Sie bildet das Wahrzeichen Kopenhagens nachdem Hans Christian Andersen ein Märchen über sie ersann: Die kleine Meerjungfrau. Neben zahlreichen mehr oder minder werkgetreuen Verfilmungen, griff Disney seinerzeit mit Arielle in die Kitschkiste und steuerte dem entgegen, was eigentlich Andersens Intention war. Regisseur Nicholas Humphries beschreitet indes einen Mittelweg, leider einen langweiligen.
Oklahoma in den 1930ern: Nach dem Selbstmord seiner Frau geht es bei Bar- und Theaterbesitzer George (Brendan Taylor) finanziell bergab. Bis Gangsterboss Randall (Iwan Rheon) bei ihm aufkreuzt und einen zweifelhaften Deal anbietet, den vor allem seine jüngste Tochter Charlotte (Katelyn Mager) betrifft…
Von dem düsteren Cover sollten sich Horrorfans nicht täuschen lassen, denn die Mischung aus Coming-of-Age, Familiendrama und ein wenig Fantasy schlägt zunächst ganz andere Wege ein. Storytechnisch würfelt er alles zusammen, was irgendwie mit der Sage der Undine, Sirenen, Nymphen und Nixen zu tun hat, wobei Charlotte zwar die Hauptfigur repräsentiert, jedoch lange Zeit nur allzu menschlich als jüngste von sechs Schwestern erscheint.
Erst als ein Handlanger des Bösewichts zudringlich wird, fährt Madame ihren Fischschwanz aus, was so hektisch geschnitten ist, dass die minderwertige Tricktechnik kaum auffällt.
Ansonsten ist das Ambiente der Kaschemme recht treffend eingefangen. Es wird zwar deutlich zuviel getanzt und die Lippen der Tänzerinnen bewegen sich meist asynchron zum Lied, doch die Songauswahl passt, ein schicker Oldtimer kommt zur Geltung und auch die Auswahl der Klamotten ist stimmig.
Das vergleichsweise mickrige Budget ist der Produktion zumindest selten anzusehen, auch wenn den künstlerischen Bühnendarbietungen selten mehr als sieben Zuschauer beiwohnen. Die Kamera arbeitet variabel und auch die Mimen werten das zuweilen kammerspielartig anmutende Treiben merklich auf. Iwan Rheon bringt eine angemessen widerwärtige Präsenz mit, während Brendan Taylor als gebeutelter Unternehmer zwar eine nach der anderen rauchen muss, die latente Hilflosigkeit, kombiniert mit Skrupellosigkeit gegenüber seinen Töchtern glaubhaft transportiert. Auch Katelyn Mager performt solide, nur an den Gesangseinlagen hapert es.
Während die Meerjungfrau bei Andersen am Ende das kleinere Übel wählt und ein Aspekt wie eine unerwiderte Liebe das Zentrum bildet, wird hier insgesamt zuviel geschwafelt und erst im letzten Drittel eine minimale Horrorkeule in Form harmloser Gewalteinlagen ausgepackt. Handwerklich okay, atmosphärisch tauglich, dreht sich die Chose zulange im Kreis, bevor die Meerjungfrau Zähne zeigt.
Knapp
5 von 10