Review
von Leimbacher-Mario
Beatles bauen Brücken
Was wäre eine Welt ohne die „Beatles“? Was würdest du tun, wenn du der Einzige wärst, der sich an deren Songs erinnern kann? Würdest du dich mit „geklauten“ Hits zum Weltstar schummeln und deine Freunde, Wurzeln, Werte verleugnen? Diese Fragen stellt der neue Film von Danny Boyle, der hier eine RomCom inszeniert (geschrieben von Richard Curtiz, Kopf hinter Brit-Hits wie „Notting Hill“ oder „Tatsächlich Liebe, die ich sehr sehr mag!), die außerhalb seiner sonstigen Linie liegt, er diese aber dennoch bereichert und zeigt, dass er auch das kann. Etwas safe und unspektakulär, aber sicher nicht daneben. Und wenn man genau hinguckt, kann diese Ode an die Kraft der Beatles-Songs auch nicht verleugnen, ein Danny Boyle-Film zu sein. Ein Richard Curtiz-Film noch viel weniger. Ersteres trotz billiger Überblenden und Power Point-artiger Computergrafiken, Letzteres vielleicht gerade deswegen.
„Yesterday“ ist Gute-Laune-Pop für die Freilichtkinosaison. Einfach, locker, süß. Vollkommen ungefährlich und immer vorhersehbar. Nie auf dem Niveau seiner Songs, nicht mal knapp davor, aber welcher Film könnte das schon sein. Newcomer Himesh Patel trägt den Film in so gut wie jeder Szene auf seinen Schultern, singt die Songs grandios selbst und rockt das Ding einfach völlig. Wenn das nicht sein Durchbruch ist, dann weiß ich es auch nicht. Von dem Mann muss die Welt mehr sehen! An seiner Seite überzeugt die (immer) bezaubernde Lily James, völlig daneben und drüber fliegen allerdings die unlustigen, ablenkenden Sidekicks wie Kate McKinnon als gierige U.S.-Managerin, die nervigen Eltern des Protagonisten oder der leicht trottelige Kumpel. Außerdem ist die glatte, seichte, unschön kitschige Auflösung nicht halb so stark wie der Beginn und sowohl die neugierig machende Grundidee als auch die Power solcher Meilensteine wie „Let It Be“ oder „Eleanor Rigby“ hätten einen noch wesentlich packenderen, besseren Film verdient. Insgesamt ist das Ding etwas für den hohlen Zahn. Doch die wichtigste Message und damit die Antwort auf die einleitende Frage kommt gut genug rüber: die Welt braucht die Pilzköpfe, deren Musik ist noch immer unerreicht (auch nicht von einem sich hier herrlich selbstironsch präsentierenden Ed Sheeran) und ohne sie, wäre alles ein ganzes Stück blöder, grauer, trauriger. Das kann man ruhig mal schätzen und sich darüber freuen.
Fazit: tolle Musik, sympathische Darsteller und Figuren, Boyles Style kann man zumindest erahnen, eine fesselnde Grundidee - und dennoch ist bei mir der Funke nie ganz übergesprungen. Gut. Sommerlich. Simpel. Eine nette, mögenswerte, musikalische RomCom für die ganze Familie und ein echter Crowdpleaser. Aber ganz sicher kein großer Film, der seiner Musik auch nur ansatzweise gerecht wird. Wem das reicht und wer die Beatles liebt: ansehen!