Review

"GIRLS, GIRLS, GIRLS !"


Falls man mich vor einer Woche gefragt hätte, welche Nummer mir zu Mötley Crüe einfällt! Auf youtube kürzlich gesehen, weil da Motorräder vorkommen, die Qualität des Vids unter aller Kritik, 80er Jahre Videoqualität fürs TV halt.  

Dann poppt da plötzlich auf Netflix der Vorschlag für den Film "The Dirt" für mich auf. Muss man sich ansehen!? 

3 mal JA ! Würde der Dittää sagen.

Ich bin ja hoch in den 60ern und ein Rockfreak der ersten Stunde, so ab 1968. Die 80er Jahre mit ihrem Bombast-Glam-Rock aktuell etwas verschüttet in der Bio-Hard-Disk. Tommy Lee hätte ich jetzt mal gar nicht der Gruppe zugeordnet. Der gute ist uns sicher allen ein Begriff mit seiner Partnerin Pamela Anderson und einem homemade Handyvideo in grottiger Qualität auf einem Boot.

Aber zum Thema:  Spielfilmdokus über Bandgründungen und deren Karrieren sind wohl gerade angesagt. Weil zufällig vor 6 mon. Queen dran war? Wirklich zeitlicher Zufall, die Mötley Crüe Doku ist schon seit langem geplant gewesen.

Ausgerechnet Jeff Tremaine, der bei sämtlichen Jackass Filmen die Leitung hatte, wurde für diese Doku gecastet. Deswegen ist der Film wohl ab 18 ! und so humorig.

Denn er zeigt nicht gerade zimperlich, was die Jungs unter dem Begriff "SEX, DRUGS and Rock n Roll" verstehen. Eigentlich ist nur eine einzige Szene ganz am Anfang hardcore, der Rest wäre auch für eine 13+ gut. 

Das Drehbuch gründet sich auf die Autobiographie von 2001 und der Film ist seit langem in Planung gewesen. 

Da es sich um eine Doku handelt, gilt ab sofort nur eine leichte SPOILERwarnung!

Wer sind die vier Gründungsmitglieder dieser Band aus Los Angeles?

Nikki Sixx (Bass, Keyboard) und Tommy Lee (Drums), später kommt Mick Mars, das Alien (geniale Leadgitarre) dazu und zu guter Letzt die Rockröhre Vince Neil. Nach einigen Auftritten in Lokalen in West Hollywood schaffen sie es ins weltberühmte Whiskey-a-Go-Go und ein steiler Aufstieg beginnt. Mit der Berühmtheit kommt Kohle, kommen Drogen, Groupies usw. 

Positiv: die glaubhafte Darstellung der 80er, von Los Angeles und West-Hollywood, (man findet heute locker solche Ecken, wo es noch immer so aussieht wie damals), der Musik dieser Epoche des Hair-Metals, Glam-Rock, Bombast-Rock. Die Jungs gingen ja bei der Bühnenshow gleich in die Vollen, Pyrotechnik vom Feinsten, riesige Aufbauten, Tommy Lee ließ sich einen drehbaren Käfig für seine Drums bauen und trommelte schon mal kopfüber hängend. Später ließ er sich noch einen Rollercoaster bauen, der über ein ganzes Stadion passte (einfach mal auf youtube ansehen). 

Die irren Eskapaden der Jungs werden ausführlich beschrieben, ausgenommen Mick Mars, der deutlich älter als die anderen war, Rückenprobleme hatte und sich dementsprechend gesittet benahm und praktisch das gute Gewissen der Band war.

Vince Neil war/ist der sexbessene Typ, Leadsänger halt, dem die Mädels zu Füssen liegen, oder besser gesagt, vor ihm knien. Höhepunkt wohl die Szene, in der der Musikagent Tom Vince auf die Bühne holen will und an die Tür hämmert, während Vince in der Garderobe Toms Freundin von hinten geniesst und er ein lautes Ich-komme-gleeich! von sich gibt.

Nikki Sixx wiederum dröhnt sich mit Drogen zu bis über die Ohren, wird heroinsüchtig, kommt aber schlussendlich davon los. Sein Darsteller kommt in der Performance und Aussehen sehr glaubhaft hin. (Douglas Booth).

Tommy Lee ist halt Tommy Lee, der zusammen mit den anderen Hotelzimmer verwüstet, Fernseher auf die Straße wirft, nackt durch die Hotels läuft und ältere Menschen schockt. Auch hier der Darsteller mit Machine Gun Kelly genial besetzt.

Auch gibt es eine Szene mit the Lord of Darkness, Ozzy Osbourne, wo dieser den Jungs zeigt, wie man eine Line der anderen Art zieht, seine eigene Pisse und die von Tommy Lee vom Poolrand schleckt. (Wüürg). Diese Szene soll definitiv echt passiert sein.

Negativ:
Der Darsteller des Mick Mars ist ausgerechnet Iwan Rheon, der Darsteller des Ramsey Bolton, des miesesten Charakters aus Game of Thrones. Bei seinem ersten Erscheinen am Screen fiel mir sofort seine Sterbeszene mit den Hunden ein und schrecklicherweise fühlte ich damals echte Genugtuung dabei. Man sollte solche Rollen nicht mit bekannten Gesichtern besetzen, ähnlich gings mir ja bei Bohemian Rhapsody, da sah ich auch nur den Mr. Robot anstatt Freddy Mercury.

Der Darsteller von Vince Neil wiederum hat eine überhebliche Fresse, in die man ganz ohne Grund alle 10 min. reinschlagen möchte. Der echte Vince hatte damals ein sympathisches breites Grinsen im Gesicht und echtes Charisma. Aktuell hat er nur mehr ein breites Gesicht und das dreifache Gewicht. Der tragische Tod seiner 4-jährigen Tochter ist etwas lang und breit ausgewalzt, die kleine Darstellerin ist aber eine Wucht!

Zu kurz kommt auch die Musik, die Entstehung der Nummern, die Frage, wer hat eigentlich die Songs geschrieben,der Rollercoaster von Tommy Lee wird nur ganz zum Schluß in echt gezeigt, nämlich ein kurzer Ausschnitt aus ihrem Abschiedskonzert vom Sylvester 2015.

Trotz einiger historischer Unschärfen unbedingte Empfehlung für alle Rockfans. Beachtet beim Abspann die Gesichter von Manager Doc McGhee und Musikagent Tom Zutaut.

Und dass dieser Musikstil damals METAL hiess, läßt einen nur schmunzeln, wenn man die Entwicklung bis in die heutige Zeit betrachtet. Amon Amanth, Megadeath, Slayer, Slipknot....usw.






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