Von Gipfelstürmern und anderen Verrückten - Reinhold Messner lässt Grüßen
Der Ausdruck "Vertical Limit" bezeichnet genau jene Grenze in schwindelerregenden Höhen, oberhalb der ein Mensch ohne Atemgerät nur noch knapp 36 Stunden überleben kann bevor er erstickt. Klar, daß sich im gleichnamigen Film von Regisseur Martin Campbell alles um die Bezwingung dieser verhängnisvollen Grenze dreht. Doch der Reihe nach...
Der Sonnboy Peter Garrett (Chris O'Donnell) und seine Schwester Annie (Robin Tunney) müssen während einer Bergbesteigung tatenlos mit ansehen, wie ihr Vater aufgrund eines unglücklichen Unfalls ums Leben kommt. Pech für Peter: Annie gibt ihm die alleinige Schuld am Tod des Vaters, worauf sich die Geschwister entzweien und getrennte Wege gehen.
Drei Jahre später kreuzen sich ihre Pfade zufällig im Basislager des K2, dem zweithöchsten und zugleich schwierigsten Berg der Welt. Während Peter an einer Reportage für "National Geographic" arbeitet, betreut Annie als Bergführerin den spleenigen Milliardär Elliot Vaughn (Bill Paxton). Vaughns Idee: Als Werbegag für seine neue Fluggesellschaft will er den Gipfel des K2 erstürmen und von dort aus in die Kamera eines vorbeifliegenden Flugzeuges winken.
Besessen von seiner Werbeidee ignoriert Vaughn sämtliche Unwetterwarnungen - und die Ratschläge seiner erfahrenen Bergführer. Natürlich passiert das Unvermeidliche: Die Expedition wird von einer Lawine erfaßt und verschüttet. Per Funk gelingt es den Überlebenden Kontakt mit dem Basislager aufzunehmen. Und da der Unfallort jenseits der "Vertical Limit" liegt, bleiben der Rettungsmannschaft genau 36 Stunden. Ehrensache, daß sich auch Annies Bruder Peter dem Rettungsteam anschließt...
"Vertical Limit" ist ein meisterhaft fotografierter Film. Die Bergszenen, und davon gibt es reichlich, sind ausdrucksstark und bildgewaltig. Außerdem sind sie, wie es sich für waschechtes Popcorn-Kino gehört, knallbunt und "durchgestylt". Die gesamte Szenerie wirkt perfekt ästhetisch ; allein schon wegen der Natur- und Bergaufnahmen ist der Film sehenswert.
Aber "Vertical Limit" hat noch mehr zu bieten. Die Story ist simpel, dafür jedoch spannend und unverbraucht (schließlich kann man die Bergsteigerfilme der letzten Jahre an einer Hand abzählen). Bei den reichlich vorhandenen Actionszenen geht's meistens um irgendwelche "Kunststücke" am Berg. Hier übertreibt Regisseur Martin Campbell allerdings ein wenig: Das "Strickmuster" mit dem durchgescheuerten Seil, welches in Nahaufnahme gezeigt wird und dann schließlich reißt, der Bergsteiger aber trotzdem nicht abstürzt, weil es sich in letzter Sekunde noch irgendwo festklammern kann, wird ein wenig überstrapaziert. Trotz dieses kleinen Makels ist auf dem Actionsektor alles im grünen Bereich.
Außerdem ist der Film mit einer reichlichen Portion Humor gewürzt. Hierfür sorgen vor allem die Sprüche der Bench-Brüder (Steve Le Marquand; Ben Mendelsohn), zwei Hochgebirgs-Adrenalin-Junkies, die in keiner Lebenslage um einen Gag verlegen sind.
Den besten Beweis für den hohen Unterhaltungswert von "Vertical Limit" bekommt der Zuschauer jedoch zum Schluß geliefert: Wenn nämlich nach 119 Minuten der Abspann über den Bildschirm flimmert, dann fragt man sich unweigerlich: "Wo ist die Zeit geblieben?"
Fazit:
Anspruchslos, spannend, schön bunt und zu keiner Zeit langweilig. Für Freunde des leichten Unterhaltungskinos eine unbedingte Empfehlung.