Was Synchronisationen betrifft, sind wir Deutschen im Vergleich zu anderen Ländern so was von verwöhnt. Alle ausländischen Filme werden "eingedeutscht", während sich die restliche Welt mit in ihrer Sprache vorgegebenen Untertitel zufrieden geben muss. Lediglich ein Land ist uns da einen Schritt voraus. In den Vereinigten Staaten , in denen es auch alle Kalorienbomben in XXXL gibt, ist nix mit Untertiteln - dort werden direkt Remakes rausgehauen. Und wenn die Ideen ausgehen (was scheinbar bei Fastfood fressen sehr oft vorkommt), werden von eigenen Filmen Remakes gedreht.
Kommen wir aber wieder zu unseren deutschen Bequemlichkeiten und unseren deutschen Synchronsprechern zurück. Für uns ist es selbstverständlich, dass jeder bekannte Schauspieler immer denselben Synchronsprecher hat. Oder zumindest einen, der ihm zu 90% ähnlich ist. So wird ein Arnold Schwarzenegger immer von Thomas Danneberg und ein Jim Carrey immer von Stefan Fredrich synchronisiert. Ausnahmen gab es aber immer. Beispielsweise hatte Stephen Seagal schon Sprecher, die sich mehr nach Micky Maus als nach seiner gewohnten Stimme anhörten. Solche Ausnahmen sind für mich, und ich gehe mal davon aus, von allen German Voice´s Liebhabern ein rotes Tuch. Man kann sich einfach nicht einen Darsteller mit einem anderen Sprecher vorstellen.
Der einzige Film, der gegen diese Regel verstößt und trotzdem harmonisch bis in den letzten Winkel wirkt, ist der "Waterboy".
Adam Sandler, der ansonsten von Dietmar Wunder die Synchro verpasst bekommt, wird hier von Matze Knopp (damals noch bekannt unter dem Namen "Super Richie") gesprochen. Wenn ich den Film noch nicht gesehen hätte und mir diese audiovisuelle Kombination nur vorstellen müsste, würden sich meine Fußnägel bis zur Kinnlade aufrollen. Doch im Nachhinein muss ich sagen: Dieser Knopp passt zu dieser Rolle wie die Faust aufs Auge.
Die Story ist relativ einfach gestrickt:
Bobby Boucher (Adam Sandler) ist Wrestling-Fan, zurückgeblieben, Jungfrau, stottert wie ein Wankelmotor von einem Ford Fiesta und sein einziger Freund ist seine Mama Helen (Kathy Bathes). In der Schule war er auch nicht die hellste Kerze auf der Torte, so dass sein Beruf ein einfacher Wasserträger für eine Football-Mannschaft ist. Bobby ist also für die Temperatur und den ph-Wert des kostbaren H2Os verantwortlich, dass die muskelbepackten Hochleistungssportler zu sich nehmen, wenn sie von der Arschrieme bis zu den Achseln schwitzen.
Als er beim besten Football-Team der Liga gefeuert wird, bietet er seine Dienstleistungen dem absolutem Looser-Team Mud Dogs an, das von Coach Klein (Henry Winkler) trainiert wird. Dort wird Bobby auch nur gehänselt und gemobbt. Doch als ihm Trainer Klein sagt, dass es richtig ist, sich auch mal zu wehren und nicht alles in sich reinzufressen, entfacht er ungeheuerliche Fähigkeiten: Er wird mit Abstand der beste Tackler, den die Welt jemals gesehen hat. Coach Klein kommt eine Idee: Er bringt Bobby in seinem Looser-Team unter, in der Hoffnung, dass Bobby Bulldozer spielt und die laufstarken Gegenspieler in die Bewusstlosigkeit jagt. Dies geht auch so weit auf, doch von den ganzen Football-Regeln hat er keine Ahnung, dass es immer wieder Niederlagen für die Mud Dogs hagelt. Doch Coach Klein findet Bobbys Angriffszündstoff (der Dialog ist der Knaller schlechthin), um ihn zu einem echten Footballspieler zu machen. Schon bald gibt es ein Wiedersehen mit seinem alten Verein...
Okay, es gibt zwei schwere Ladehemmungen, die der deutsche Zuschauer hinnehmen muss: Zum einen ist das die wirklich ungewohnte Synchro (und wer mit der nicht klar kommt, wird den Film hassen), zum anderen kann man "Waterboy" im ersten Hinblick als flache Komödie verurteilen. Das kann ich auch irgendwie nachvollziehen. Denn wenn ein Super Richie Adam Sandler die Stimme verleiht, ein Coach in Frauen High-Heels rumläuft und eine Kathy Bathes zuhause Eichhörnchen und Geckos grillt, dürfte das nicht jedermanns Geschmack treffen. Der anspruchvolle Zuschauer wird automatisch schreiend davonlaufen.
Der Film nimmt sich aber diesbezüglich zu keiner Zeit ernst, so dass auch bei dem flachsten Witz bei mir ein Schmunzeln übrig war.
Zusätzlich punktet der Streifen bei mir, da Adam Sandler den Charakter (und in meinen Augen seine Parade-Rolle) spielt, wie ich ihn in "Happy Gilmore" kennengelernt habe. Den aggressiven Typen, der neben seiner Wortgewandtheit (okay, die fällt hier natürlich weg) schnell die Fäuste sprechen lässt.
Doch das Wichtigste, was für mich diesen Film als kleines Highlight ausmacht, ist, dass er trotz der Kalauer herzerwärmende, wichtige Botschaften mal so ganz nebenbei erzählt, die aktueller denn je sind: Sandler spielt den zurückgebliebenen Außenseiter und verfolgt in seiner kleinen Welt dementsprechend seinen eigenen Interessen (Wrestling, Tod durch Verdursten von seinem Vater in der Wüste, Abhängigkeit von Mama) da er seit seiner Kindheit durch den Dummbeutel-Status geprägt wurde, und deswegen im Jetzt von allen Seiten (dank der Vorurteile) gemieden wird. Und wenn man schon mal Kontakt zu diesem "behinderten Typen" hat, wird er, wo es geht, nur zur Lachnummer gemacht. Sandler´s Charakter bekommt also seit der Geburt nur einen drauf und ist trotz des ganzen Hasses, der um ihn rumschwirrt, seinem ganzen Umfeld moralisch haushoch überlegen. Dieser Charakter ist zwar fiktiv, aber ich verwette meine Eier, dass jeder von euch so einen ähnlichen Typen kennt bzw. kennt und vielleicht auch meidet. Und wenn wir alle ehrlich sind, haben wir zumindest in unserer Jugendzeit aus solchen Leuten Kleinholz gemacht. Einfach aus dem Grund, da Reife und Toleranz zu dem etwas anders sein gefehlt hat. Es gibt auch Leute mit 40 Lenzen, denen es immer noch in dieser Hinsicht fehlt, Minderheiten Toleranz zu zeigen oder im besten Fall sogar zu helfen.
Denn seien wir mal ehrlich: Welches Lebewesen ist verlogener und heuchlerischer als der Mensch? Geld und Macht, nur dass zählt in unserem System.
Aber bevor ich jetzt noch weiter aushole im Bereich der ethischen Sicht, komme ich mal wieder auf Sandler´s Charakter zurück: Er ist vielleicht nicht der Hellste, aber jedem anderen (bis auf Coach Klein) ist er moralisch überlegen. Dies erkennen im Laufe des Filmes dann auch alle (auch wenn man diesen Film in dieser Hinsicht mehr als Märchen als Football-Komödie bezeichnen kann) dank seiner Fähigkeiten und schuppdiwupp - ist Bobby Everybody´s Darling und bester Freund.
Diese Botschaft wird noch realistischer, als Bobby Urkundenfälschung vorgeworfen wird, die aber ein anderer begangen hat. Es interessiert keinen und so wendet sich jeder neue "Freund" wieder von ihm ab. Einfach nur zum Kotzen und so echt, wie das Leben nur sein kann.
Und da diese Message dermaßen stark rüberkommt, obwohl dieser Film einfach nur eine Komödie sein will, rechne ich Regisseur Frank Coraci sehr hoch an. Abgerundet wird mein kleines Highlight durch den bombastischen Soundtrack, der einfach nur rockt, aber auch nur Nebensache ist.
"Waterboy" funktioniert als platte Komödie gut (soweit man mit Matze Knopp klar kommt), als auch als tiefe, herzzerreißende Botschaft
9/10