Mag "Vertical Limit" eine Spur schwächer sein als "Cliffhanger", so ist er dennoch ein recht guter Streifen, den Action-Fachmann Martin Campbell (007 - Casino Royale) da hervorgezaubert hat. Hier und da hat der Film zwar mit einigen Logikfehlern zu kämpfen, was der Spannung und der Action aber keinen Abbruch tut...
Milliardär Elliot Vaughn (Bill Paxton) will mit einer Truppe von Bergsteiger-Profis den K2 besteigen - mit 8611 Metern der zweithöchste und gefährlichste Berg der Welt. Was die Teilnehmer nicht ahnen: Der Aufstieg soll das Medienspektakel vermarktet werden. Schon kurz nach dem Aufbruch zieht ein Sturm auf. Vaughn überredet die Gruppe, trotzdem weiterzuklettern. Aber durch den Sturm löst sich eine Lawine, Vaughn und die Bergsteigerin Annie Garrett (Robin Tunney) stürzen in eine Gletscherspalte. Annies Bruder Peter (Chris O'Donnell), ebenfalls ein erfahrener Kraxler, und der alternde Bergsteigerguru Montgomery (Scott Glenn) stellen ein Rettungsteam zusammen. Die Zeit drängt, denn Vaughn und Annie haben nur für die nächsten 36 Stunden Luft zum Atmen...
Eine echte Fehlbesetzung mag Chris O'Donnell (Der Duft der Frauen) zwar nicht sein, doch hätte man ihn zu mehr motivieren können oder einen erfahreneren Darsteller casten sollen. Leute wie Kiefer Sutherland, Hugh Jackman oder Thomas Jane zum Beispiel. Bill Paxton (Aliens) darf hingegen den hinterfotzigen Geldsack mimen, was er recht gut macht. Auch Scott Glenn (Training Day) spielt seinen Part solide, wenn auch nicht herausragend. Robin Tunney (End of Days) enttäuscht als blasse Heulbacke, während Izabella Scorupco (Reign of Fire) recht knackig und sympatisch daher kommt. Steve Le Marquand (Two Hands) und Ben Mendelsohn (The New World) haben es als kraxelnde Brüder eh drauf... vor allem verbal. Nicholas Lea (John Woo's The Thief) und Stuart Wilson (Lethal Weapon 3) gehen in ihren Nebenrollen auch in Ordnung.
Natürlich hat "Vertical Limit" eine Story, die so dünn ist wie die Luft in 8000 Meter Höhe, dennoch stört dies hier überraschend wenig. Auch die Logik mag hier zeitweise stiften gehen. Da wäre zum einen der Umgang mit dem Nitro und dessen Lagerung seitens der Pakistanis. Man könnte meinen, dass sowohl den Pakistanis als auch den kraxelnden Rettern jegliche Sicherheitsmaßnahmen bezüglich Lagerung und Umgang des Nitros völlig fremd sind. Da wird das Zeug einfach mal so im Rucksack den Berg hinaufgetragen. Aber schwam drüber. Halb so schlimm. Denn dank der unfähigen Handhabung mit dem explosiven Gebreu darf man allerlei tolle Explosionen bewundern. Und darum geht es in "Vertical Limit" hauptsächlich: spektakuläre Bergaction, bis der Reinhold grün vor Neid wird! So darf dann auch Chris O'Donnell komplett ungesichert von Fels zu Fels jumpen, ohne sich dabei auch nur einen Arm auszurenken. Nebenbei darf sich Campbell auch als fähiger Mann der Optik erweisen und mit schönen sowie atemberaubenden Land- und Bergaufnahmen brotzen. Ergänzt wird das dann noch mit solider Musikuntermalung und beeindruckender Bergatmosphäre. Der Humor kommt auch dank der Bergsteigerbrüder nicht zu kurz. Ansonsten wird der Rest noch mit etwas Dramatik und Vergangenheitstraumatas gewürzt, die das löchrige und dünne Skript wieder vergessen machen.
Alles in allem ist "Vertical Limit" ein durchaus brauchbarer Action-Thriller mit passablen Darstellern, knackiger Action, tollen Bergaufnahmen und fesselnder Kraxler-Atmo. Da kann man die Logik getrost in die Tonne kloppen... denn gerade an warmen Sommertagen könnte "Vertical Limit" für die passend Erfrischung sorgen.