Italien, 1944: Die frankokanadische Krankenschwester Hana setzt sich kurz vor Kriegsende von ihrem Trupp ab, um in einem verlassenen Kloster einen ihrer Patienten zu pflegen, der vor Jahren mit dem Flugzeug in der nordafrikanischen Wüste abgeschossen wurde und dabei schwerste Verbrennungen am ganzen Körper erlitten hat. Der vermeintliche Engländer entpuppt sich in Wahrheit als der ungarische Graf László Almásy, der vor Kriegsbeginn eine ägyptische Expedition geleitet hatte... und währenddessen eine Affäre mit der verheirateten Engländerin Katharine Clifton begonnen hatte, die tragisch enden sollte. Während Almásy Hanna nach und nach seine Geschichte erzählt, taucht der Kanadier Caravaggio auf, der für den britischen Geheimdienst tätig war und auf der Suche nach dem Mann ist, der ihn an die Nazis verraten hat, um sich an diesem für die erlittene Folter zu rächen... und den er nun in dem "englischen Patienten" ausgemacht zu haben glaubt... Unfassbare neun Oscars - und damit einer mehr als "Vom Winde verweht! - hat die Academy 1997 Anthony Minghellas Breitwand-Schnulze "Der englische Patient" nachgeworfen und sich damit wieder mal zum Affen gemacht, denn so wirklich verdient war davon doch keiner... und auch wenn ich nicht der größte Fan der Coen-Brüder bin, so muss ich doch anmerken, dass ihr "Fargo", der damals ebenfalls als "Bester Film" nominiert war, im direkten Vergleich mit ziemlich großer Sicherheit doch der wesentlich bessere und nachhaltigere Film gewesen ist und ich mit dieser Meinung sicherlich nicht alleine dastehe. Man merkt angesichts des Leinwand-Ungetüms, was den Machern da konzeptionell vor Augen geschwebt ist, als sie sich an die Umsetzung des zugrundeliegenden Romans von Michael Ondaatje gemacht haben, doch irgendwie haben sie es doch fertig gebracht, ihre Adaption nach Strich und Faden zu vergeigen: "Der englische Partient" will im Kern eine große, tragische Romanze beschreiben, liefert aber doch nur Plattitüden und (mindestens) zwei Arschloch-Figuren mit bestenfalls zweifelhaftem Charakter, die einem komplett egal bleiben. Ein paar hübsch eingefangene Aufnahmen der Wüste wecken derweil immer wieder Erinnerungen an solche Hollywood-Epen wie "Lawrence von Arabien" und "Cleopatra", die tatsächlich noch als große Leinwand-Spektakel durchgegangen sind... so wirklich epochal ist hier allerdings nur die Laufzeit von über zweieinhalb Stunden, in denen chronologisch zudem munter hin und her gesprungen wird, was einerseits ein Mehr an narrativer Substanz heuchelt, das eigentlich nicht vorhanden ist, und die an sich simple Geschichte so richtig schön zäh vor dem Zuschauer ausbreitet. Dass hier trotz der ungewöhnlichen Erzählweise im Grunde genommen aber doch nur leidige Uralt-Klischees zusammengestoppelt wurden, merkt man alleine schon daran, dass man in einer Folter-Szene tatsächlich Jürgen Prochnow als üblen Nazi-Major auftreten lässt... wie originell! Ach ja, übrigens: Dass der reale László Almásy, der das Vorbild für die Ralph Fiennes-Rolle gewesen ist, in der Realität mal zumindest so ein kleines bisschen mit den Nazis zusammengearbeitet hat (und das vermutlich nicht - wie es im Film gegen Ende kurz angerissen wird - notgedrungen aus Liebe), kommt da noch erschwerend mit hinzu... wie man zu einer solchen zumindest mal geschönten Darstellung steht, muss jeder Zuschauer mit sich selbst ausmachen (und Ondaatje hatte da zumindest noch den Anstand, den Namen der Hauptfigur in seinem Buch dezent abzuändern). Die Kombination von Tränendrücker-Romanze und immer gerne hergonommenem Weltkriegs-Setting gab da wohl den Ausschlag für den Erfolg an der Kinokasse sowie die positive Reputation bei Publikum wie auch Kritikern, aber eigentlich ist mir doch unbegreiflich, wie man nach Ansicht dieses aufgeblasenen Langweilers voller melodramatischer Sülze der Meinung sein kann, gerade einen guten Film gesehen zu haben...
4/10