Review

Drogen, Schimpfwörter, Sexwitze!
Man weiß, was man zu erwarten hat, wenn irgendwo Seth Rogen drauf steht und dass es vermutlich mehr oder weniger lustig wird mit seinem Bärencharme und seinem Ungeschick.

Warum sollte das also in „Long Shot“ anders werden, einer politisch unterlegten Variante des Aschenputtelmärchens bzw. einer Replik von „Pretty Woman“, wo sich ein unwahrscheinliches Pärchen gegen viele Widerstände bildet.
Charlize Theron gibt in diesem Fall die perfekt durch getaktete Präsidentschaftskandidatin in spe, die eigentlich nur ihre Umweltkampagne weltweit in trockene Tücher bringen will, bevor sie es sich bei ihrer Integrität leisten kann, für das höchste Amt zu kandidieren.
Weil sie bei allen Werten außer dem Humor fast perfekt rüberkommt, erscheint ihr Zusammentreffen mit dem vollbärtigen, zauseligen und leicht angeschimmelten Enthüllungsjournalisten Fred Flarsky wie ein Wink des Schicksals. Er hat gerade aus Integrität seinen Job gekündigt, als sein Blatt an einen schmierigen Medienmagnaten verkauft wurde und soll nun Jokes in ihre Reden schreiben.

So etwas funktioniert natürlich nur, wenn jemand wie Charlotte (Theron) herzensgut ist und den intelligenten, aber sozial eher tumben Mummelbär aus der Kindheit kennt und ihn früher gebabysittet hat (jaja, erwarten sie in der Rückblende ruhig einen Erektionsgag oder mehrere).

Hier wird’s dann folgerichtig märchenhaft, denn obwohl sich Fred wie der Elefant im Porzellanladen aufführt, kommen sich die beiden tatsächlich nach und nach näher und beginnen später sogar eine vorerst heimliche Beziehung.

Wer jetzt erwartet, dass das mit Integrität noch infrage gestellt werden wird, der liegt natürlich richtig.

Es ist nicht wirklich originell, was hier vor den Zuschauern ausgebreitet wird, eine alte Geschichte mal wieder im neuen Gewand – und gerade dieses Aschenputteldings hat Glaubwürdigkeit einigermaßen nötig. Also hat die Politikerin ein Herz und der polternde Idiot ist tatsächlich ein guter Schreiber und unter den recht keimigen Schichten aus Hoodie und einer schmierigen alten Trainingsjacke nicht ganz so plump.

Aber es ist auch Rogen und das bedeutet zwangsläufig, dass er irgendwann irgendwo runterfällt (Eintreten nach etwa vier Filmminuten), jede Menge „Fucks“ und diverse gut gesetzte Oneliner absondert und irgendwann Drogen ins Spiel kommen. Ist der Einsatz Letzterer zunächst noch indirekt (und witzig), folgt natürlich zwangsläufig irgendwann das Auflockern der Politikandidatin in einer exotischen Partylocation in Paris – was dazu führt, dass Theron auf chemischen Drogen einen Verschleppungsfall regeln muss.

Bis dahin, ungefähr die ersten drei Viertel, ist „Long Shot“ originell im Unoriginellen, bringt recht gute Gags und komische Wendungen, präsentiert witzige Charaktere. Lisa Kudrow kann sich kurz profilieren, Andy Serkis gibt sich schmierig und Bob Odenkirk präsentiert einen präsidialen Vollidioten, wie man ihn sich besser nicht ausdenken könnte, wenn man am Offensichtlichen (Trump) vorbei will. June Diane Raphael streut Sarkasmus über die absurde Situation, O’Shea Jackson jr. gibt Rogens farbigen Businesskumpel und siehe da, ein nuschelnder Inder ist auch im Wahlkampfteam!

Und dann kommt er, der unvermeidliche Spermajoke!
Er kommt nicht allein, er leitet auch das unvermeidliche abgedroschene letzte Viertel ein, in dem seit Frank Capras Großvater Beziehungen gegen Moral und Integrität stehen und jeder weiß, wie sich wer zuerst entscheidet, um später dann doch einen 180 Grad-Schwenk zu machen.
Okay, der Witz mit dem „Spritz“ ist hier eben der Auslöser des Finales und hat somit sogar eine Funktion im Plot, dennoch hat der Moment „Och Nö“-Effekt, nachdem es Jonathan Levine geschafft hat, die unwahrscheinlichste Beziehung seit langem auf der Leinwand halbwegs nachvollziehbar und charmant erscheinen zu lassen.

So bleibt dann am Ende nur ein recht lustiger Film für „alle, die im Kino einfach herzlich ablachen“ wollen und nicht etwas, was längerfristig auch emotional berührt. Ich kann ihm jetzt nicht recht böse sein, aber etwas mehr Einfallsreichtum im Schlussdrittel (das sich wirklich jeder Achtjährige ausmalen kann, bevor im Film auch nur Halbzeit ist) und der Verzicht auf die Platteste aller Zutaten, hätten diesem Film etwas mehr geschenkt, als nur einer von vielen zu sein. (6,5/10)

Details
Ähnliche Filme