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Es war ein spektakulärer Millionen-Raub, den eine 6-köpfige Bande kurz nach dem Millenium in Frankreich durchzog, und er gelang sogar - nur einer von ihnen wurde von der Polizei geschnappt. Während sich die anderen mit der Beute nach Südostasien absetzten, mußte Mehdi (Sami Bouajila) 15 lange Jahre hinter Gittern verbringen. Nun aber hat er, der immer dicht hielt, seine Strafe abgesessen. Kaum entlassen, sitzt er bereits im Flieger nach Phuket, um sich endlich seinen Anteil der Beute abzuholen.
Doch das Wiedersehen mit den Kameraden von einst gestaltet sich etwas anders, als Mehdi dies erwartet hat: zwar heißen sie ihn willkommen und laden ihn auch auf Wein, Weib und Gesang ein, doch was das Geld betrifft, so sind sie allesamt ziemlich klamm - mit anderen Worten, die können Mehdi nicht auszahlen. Das Leben in Thailand bzw. dessen spezielle Umstände beim Investieren solcher Summen hatten sie zwar zu Geschäftsleuten gemacht, doch das Kapital hatte sich nicht vermehrt, sondern wurde im Lauf der Zeit immer weniger. Die ehemals harten Burschen sind mittlerweile ziemlich zahm geworden, halten sich mühsam über Wasser und profitieren u.a. vom Wohlwollen des örtlichen Polizeichefs, dessen Tochter Mehdis Bruder extra zu diesem Zweck geheiratet hatte. So bitten sie Mehdi vorerst um Geduld, versichern aber gleichzeitig ihre feste Absicht, dem nachgereisten Bandenmitglied seinen Teil der Beute übergeben zu wollen.
Doch der Ex-Knacki kann und will nicht recht glauben, was er da hört und sieht. Er hatte im Knast genügend Zeit, über vieles nachzudenken, und angesichts der Probleme mit konkurrierenden Zuhältern oder auch einem korrupten Polizeichef glaubt er, mit der seinerzeit in Frankreich erprobten, brutal-direkten Vorgehensweise sich auch hier und heute in Thailand durchsetzen zu können - ein fataler Irrtum. Nicht nur, daß er mit seinem Verhalten das fein ausbalancierte Gleichgewicht zwischen den Einheimischen und den nach wie vor nur des Geldes wegen tolerierten europäischen Ausländern stört, fangen auch seine ehemaligen Kumpanen an, sich gegenseitig zu mißtrauen...

Seine nicht sonderlich innovative Geschichte einiger Räuber, die im Nachgang des großen Coups, mit dem sie für alle Zeiten ausgesorgt haben wollten, am anderen Ende der Welt auf Schwierigkeiten stoßen, hat Regisseur Xavier Durringer in Thailand angesiedelt. Doch trotz einiger schöner Strandansichten passt in Paradise Beach fast gar nichts zusammen: besonders die Darsteller scheinen wenig Lust verspürt zu haben, ihre Filmrollen adäquat ausfüllen - sie finden überhaupt keinen Draht zueinander, und dies überträgt sich auch schnell auf den Zuschauer, der an den teilweise wild tätowierten Männern, die in Gestus und Habitus unerklärlicherweise allesamt zu Warmduschern mutiert sind, überhaupt kein Interesse hat.

Nicht einmal Hauptdarsteller Sami Bouajila, der immerhin gleichsam fokussiert wie auch völlig humorbefreit die für ihn unbefriedigende Situation Stück für Stück eskalieren läßt (und dessentwegen ich mir den Streifen überhaupt gegönnt hatte), kann hier wirklich überzeugen: auch er legt - wie seine Mitspieler - wenig plausible Verhaltensweisen an den Tag, so daß streckenweise der rote Faden verloren zu gehen droht. Dies freilich liegt am äußerst schwachen Drehbuch, das einige Schlüssel-Begebenheiten nur kurz andeutet bzw. in Nachhinein darüber berichtet, sodaß das Geschehen lange Zeit ziemlich wirr bleibt.

Dabei sind die unerwarteten Umstände eigentlich das größte Plus, mit dem Paradise Beach aufwarten könnte: statt hartgesottener Profis, die sich in ein vermeintliches Paradies abgesetzt hatten, nun ihr Geld für sich arbeiten lassen und dem neu Hinzugestoßenen einen ebensolchen geschäftlichen Einstieg ermöglichen können, sitzen da ein paar verzagte Männer mittleren Alters, die unter vagen Andeutungen zur Korruption in Thailand jede Initiative ausbremsen. Das klingt zunächst einmal merkwürdig und weckt Interesse, doch weil diesen Andeutungen nie konkrete Beispiele folgen und der Film diverse, nicht immer zusammenhängende Szenen aneinandereiht, erlischt dieses Interesse schon recht bald wieder.
Erst ganz zum Schluß, als es ans Eingemachte geht, kann man sich dann - nachträglich - das eine oder andere zusammenreimen. Das ist aber zu wenig, um auch nur durchschnittlich zu unterhalten, von dem etwas fragwürdigen Ende einmal ganz abgesehen: 3 Punkte.

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