem er Jo entführt. Für Sianon geht ein ehemaliger, der nun mäßig getunte Xao (Gary Daniels) in den Ring…

Albert kredenzt uns mal wieder einen „Bloodsport“-Abklatsch, hier halt im Sci-Fi-Gewand und mit recht ordentlicher Besetzung. Tim Thomerson darf als Sianon-Chef mal wieder durch die Kulissen wuseln (hier sogar mit rot gefärbten Haaren – für Albert tut der Mann wohl alles), als weiterer Pyun-Spezi ist Norbert Weisser dabei. Besonders effektiv ist aber die Besetzung der Hauptrollen mit Keith Cooke und Gary Daniels, die prügeln wie junge Götter. Darstellerisch hat man sie hingegen schon besser gesehen, vor allem Daniels ist als belämmert guckende Robo-Version von Forrest Gump doch von seinen Bestleistungen ein ganzes Stück entfernt.
Schlägerei hingegen super, wie bereits gesagt. Denn was Albert hin an spektakulären Moves in seinen Film packt, sucht man in manch anderem „Bloodsport“-Derivat vergebens. Ein sonderlich buntes Panoptikum an Fightern und exotischen Kampfstilen bietet „Heatseeker“ zwar nicht, doch das machen die Kämpfern durch Schnelligkeit und töfte Kampfchoreographie wieder wett. Etwas billig wirken die Effekte bei den Finishing Moves, bei denen den Cyborgs andauernd die Batterien aus der Mütze fliegen.

Doch während „Heatseeker“ bei den Fights zu besseren Turnierfilmen gehört, so ist die Story hier besonders einfallslos zusammengestoppelt. Chance will Jo befreien, was zu ein paar Wemsereien außerhalb des Ringes führt, doch bleibt erfolglos, weil der Film sonst zu schnell vorbei wäre. Hinzu kommen noch ein paar Versuche vom fieseligen PR-Manager das Turnier zu beeinflussen, macht die Sache aber auch kaum interessanter. Besonders seltsam auch die abgehackte Erzählweise, da wechselt Albert so schnell zwischen den Szenen und die Charaktere zwischen ihren Gemütszuständen (in einer Sekunde kalter Verräter, in der nächsten reumütiger Freund), dass man sich als Zuschauer etwas hilflos und bisweilen auch verarscht fühlt. Vor allem das Finale mit seinen sich überschlagenden Ereignissen wirkt total aneinandergebastelt und unfertig.
Den Pyunschen Philosophieexkurs bekommt man auch nicht erspart, wenngleich sich Albert hier noch vergleichsweise kurz fasst: Etwas Gelaber über die Ethik des Kampfes und inwieweit Cyberimplantate bei Fightern und ein paar Fragen, die auch Phillip K. Dick nicht gewagt hat zu stellen. Z.B. können auch Cyborgs lieben? Die entführte Jo soll nämlich Xao bei Laune halten, weil der gar schrecklich einsam ist, der fieselige PR-Manager begehrt Jo dann auch, aber bei diesem Part schaltet man als Zuschauer besser das Hirn aus, da das Gebotene unfreiwillig komisch wirkt.

So ist Alberts futuristischer „Bloodsport“-Abklatsch aufgrund der wirklich furiosen Fights und der relativ temporeichen Fights noch über dem Durchschnitt anzusiedeln, aber die Subplots um des Trainers Liebste rauben schon einiges an Nerven und auch der Mainplot ist bestenfalls als belanglos zu bezeichnen.

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