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Motivation. Selbstbewusstsein. Gesundheit.


Laufen - eine Sache, ein Sport, den ich kaum verstehe oder betreibe. Es gibt für mich nichts Schlimmeres, Anstrengenderes, Nervigeres. Umso mehr bewundere ich die Leute, deren Hobby und Passion genau das ist. Ich verstehe die Vorteile der frischen Luft und des extremen Kalorienverbrauchs, die Simpelheit und die Schönheit der Natur oder Stadt, die innere Ruhe die man da wohl finden kann. Dennoch ist es einfach nie etwas für mich gewesen, fünf Kilometer sind da schon das Alleräußerste der Gefühle. Nicht unbedingt weil ich dick oder unsportlich bin, sondern einfach, weil es mir nur Qual und kaum Spaß oder Befriedigung bringt. Doch umso größeren Respekt habe ich natürlich vor den langjährigen, ausdauernden und darin aufgehenden Joggern, Sportlern und Abnehmern. Die Poser und Angeber auf Instagram mal ausgenommen, denn sowas sollte man schon für sich selbst tun, nicht um sich zu vergleichen, andere zu toppen oder sich darüber zu definieren. Warum ich das alles erzähle und ausschweife? Weil „Brittany Runs a Marathon“ viele dieser Gedanken und Punkte aufgreift, von einer etwas übergewichtigen mittelalten Frau in New York erzählt, die abnehmen will bzw. gesundheitlich besser auch sollte und nun etwas notgedrungen mit dem Joggen anfängt, so ihr Leben auch etwas in den Griff bekommen will. Und sich als finale Ziellinie den berühmten Marathon der Stadt vornimmt, dabei natürlich einigen Vorurteilen und Problemen über den Weg läuft, von ungesunden Freunden über Motivationsprobleme bis zu Gelenk- und Knochenproblemen... 

„Brittany Runs a Marathon“ könnte man auf den ersten Blick vorwerfen, dass er gegen den Strom bzw. Dove-Werbungen schwimmt, in denen gepredigt wird, dass jedes Körperbild toll und schön und gesund ist. Aber selbst dazu nimmt er intelligent und recht realistisch Stellung, geht mit solchen vor allem heutzutage empfindlichen Themen sehr sensibel und clever und offen und ambivalent um. Jillian Bell war nie eine der Schauspielerinnen, die ich toll oder talentiert fand - aber diese Rolle scheint wie für sie gemacht und sie spielt das wirklich famos, durch alle Gewichtsstufen und Lauffortschritte hindurch. Zudem ist es auch noch ein ordentlicher New York City-Film, ein sehr brauchbares Amazon-Eigengewächs und für (angehende?) Läufer ein ziemlich sympathisches Must-See. Aber nicht nur für die, nicht nur für „dicke Frauen“, ganz und gar nicht. „Brittany Runs a Marathon“ spricht von der oberflächlichen, vergifteten Social Media-Welt bis hin zu echtem Glück sehr viele Facetten an, die man mitnehmen und aus denen man Positives ziehen kann. Alles wirkt sehr bedächtig, ehrlich und unkitschig, vom Laufen selbst bis zu möglichen romantischen Abenteuern. Und das bleibt hängen und hat bei mir sogar einige echte Gefühle ausgelöst. Keine, die mich die Laufschuhe schnüren lassen, aber welche, die das ein oder andere (Freuden-)Tränchen auf die Reise geschickt haben. 

Fazit: sehr angenehmer, realistischer und motivierender Ansporn, Antrieb, Anstoß. Nicht zum Abnehmen oder blind Loslaufen, sondern zum Glücklich- und Gesundwerden. Feiert das Laufen, das Leben, das Lieben und die Leidenschaft. Mal eine ganz andere, bodenständige „RomCom“. Perfekte, süße, sympathische und sinnvolle Sonntagnachmittagunterhaltung. Eher ein Sleeperhit als ein echtes Highlight des (Heim-)Kinojahres. 

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