Ein verwirrter, leicht verletzter Mitt-Dreißiger (Gianni Garko), der nicht spricht & auf nichts reagiert, wird in eine psychiatrische Heilanstalt eingeliefert. Offenbar wurde er aufgrund traumatischer Erlebnisse in diesen Zustand versetzt. Die Ärzte sind ratlos & versuchen, zumindest seine Identität festzustellen. Da bekommt er plötzlich Besuch von einer jungen Frau namens Sdenka (Agostina Belli), die ihn zu kennen scheint & ihn mit Nicola anspricht, woraufhin der Mann schreiend ausrastet. Was ist ihm bloß zugestoßen? Ein Sprung in der Zeit zurück konfrontiert uns mit den schrecklichen Ereignissen, die ihn um den Verstand gebracht haben.
Und diese schrecklichen Ereignisse dürften beim Zuschauer für ein Déjà-vu sorgen, wenn er oder sie Mario Bavas Die drei Gesichter der Furcht gesehen oder Alexei Konstantinowitsch Tolstois Erzählung Die Familie des Wurdalak aus dem Jahre 1840 gelesen hat. Giorgio Ferronis zweiter Gothic-Horror-Film, nach Die Mühle der versteinerten Frauen, greift nämlich die Wurdalak-Thematik erneut auf & ist ein großartiges Horrordrama, das vollauf überzeugen kann. Der im ehemaligen Jugoslawien angesiedelte (& hierzulande nie veröffentlichte) Streifen ist optisch ein kleiner Augenschmaus & besticht mit einer unheimlichen Atmosphäre, welche für ein Gefühl der Beklemmung, in Kombination mit einer unterschwelligen Traurigkeit sorgt.
Aus dem zentralen Schauplatz (ein altes Haus mitten im Wald) wird alles rausgeholt, die Figurenkonstellation passt & das Mystery-Element wird lange am Köcheln gehalten, sofern man mit der Vorlage nicht vertraut ist. Den (phasenweise grandiosen) Score steuerte Giorgio Gaslini (feat. Edda Dell'Orso) bei & die Make-Up-FX besorgte Carlo Rambaldi, dem mit dem sich langsam zersetzenden Schädel ein schaurig-schönes Set-Piece gelungen ist. Obwohl die gesamte Cast gut & glaubhaft agiert, muss ich die Darstellerin der Irina, Cinzia De Carolis (The Cat o' Nine Tails), gesondert hervorheben. Unfassbar gut, was die Kleine hier abliefert. Kurzum: Pflichtprogramm für alle, die mit italienischer Schauerromantik etwas anfangen können.
8,5/10