Review

Cliffsprenger


Martin Campbell hat nicht nur meiner Meinung nach gleich zwei der besten Bonds ever abgeliefert, er ist auch ansonsten ein ziemlich unterschätzter Regisseur. „Flucht aus Absolom“ sag ich da nur. Und selbst wenn sein Bergsteiger-Thriller „Vertical Limit“ jetzt sicher nicht zu den Sternstunden des Kinos gehört, macht mir dieser weiße, erbarmungslose Aufstieg dennoch genug Spaß - wenn auch oft aus nicht ganz beabsichtigten Gründen... Handlung: bei einer Exposition auf dem K2 geraten ein paar Leute nach einem Unfall und Avalanche (zum Teil verletzt) in einen Spalt bzw. eine schwer zu entdeckende Höhle. Daraufhin begibt sich ein weiteres Team (natürlich zum Teil mit persönlichen Connections) auf Rettungsmission in die gefährlichen und nie berechenbaren Höhen des zweithöchsten Bergs der Welt... 

Zwar im Jahr 2000 erschienen, ist „Vertical Limit“ noch voll und ganz dem vorangegangen Jahrzehnt der Spice Girls und der ersten PlayStation verschrieben - was absolut nicht schlimm ist und womit ich ganz gut leben kann. „Vertical Limit“ schäumt fast über vor (höchst lächerlichen, unrealistischen, dennoch schweißtreibenden!) Actionszenen, die eher einem Comic als einer Bergsteiger-Doku entsprungen sein könnten. Bocken tun sie dennoch, selbst wenn sie sich mit der Zeit deutlich abnutzen und ähneln, wiederholen. Die Aufnahmen der Berge sind jedoch noch immer über jeden Zweifel erhaben, Scott Glenn ist ein schauspielerischer Lichtblick und der Newton-Howard-Score trumpft groß auf, spielt sich fast etwas in den Vordergrund. Wer also immer mal „Everest“ auf 11 gedreht sehen wollte, ist hier richtig. Pure Unterhaltung, null Realismus. Kann man machen, kann man genießen. Selbst wenn er jetzt meiner Meinung nach keine zwei Stunden gehen hätte müssen und man sich ein wenig mehr Gedanken über die Abwechslung in Sachen Stunts und Action-Set Pieces hätte machen können. Den geringeren Ansprüchen im Actionfan (von heute wie damals) genügt das allerdings locker. Erst recht wenn man einen weichen Punkt für (mittlerweile fast schon altmodische) Katastrophen-Flicks ala „Daylight“ oder „Der Sturm“ hat. Gehirn allerdings am besten an der Garderobe mitabgeben und über nichts allzu lange nachdenken. Berieseln lassen ist hier angesagt. Läuft. 

Fazit: trashig und unterhaltsam - „Vertical Limit“ ist keine Sekunde ernst zu nehmendes Adrenalin-, Kastastrophen- und Spasskino. Ein B-Movie im A-Gewand. Umso mehr man sich mit Klettern auskennt, desto bescheuerter und lustiger wird dieser irgendwie sympathisch-blöde Action-Schmarn. Eher „Cliffhanger“ als „Everest“ - Stallones kindische Nachfahren. Die „Free Solo“-Antithese. Total 90er. Schön bescheuert und oberflächlich. 

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