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In Los Angeles trifft sich im Keller einer Kirche regelmäßig eine Gruppe verschiedener Leute, um sich über ihr Leben auszutauschen. Ähnlich den anonymen Alkoholikern handelt es sich hierbei jedoch um anonyme Killer beiderlei Geschlechts, die unter der Moderation einer Gruppenleiterin von ihren Erfahrungen berichten - der Oberaufseher und Mentor der Gruppe (Gary Oldman) ist - sofern er nicht selbst anwesend ist - stets mit einer Live-Schalte dabei. An jenem Tag hat es gleich zwei mißglückte Attentate auf ein und denselben US-Senator gegeben, was nicht nur die Polizei von L.A., sondern auch die Gruppenteilnehmer beschäftigt, da keiner vom anderen weiß, ob er/sie nicht vielleicht etwas damit zu tun hat. Da an jenem Abend auch eine neue Teilnehmerin aufkreuzt, herrscht bei dem halben Dutzend Teilnehmern gespanntes Warten, wer wohl als erstes mit interessanten Informationen herausrückt. Vorsichtig schildern die anonymen KillerInnen aber zunächst ihren Werdegang bzw. Erinnerungen an ihre ersten Morde...

Killers Anonymous startet mit einer an sich interessanten Ausgangssituation, die in Punkto Dialoge und Bildführung eine Viertelstunde lang frappierend an frühere Tarantino-Filme wie Reservoir Dogs oder Pulp Fiction erinnert: Mentor Oldman reist zu einem "Notfall" nach London, zu einer Killerin (Jessica Alba als Jade), die einen Job vermasselt hat - in bildfüllenden Großaufnahmen der Gesichter muß ihr Oldman geduldig jeden Brocken einzeln aus der Nase ziehen, wobei vollkommen unwichtige Befindlichkeiten ans Tageslicht kommen. Sie sei irgendwie abgelenkt gewesen, weil sie nach 3 Jahren einen Türsteher wiedergetroffen hat, der nun mit einer früheren lesbischen Freundin von ihr zusammen ist und sie deswegen nicht in den Club gelassen hat. Dummerweise hatte sie jenen Türsteher, der sie gar nicht erkannt hätte, mit einer Begrüßung auf sich aufmerksam gemacht...
Solch bedeutungsschwangere Dialoge durchziehen übrigens den ganzen Streifen. Jade/Alba trifft sich etwas später mit jener Freundin in einer menschenleeren Bar, aber die einstmalige Freundin mit blonder Perücke (später eine Gruppenteilnehmerin)  hält nichts von Sentimentalitäten und nietet sie recht zielstrebig um, was recht plakativ von eingeblendeten Comicstrips begleitet wird. Ein recht kurzer Auftritt von Jessica Alba, aber ihr Name ist damit auf der Besetzungsliste. Oldman hat zumindest mehr Screentime...

Später dann sitzen dann die Gruppemitglieder inklusive der Neuen (einer dunkelhäutigen Schönheit - Rhyon Nicole Brown - die ihren Namen vor lauter Nervosität gar nicht nennen will) im Kirchenkeller und drücken sich wie Fünftklassler um die Reihenfolge, in der ein jeder TeilnehmerIn "auspacken" soll. In einer von mehreren Rauchpausen auf dem Dach des Gebäudes  meint Profikiller Markus (Tommy Flanagan), im Übrigen ein großkotziger Besserwisser, den die Sojamilchmaschine eines anderen Teilnehmers auf die Palme bringt, in erstaunlich zutreffenden Worten: "Ich finde, alles was ihr draufhabt, sind lange Monologe. Ich hab das Gefühl, hier mit nem Haufen schräger Vögel in einem Nest zu hocken." Fürwahr, viel prägnanter könnte man den Inhalt von Killers Anonymous nicht beschreiben...

Um zwischenzeitlich aufkommender Langeweile vorzubeugen, versteckt sich ein junges Mädchen lauschenderweise in der Zwischendecke der Kellerräume, außerdem taucht auch noch ein totgeglaubter Überraschungsgast auf. Trotzdem zündet die Story zu keinem Zeitpunkt wirklich, und da auch keiner der TeilnehmerInnen ein besonderes Interesse zu wecken vermag (von Gary Oldman einmal abgesehen) und auch action-technisch nicht allzuviel passiert (eigentlich erst am Schluß), erfordert es einen gewissen Durchhaltewillen, diesen Streifen zu Ende zu schauen.

Wer auf sehr dialoglastige Filme (wie beispielweise Tarantinos Jackie Brown, ein diesbezüglich allerdings hervorragender Film mit sympathischen Darstellern) steht, wird hieran Gefallen finden, alle anderen werden  - durch einige prominente Namen geblendet - vermutlich eher enttäuscht sein. 3 Punkte.

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