Review

Horror ohne Einbindung konkreter Bedrohungen kann funktionieren, etwa bei „Blair Witch Projekt“. Thrill in äußerst überschaubarer Figurenkonstellation auch, da reicht James Franco in beklemmender Situation in „127 Hours“. Und wenn das Budget nicht für ein CGI-Monster ausreicht, stülpt man sich eben ein Ganzkörperkostüm über, was bei Jack Arnold in „Schrecken vom Amazonas“ problemlos klappte. Bei der zweiten Regiearbeit eines gewissen Lux werden all diese Optionen jedoch rein gar nicht berücksichtigt.

Nach einer Fehlgeburt wollen Amy (Alex Essoe) und Jack (Georgie Daburas) mit einem spontanen Trip auf eine kleine einsame Insel einen Neuanfang wagen. John verheimlicht jedoch, dass er für einen Schwarzmarkthändler ein Artefakt der Ureinwohner mitbringen soll, - ein in mehrerlei Hinsicht großer Fehler…

Eine Insel. Zwei Personen. Machbar. Sofern nicht zwei komplett unsympathische Figuren in den Vordergrund geraten, die kaum mehr als Oberflächlichkeiten von sich geben. Aus nachvollziehbaren Gründen kann eine Fehlgeburt eine Partnerschaft nachhaltig nach unten ziehen, was aber nicht vollends erklärt, warum jeder von Anfang an sein eigenes Ding durchzieht und es folgerichtig nicht allzu viele gemeinsame Szenen gibt. Ein Zugang zu den unterkühlt auftretenden Protagonisten ist ergo kaum möglich. Zudem ist es auf dramaturgischer Ebene fragwürdig, die Rahmenhandlung mit der Befragung eines Überlebenden zu gestalten, womit der Ausgang bereits besiegelt ist.

Und was tut sich auf der roten Felseninsel? Im Grunde genommen nichts. Außer dem Knacken einiger Äste werden die beiden kaum aus ihrer jeweiligen Lethargie gerissen, hinzu kommt eine kontrastarme Farbgebung, die bis auf ein blaues Zelt und ein paar grüne Farne nah am Schwarzweiß liegt und die Stimmung zusätzlich runterzieht. Von dem bösen Einfluss auf der Insel ist jedenfalls wenig zu spüren, mal abgesehen von der kaum zu kittenden Beziehung. Ein Rückblick, der folgerichtig ein wenig Farbe einbindet, wirkt da wie ein Fremdkörper aus einem anderen Film.

Allzu viel gibt die Kulisse der Insel indes auch nicht her. Hier und da ein paar Felsen, so etwas wie ein Höhleneingang, welcher jedoch nicht näher in Augenschein genommen wird, dazu eine wiederkehrende Panoramaansicht des Eilandes bei Mondschein. Kaum Abwechslung. Da bringt auch der Anblick des Artefaktes wenig, denn dies entpuppt sich als schlicht bemalte Plastiktafel mit irgendwelchen Männchen drauf und schürt kaum Argwohn.

Das Ausleuchten der Sets vergisst Lux trotz seines eigentlich eindeutigen Namens auch noch. Der für Kamera und Editing zuständige Regisseur hätte spätestens beim Schnippeln merken müssen, dass Fluchtszenen ohne kaum wahrnehmbaren Hintergrund wenig Sinn ergeben, ganz zu schweigen von der Bedrohung, welche letztlich nur auditiv wahrnehmbar ist.

Am Ende ergibt sich trotz der kurzen Laufzeit von 79 Minuten ein Langweiler, bei dem allenfalls der Score nebst tauglichen Abschlusssong recht positiv hervorsticht. Selbst eine genreerfahrene Mimin wie Alex Essoe kommt hier wie eine blutige Anfängerin rüber, die mit schwacher Figurenzeichnung innerhalb spannungsfreien Treibens nicht gegen das schwache Drehbuch ankämpfen kann.
2,5 von 10

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