Chessmaster 1976 - Scary Edition
Genie und Wahnsinn liegen nahe beisammen. Dieser französische, lange Zeit verschollene Gruselthriller beweist das einmal mehr. Der Originaltitel spoilert zwar schon die schaurige Auflösung, dafür liest er sich wesentlich eleganter. Man kann wohl nicht immer alles gleichzeitig haben. Man könnte fast meinen, diese vor ein paar Jahren endlich aus ihren Katakomben entstiegene Perle hat die Macher von "Get Out" nachhaltig beeindruckt oder ihr Thema frisch aus der "Twilight Zone" stibitzt - doch dafür war das Ding viele Jahrzehnte einfach zu unbekannt. Ein Mythos fast, besonders für diejenigen die eine der an einer Hand abzählbaren Fernsehausstrahlungen erhaschen konnten. Die Geschichte dreht sich um einen mysteriösen Adeligen und Erfinder, der verblüffend begabte und echt wirkende Maschinen entwirft. Als er eine berühmte Pianistin "nachbauen" will, kommt diese ihm mit Hilfe eines Freundes auf die schockierende Schliche...
"Der Gehirnsammler" klingt wesentlich pulpiger als er ist, doch die Prämisse trifft er (zu) gut. Durchzogen von einer düsteren Aura, die Schmutz und Eitelkeit kombiniert, passt Michel Subielas Rätselspielchen auf jeden 70er-Gruselabend. Dass es sich um einen Fernsehfilm handelt, sieht man ihm kaum an. Durch unzählige Variationen vor und vor allem nach ihm (plus den Originaltitel), kann sich jeder Genrefreund zwar ausmalen wohin es geht, doch den atmosphärischen Weg schmälert das nicht. Von den seltsam abgehakt-elegant agierenden Automaten mit ihren rot leuchtenden Augen muss man erstmal die eigenen Blicke lassen und ihr Schöpfer, der bizarre Graf, weiß ebenfalls zu fesseln. Deswegen verfliegt die Zeit und ich habe erstaunlich wenig zu kritisieren. Gelungene TV-Unterhaltung, ein Mix aus Krimi und Schauermar.
Fazit: irgendwo zwischen "Eyes Without a Face" und "Black Mirror" kreucht und fleucht dieses schmuddelige 70er-Kleinod sehr (un)angenehm den Nacken hoch. Schachmatt für den verrückten Professor?!