... Enrique(ta) Favez.
In den 1810er Jahren reist die in Lausanne geborene Enriqueta Favez – nachdem sie als Mann getarnt an der Sorbonne Medizin studiert hatte – als Chirurg Enrique Favez nach Kuba, um dort nach ihrem Sohn zu suchen.
Fündig wird sie nicht: Ihr Ziel, eine Kaffeeplantage, wurde – so heißt es – von aufständischen Sklaven niedergebrannt (tatsächlich jedoch von Farmern zwecks Landaneignung abgebrannt). Aber als schweizer Arzt macht Favez sich mit modernen Methoden schnell unter den Einheimischen von Baracoa beliebt; auch weil sie mit weiblichem Blick als eine Art frühe Sexualtherapeutin fungiert. Auch der Bürgermeister beteuert bald, Baracoa hätte noch nie einen so guten Arzt gehabt – und ihre ersten Patienten schenken Favez schon früh einen Sklaven und eine Sklavin, denen Favez ihrerseits die Freiheit schenkt. Während die Frau sich auch tatsächlich bald den entflohenen Sklaven in den Wäldern anschließt, bleibt der Mann jedoch als Bediensteter bei Favez, deren wahre Identität er früh erahnt, aber mit Verweis auf die Geschlechtlichkeit von Götter- und Heiligengestalten bedingungslos akzeptiert.
Während Favez als Gegnerin der Sklaverei schon früh mit dem Sklavenhändler Benítez aneinandergerät und es sich trotz aller Vorbehalte in der Bevölkerung nicht nehmen lässt, auch die wie Tiere behandelten "Neger" in ihrer Praxis zu behandeln, kommt sie in ihrer Funktion als Arzt schnell einer Patientin, der Mestizin Juana de León, näher, die einst von Benítez vergewaltigt worden und seitdem als vorehelich Entjungferte im Ort verschrien ist. Es kommt zu einem Liebesverhältnis, das auch nach Favez' Eingeständnis ihrer weiblichen Identität trotz anfänglicher Schwierigkeiten anhält und in eine Eheschließung mündet.
Favez ersteigert den Sohn der einst von ihr in die Freiheit entsandten, aber wieder eingefangenen Sklavin, um ihn mit Juana als eigenes Kind aufzuziehen. Auch die Ernennung zum Stadtrat steht Favez aufgrund ihrer bisherigen Leistungen, ihrer Charakterstärke und ihrer guten Beziehungen kurz bevor. Doch ihr immer offener und aggressiver ausgetragener Streit mit den Sklavenhändlern führt bald dazu, dass Favez überfallen und vergewaltigt, ihr Bediensteter erschossen, ihre Ehefrau geschlagen und das Libertad getaufte Ziehkind entführt wird. Mit der Offenbarung ihrer Geschlechtsidentität beginnt zudem ein aufsehenerregender Prozess – in dessen Rahmen sich Favez als männlicher Geist in einem weiblichen Körper gefangen präsentiert –, der für Favez eine lange Haft und Suizidversuche mit sich bringt und auch an Juana de León nicht spurlos vorübergeht...