Review
von Leimbacher-Mario
Da staunt selbst Bava
Der Wurdalak, eine klassische, tragische, europäische Vampir-/Horrorgeschichte, die schon Bava in seinem großartigen Anthologiefilm „Die drei Gesichter der Furcht“ im Mittelteil ziemlich gut aufgezogen, verdichtet hat. „La Notte dei Diavoli“ von Georgio Ferroni ist da schon wesentlich weniger bekannt, behandelt das alte Schauermärchen allerdings meiner Meinung nach sogar noch ein Stück gruseliger, ausführlicher und besser - und wer den alten Mario toppt, für den bzw. dessen Werk muss man denke ich kaum noch eine Empfehlung aussprechen, das steht für sich... Erzählt wird von einem traumatisierten und verletzten Mann, der verstört in einem Krankenhaus landet und dessen Geschichte wir in einer langen Rückblende gezeigt bekommen - voller dunkler Wälder, Hexen, Vampire, ängstlichen Familien und zerfallenden Leichen...
„The Night of the Devils“ ist ein Zweite-Reihe-Klassiker des italienischen Gothic-Horrors, der es wie gesagt mit jedem berühmteren Juwel aus der vordersten Front dieser Kategorie aufnehmen kann. Dass er das „Wurdalak“-Thema besser als jeder andere Film aufzieht, heißt wirklich was. Schauerromantisch, herbstlich, unterkühlt und sogar nicht nur mit Angst und Verwunderung gefüllt, sondern sogar mit ein paar härteren Einlagen und Schocks, die einem durch die eigentlich recht eindringliche, ruhige Atmosphäre und den bedachten Aufbau nur noch mehr ins Mark fahren. Da weiß man am Ende deutlich, warum der Mann total verändert und zerstört im Krankenhaus landete. Das Ganze kann zwischenzeitlich immer wieder deutlich als Vorbild von neueren Meisterwerken wie „Let The Right One In“ gelten, hat seinen ganz eigenen italienischen Charme und sein unter die Haut gehender Flair lässt sich nur schwer beschreiben, das sollte man einfach auf sich wirken lassen. Am besten alleine, mit heißem Kakao und in warmer Decke eingemummelt, in einer pfeifenden Herbstnacht. Diese Schauergeschichte hat massiv Stil und Klasse, scheut sich jedoch auch nicht davor, mal in schmutzigere B-Movie-Gefilde zu tauchen. Und diese Kombi sieht man selten, eigentlich nur bei Meistern und Legenden. Ich bezweifele, dass man diese Vampir-/Hexengeschichte effektiver und großartiger erzählen und ausbreiten kann - damals wie heute.
Fazit: eine unheimlich unheimliche Vampirgeschichte, die mit ihrer Atmosphäre, Akustik und Ausstattung wirklich verzücken und Angst machen kann. Wunderbar schaurig, mit edler nackter Haut und tollen Zerfalleffekten, mit creepy Kids und lachenden Vampiren. Absolut bemerkenswert!