Review

Probieren geht über Studieren


„Booksmart“ ist einfach eine coole Sau von Film! Für mich das filmische Highlight der aktuell mit der Schule fertig werdenden Generation. Ich hoffe die Abschlussjahrgänge 2016 bis 2022 übersehen den nicht. Wild, cool, weltoffen, modern und sympathisch bis unter die Decke. Was Olivia Wilde hier als Regiedebütantin (!) abliefert, hat mir in jeder seiner Filmminuten Spaß gemacht. Und zwar eine Menge. Wahrscheinlich von allen Komödien des Kinojahres am meisten. Erst recht von denen aus Hollywood. Der Soundtrack fetzt, pumpt und rockt. Mit den Figuren verbringt man richtig gerne Zeit, egal ob es die zwei genialen Leading Ladies sind oder nur kleinere Nebenfiguren und (erfolgreiche) Comic Reliefs. Und am Ende ist man traurig, dass diese Nacht schon vorbei ist. Irgendwo zwischen John Hughes und „Superbad“ trifft diese erfrischende Highschool-Komödie genau den richtigen Ton, einen weichen Punkt, einige feine Nuancen und bleibt immer in Balance zwischen Emotionen, Überdrehtheit und Realness. 

Wir folgen zwei Vorzeigeschülerinnen, die ihr bisheriges Schulleben nur gelernt und wenig Spaß gehabt haben. Partys, Jungs und Drogen - nein, danke, hieß es bisher. Doch als klar wird, dass auch die eher weniger auf die Schule konzentrierten Mitschüler an den gleichen Top-Unis Plätze bekommen haben, wollen die zwei „Streberinnen“ in einer Nacht so einiges nachholen und mal richtig die Sau rauslassen... Anfangs dachte ich kurz, dass ein paar Figuren, Szenen und Jokes etwas drüber sind, ein klitzekleines bisschen aufgezwungen, gekünstelt und gewollt cool rüberkommen. Aber dieses Gefühl legte sich dann enorm schnell, die Figuren sind mir heftig ans Herz gewachsen und ich war völlig „eingeloggt“. Ich liebe den energetischen, bunten Style, von der Mode bis zum zackigen Schnitt. Ich liebe den selbstverständlichen und extrem modernen, tollen Umgang mit Sexualität, Fetischs und „Hässlichkeit“. Ich liebe das Gefühl, dass wirklich alles in einer Nacht spielt. Ich liebe so viel an „Booksmart“! Das Ding hat unendlich Energie und Drive und Charme. Ein dickes Herz obendrauf. Man merkt in jeder Pore, dass Frau Wilde sich einiges von den richtigen Leuten abgeguckt hat. Alles glänzt, alles strahlt, alles spritzt. Comicartig ja, aber nie zu weit draußen und zu aufgesetzt. Außerdem mit einem feinen femininen Blickwinkel ohne predigend oder aufgezwungen zu wirken. Eine Welt, in der man wirklich gerne leben wollen würde. Trotz allem Drama und den auch dort vorhanden Problemen und Klischees, die jedoch äußerst geschickt unterlaufen und variiert werden. Vor allem Beanie Feldstein, die zehn Jahr jüngere Schwester von Jonah Hill (unverkennbar), ist eine absolute Entdeckung und sticht nochmal hervor aus einer eh schon sehr süßen, prall bestreuten Torte. Kleinere Kritikpunkte: letzter Akt nähert sich bekannten Verläufen doch noch sehr an; Soundtrack ist mega, kann sich aber etwas in den Vordergrund drängen, kaum eine Szene ohne Song; deutsche Synchro ist gut, wird dem hippen Treiben und dem dortigen Jugend-„Milieu“ allerdings nicht gerecht. 

Fazit: eine der besten Coming of Age-, Party- und Highschool-Komödien. Nicht nur des Jahres, sondern der 2010er! Ein dickes, fettes, spaßiges, süsses, herzliches, lässiges Highlight und ein voller Erfolg für die Neu-Regisseurin Olivia Wilde! Da will man noch viel mehr sehen. Und „Booksmart“ gerne gleich nochmal. 

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