Review
von Leimbacher-Mario
Katerbemühstück
Partyfilme, von „Animal House“ über „Project X“ bis „Superbad“, von „Saturday Night Fever“ bis „Hot Tub Time Machine“ - irgendwie habe ich eine schwache Stelle für sie. Selbst für schlechtere wie Xavier Gens' „Budapest“, der spüren lässt, dass der sonst eher für harten Horror bekannte Regisseur hier Neuland betreten wollte. Dass er seinen Film dann (zumindest außerhalb von Frankreich) direkt zu Netflix wandern ließ, kann man als Warnung sehen, muss man aber nicht... Zumindest nicht als super scharfe. Erzählt wird von zwei verheirateten Kumpels, die es satt haben auf der Arbeit nicht respektiert oder glücklich zu werden und dass daheim ihre Ehen auch etwas eingeschlafen sind. Also machen sie kurzerhand den „genialen“ Plan, im günstigen, dreckigen und versauten Budapest Junggesellenabschiede für ihre französischen Kollegen zu organisieren - und dabei geraten sie natürlich selbst in den ein oder anderen wilden Abend und eine toxische Abwärtsspirale für ihre Männlichkeit und kriselnden Beziehungen...
„Budapest“ geht natürlich gut nach vorne. Es gibt nackte Haut, heiße Beats und schnelle Schnitte, Chaos und Gaudi, französisch-frechen Humor und politische Unkorrektheit. Einschlafen oder das Interesse komplett verlieren, ist dabei unmöglich, würde ich mal frech behaupten. Das ist zusammen mit dem Tempo, den Ferkeleien und der guten Laune sicher auch allgemein einer der Pluspunkte dieses Subgenres für mich. Oft überträgt sich der Wahnsinn und der Overkill einfach auf mich und ich gehe mit oder habe gar Bock, selbst auf die Piste zu gehen. Selbst wenn es nur Kopfkino sein sollte. „Budapest“ schlägt in eben diese Kerbe, ist jedoch alles andere als Werbung für die ungarische Hauptstadt. Denn die ist eigentlich ja weit mehr als nur Partytempel, eher wunderschön und kulturreich sogar. Diese Seiten kommen natürlich komplett kurz, sind nicht Augenmerk und die zwei Hauptfiguren sind sicher auch etwas problematisch, das alles hat man schon wesentlich besser, dynamischer gesehen und selbst in ihrer Ausartigkeit könnten die Nächte sicher noch einen drauf legen. Außerdem fallen genug Witze flach, selbst in der in jedem Fall zu bevorzugenden französischen Sprachfassung. Einige völlig durchgeknallte Nebenfiguren wie ein Waffenhändler haben allerdings für die größten Lacher bei mir gesiegt. Was mich jedoch noch länger beschäftigt, bei Laune gehalten hat und auch noch viel eher hängen geblieben ist als die ausufernden, ideenreichen JGAs, sind die unterschwelligen, ungeschönten Kommentare zur aktuellen Situation der Männlichkeit und von Beziehungen zwischen Mann und Frau. Hier wird durchaus mal in die Vollen gegangen und weniger Blätter vor den Mund genommen, als es vielleicht in Hollywood üblich/möglich wäre. Dennoch bleibt im Endeffekt aber maximal was für den hohlen Zahn und Fans von filmischen Partyexzessen mit tricolore Anstrich.
Fazit: The French Over! Laut, aktuell, schrill und nackt. Nettes Partyfilmchen, französisch und flach. Night mehr, nicht weniger.