Der erste Teil der Baztan-Trilogie wandelt deutlich auf den Pfaden düsterer Thriller wie „Sieben“ oder „Das Schweigen der Lämmer“ und erinnert mit seiner bedrückenden Tristesse nicht selten an skandinavische Pendants. Mit dem Dauerregen übertreibt es die ansonsten recht stilsichere Inszenierung von Fernando González Molina allerdings.
In der ländlichen Region in Nordspanien, Nähe Pamplona wird die nackte und drapierte Leiche eines dreizehnjährigen Mädchens in einem Waldstück gefunden. Kurz darauf wird ein zweites Opfer entdeckt, welches auf ähnliche Weise am Tatort hinterlassen wurde. Kommissarin Amaia Salazar (Marta Etura) führt der Fall zurück an ihren Geburtsort, wo sie neben Ermittlungen mit Dämonen ihrer Vergangenheit konfrontiert wird…
Nach dem zweiten Leichenfund kristallisieren sich die Muster eines Serienkillers heraus, der mit seinen Taten offenbar auf etwas hinweisen möchte. Die Handinnenflächen sind auf unnatürliche Weise gen Himmel gerichtet, die Körper wurden am Fluss gewaschen und in unmittelbarer Nähe findet sich ein Keks, der nur in dieser ländlichen Region bekannt und beliebt ist, was schon mal einen ersten Hinweis liefert, diverse Bäckereien zu überprüfen.
Trotz einiger Bemühungen um Hintergrundinformationen erscheint die Hauptfigur in Form der Ermittlerin nicht sonderlich sympathisch, wozu der bislang unerfüllte Kinderwunsch wenig beiträgt. Auch ein Kindheitstrauma sowie das schwierige Verhältnis zu einigen Familienmitgliedern hilft nicht weiter. Verdächtig und somit ebenfalls wenig sympathisch erscheinen einige Individuen im Dorf, zumal der Kreis der Verdächtigen anfangs ein wenig unübersichtlich erscheint.
Dennoch bleibt der eigentliche Fall überschaubar und ist im Grunde sogar recht simpel gestrickt, obgleich nie sicher ist, ob am Rande nicht einige mystische Aspekte mitmischen. So müssen irgendwann die guten alten Tarotkarten herhalten und es wird die Legende eines Waldwesens herbeigezogen, eine Art Bigfoot im Baskenland. Gleichermaßen werden düstere Familiengeheimnisse in den Vordergrund gerückt, bei denen einige Fragen unbeantwortet bleiben, - zunächst zumindest, denn es folgen schließlich noch zwei Fortsetzungen.
Der Inszenierung ist indes wenig anzukreiden, obgleich die etwas einseitig verwendeten Farbfilter auf Dauer etwas monoton anmuten. Die Kamera arbeitet grundsolide, der ordentlich arrangierte Score wird wohldosiert eingesetzt und die Mimen um Etura leisten saubere Arbeit.
Entsprechend lebt der Stoff über weite Teile von seiner latent beklemmenden Atmosphäre, während das Miträtseln um den Serienkiller zuweilen etwas in den Hintergrund rückt.
Regisseur Fernando González Molina hat sich einiges vorgenommen, der Trilogie von Autorin Dolores Redondo gerecht zu werden. So wecken unbeantwortete Fragen eher Neugier, anstatt zu frustrieren und trotz der nur teilweise interessanten Figuren könnte die eine oder andere Entwicklung im Verlauf noch für Überraschungen sorgen. Dem Kriminalfall selbst mangelt es ein wenig an Ecken und Kanten, doch die Mischung sorgt zumindest dafür, dass innerhalb der 108 Minuten kein Leerlauf entsteht und eine positive Erwartungshaltung gegenüber den Fortsetzungen geweckt wird.
6,5 von 10