Es ist nicht jedem gegeben, der ein Faible und ein gewisses Talent für das Visuelle hat, daraus auch Gesamtkunstwerke zu schaffen.
Das gilt speziell für „Lux“, den Regisseur, Autor und Kameramann dieses 78-Minuten-Gruslers, der sich seine Meriten durchaus als Beleuchter und Kameramann verdient hat, aber als Regisseur dieses seines ersten Langfilms gewaltig abstinkt. Was auch an seinem Drehbuch liegt.
Auf dem Papier liest sich „Red Island“ ganz reizvoll: Angespanntes Pärchen reist zum Campingurlaub auf eine einsame Insel, wo es dann umgeht, bzw. eine Kreatur umgeht. Das alles in netto 70 Spielminuten gepackt, kann das ja gar nicht schiefgehen, immerhin hat der Machen ja einen Knack fürs Visuelle.
Weit gefehlt.
Das Beste, was ich über „Red Island“ sagen kann, ist, dass er wirklich ganz hübsch aussieht. Eine wilde, bewaldete, zerklüftete Insel vor der Westküste in British Columbia, menschenleer, ziemlich tierleer und somit atmosphärisch sehr gehaltvoll, geschmackvoll eingefangen in ruhigen Zwischenbildern.
Nur, dass „Red Island“ auch sonst eigentlich ziemlich ruhig ist.
Und ziemlich schlecht konzipiert!
Das beginnt schon damit, dass wir nach einer Wir-stolpern-durchs-Gelände-Pre-Title-Sequence den armen Tropf von Jungmann kurz darauf im Verhör sehen, wo er ermittelnden Beamten mal erklären soll, was geschehen ist. Was er dann auch tut, immer mal wieder, zwischendurch, am besten, um uns zu erklären, was wir sehen. Oder eben was wir nicht sehen.
Nicht nur, dass sein offenkundiges Überleben jegliche Spannung killt, sobald offenbar wird, dass er da nur mit seiner Holden hinfährt, das Voiceover ist auch komplett überflüssig und soll wohl nur verhindern, dass man mangels Dialogen sanft dahin schlummert.
Das Ganze entpuppt sich als Kurzurlaubstrip mangels anderweitiger Kohle, um seiner Frau Amy zu helfen, die Fehlgeburt besser zu verarbeiten, die sie durchmachen musste. Was kann es für eine angeknackste Beziehung mit sehr viel Unausgesprochenem denn Besseres geben, als Isolation auf einem Eiland im Nirgendwo, wo auch Satellitentelefone nicht recht funktionieren? Immerhin mag sie Ausgrabungen und Ureinwohnerrelikte und so, also ist sie nicht ganz unwillig, aber der Film schweigt schon sehr, sehr laut vor sich hin.
Auf der Insel ist dann halt wenig los, hier eine Steinzeichnung, dort ein geschnitzter Pfahl, es knackt sehr häufig im Geäst und im Unterholz (davon ist reichlich da) und die beiden kraxeln und wandern, schauen ins Wasser oder schauen sich um. Total spannend. Irgendwann, ich war schon halb sediert, erklärt dann das Voiceover, dass sich die gute Frau ja ganz furchtbar verändert hätte und ob unser Held das nicht früher hätte bemerken müssen. Bis dahin ist eigentlich überhaupt nichts passiert, allein softe Ansätze, dass Amy einen Schuld- oder Minderwertigkeitskomplex zu haben scheint.
Irgendwann träumt dann jemand schlecht und als man dann kurz davor steht, erneut abzudriften, kommt plötzlich per Insert noch ein Hauch von Plot dazu, denn unser wackerer John, steht als Antiquitätenhändler oder so tierisch vor dem Haus und hat (wie es klingt) noch Finsteres im Sinn. Tatsächlich will er wohl eine indigene Warntafel kassieren, die ziemlich rostfrei im Schilf zu finden ist, doch genau das hätte er besser wohl nicht getan.
An diesem Punkt ist die gute Amy meist schon abgängig, klettert durch Höhlen, pennt in ihnen ein und findet dort schließlich so etwas wie ein halbnacktes Kind mit einer scheinbar asiatischen Maske. Ohne dass das dem Plot etwas hinzufügen würde. Klar, der gute „Lux“ hat offenbar mehrfach „Picknick am Valentinstag“ gesehen, Horchen am Felsen und Knacken in der Vegetation, aber diese endlose Naturwanderung durch unwegsames Gelände, zusammen oder allein, strapaziert wirklich die Geduld. So auf die letzten 15 Minuten kommt dann auch endlich die zu erwartende Kreatur ins Spiel, auch wenn die jetzt nicht wirklich viel macht und die Vorgänge und Abläufe komplett rätselhaft bleiben.
Irgendwo da drinnen steckt eine interessante Idee von Beziehungsschwierigkeiten, Depressionen und persönlichen Veränderungen, aber im fertigen Film wird das immer nur behauptet, nie behandelt und auch nie belegt. Stattdessen ist der Film nach und nach eine Reise in die Isolation, man fühlt sich nämlich sehr einsam und verlassen auf dem Sofa, wenn man das öde Teil schauen muss. (2,5/10)