Im dritten Teil der escape-plan-Reihe muß Ray Breslin (Sylvester Stallone) mal wieder seine Fäuste auspacken, irgendein vergammeltes Gefängnis in Osteuropa gilt es zwecks Geiselbefreiung zu stürmen und wie nicht anders zu erwarten, dreht Breslin den Oberganoven eigenhändig durch den Fleischwolf. Das ist schon der ganze Plot, der allein deswegen eine große Enttäuschung für all jene bedeutet, die sich nach dem obskuren 2. Teil eine spannende Story wie aus dem 1. Teil erhofft hatten.
Das Sequel, offenbar erneut als Ranschmeiß-filmchen für den chinesischen Markt (wo Teil 1 sehr gut ankam) konzipiert, bietet eine x-fach ausgelutschte Story von der Stange und präsentiert einen äußerst gelangweilt auftretenden Stallone, der seine wenigen Parts zwar routiniert absolviert, dabei aber in jeder einzelnen Sekunde Müdigkeit und Schlafbedürfnis ausstrahlt - ganz anders als im kurz zuvor abgedrehten Rambo V - Last blood scheint er diesen Dreh nur noch als lästige Pflichtübung wahrgenommen zu haben. Angesichts des schwachen Drehbuchs aber auch kein Wunder: der Film startet mit minutenlangen Einstellungen von verlassenen, verfallenden Fabriksgebäuden in Mansfield/Ohio - Hoffnungslosigkeit, Arbeitslosigkeit, Suppenküchen. In dieser Szenerie ist ein chinesischer Investor natürlich gern gesehen, besonders wenn dieser seine Tochter vorschickt, um den Leuten Arbeit zu geben. Aber - welch Unglück! - das Töchterlein wird trotz Leibwächter entführt und ein weiterer Chinese betritt den Ort des Geschehens. Der stellt erst einmal seine Martial-Arts-Kenntnisse in einem Büro unter Beweis, bevor dann endlich die müde Visage von Stallone auftaucht. Nach quälend lang(weilig)en Passagen in chinesischer Sprache (übrigens mehrfach im Film), in der der 2. Chinese mit dem Leibwächter schimpft, steht dann endlich fest, daß die beiden Stallone begleiten werden - denn irgendein Fiesling hat die Investorentochter ins "finstere" Osteuropa entführt. Und damit Stallone selbst auch sicher mitkommt, hat der Bösewicht dessen blonde Freundin/Tippse/Sonstwas auch gleich mit gekidnapt. Na endlich kanns losgehen...
Ein reichlich hölzerner Einstieg, aber wer sich jetzt wenigstens einige flotte Action erhofft hatte, wird erst recht enttäuscht. Zunächst gibts ein paar kurze Werbeclips von Stadtansichten aus Estland und Weissrussland, wohin Stallone und seine Begleiter im Privatjet fliegen - hier wollte man der Chose offenbar einen internationalen Anstrich verleihen, ist dann aber zu dämlich zu wissen daß die baltischen Länder schon lange nicht mehr zu Russland gehören - übrigens symptomatisch für die Schludrigkeit des irgendwie hingewurstelten Drehbuchs. Schließlich muß dann noch ein weiterer Mitspieler in Gestalt von
Dave Bautista eingebaut werden, damit Stallone nicht allein mit den beiden Chinesen werkeln muß. Dieser Trent DeRosa, dessen feinfühlige Intelligenz man auf den ersten Blick an seinen lustig tätowierten, aufgepumpten Armen erkennen kann, ist (natürlich!) ein alter Bekannter von Stallone und kennt das düstere Gefängnis: "Ist echt schlimm dort". Na wenn er das sagt... aber er kommt ja mit, und damit fühlt man sich als Zuseher doch gleich viel sicherer...
Während das Quartett dann Pläne über das Gefängnis studiert und zu dem weisen Entschluß gelangt, dort nachts einzusteigen (Drehort war übrigens eine aufgelassene Besserungsanstalt in den Staaten), erfährt der Zuschauer mittels wenig aufschlussreicher und oftmals gleichartiger, in einem schmutzigen Gelb ausgeleuchteter Einstellungen vom rüden Umgang des Kidnappers und seiner Spießgesellen mit den vor Angst schlotternden chinesischen Geiseln. Da wird es höchste Zeit, daß Stallone eingreift! Oder anders ausgedrückt: Man kann während dieses drögen Schnarchfilmchens ruhig einmal am Handy herumspielen oder sich ein Sandwich machen, denn man verpasst garantiert nichts. Überhaupt ist Escape Plan: The Extractors wie geschaffen dafür, nebenbei Formulare auszufüllen, sich die Fingernägel zu schneiden oder auch kleine Figuren auf Papier zu kritzeln...
Nichts, aber auch überhaupt nichts an diesem Schrott ist sehenswert: Ein stinklangweiliges Drehbuch ohne jede Überraschung, eine schlechte Ausleuchtung, teilweise wackelige Kamerabilder und ein paar mies getrickste CGIs (wie der Silvesterraketen-Zauber im Gefängnisgarten), ja nicht einmal die Teilnahme von Stallone (Schwarzenegger war ohnehin nicht an Bord), der wie erwähnt vollkommen lustlos spielt und überdies auch nicht sonderlich viel Screentime hat, kann dieses bemüht auf Action getrimmte Filmchen aufwerten. Stallones prägnanteste Szene im Film (außer der 2 Minuten Schlußaction) ist jener Moment, in dem er die beiden streitenden Chinesen mit einem lauten "Heeeeeeeeeeeeeeeeeeeee!" übertönt und zur Raison ruft. Wer braucht sowas? Dann doch lieber noch einmal seinen letzten Rambo-Streifen anschauen, wo er wenigstens fokussiert zu Werke geht.
Ob das schale Werbefilmchen sein chinesisches Zielpublikum zu entzücken vermag, sei dahingestellt - eine Wertung oberhalb von maximal 3 Punkten ist vermutlich selbst für die-hard-Fans von Mr. Rambo kaum mehr sachlich zu begründen. Für mich wars schlicht Zeitverschwendung, 1 Punkt.