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Wer mit einem Zitat von Jeffrey Dahmer einsteigt, will offenbar hoch hinaus oder in die finsteren Tiefen einer Seele hinabsteigen. Autor und Regisseur Kai E. Bogatzki befasst sich bei seinem Langfilmdebüt mit einem Serienkiller, was vom Stil her ein wenig an William Lustigs „Maniac“ erinnert.

Xavier (Marc Engel) lebt in Prag, wäscht tagsüber Autos und stellt nachts Frauen nach, die er auf bestialische Weise umbringt. Als er die Kellnerin Karolina kennen lernt, könnte das in ihm eine Weiche umstellen…

Die nicht unbegründete Befürchtung, es bei einem deutschen Independentfilm mit amateurhafter Stümperei zu tun zu haben, bewahrheitet sich hier glücklicherweise nicht.
Das untermauern früh die versierte Kamera, der saubere Schnitt, die zumeist passend kontrastarme Farbgebung und die durchweg passablen Mimen, von denen Engel als unberechenbarer Killer glasklar hervorsticht und mit einer ordentlichen Präsenz seinen düsteren Fantasien nachgeht.

Nur leider will hierbei zu selten Spannung aufkommen, denn der Killer geht nach wiederkehrendem Schema vor, jedoch findet keine Entwicklung statt. Insofern bleibt der Blick in die Psyche des Serienkillers weitgehend verwehrt, lediglich einige Flashbacks deuten mithilfe einer Egoperspektive das überaus problematische Verhältnis zwischen Xavier und seiner Mutter an.

Die Kills selbst sind zum Teil recht schonungslos in Szene gesetzt. Zwischendurch wird ein Kopf abgesägt, ein Kehlenschnitt gesetzt und es gibt Fleischwunden, von denen eine genäht wird. Eine rückwärts ablaufende Mordsequenz in Zeitlupe zählt bei alledem zu den optischen Highlights und auch musikalisch fallen einige Themen recht markant aus, vor allem das Titelthema, welches in Richtung Industrial tendiert.

Dennoch fällt die Angelegenheit weitgehend dröge aus, denn es gibt weder Ermittlungsarbeiten am Rande, noch scheint Xavier jemals Gefahr zu laufen, entdeckt oder gestört zu werden, was sich primär während einer gewalttätigen Spielerei auf der Toilette eines Clubs abzeichnet, - die wird ebenso wenig registriert wie der spätere Mord unter potentiell Dutzenden von Zeugen.

Eine unzureichend ausgearbeitete Pointe, zu wenig Abwechslung und viele unnötige Szenen wie morgendliche Routinen oder der Versuch einer Konversation während der Arbeit bremsen die Studie über einen Serienkiller stets aus, was hinsichtlich des soliden Handwerks und des überzeugenden Hauptdarstellers recht schade ist. Da stand sich das Drehbuch zu oft selbst im Weg.
4,5 von 10

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