"The Painted Bird" ist ein außergewöhnlicher Film. Und ein Film, der extrem lange nachhallt. Ein Film, der kontrovers diskutiert wird. Ein Film, der den ein oder anderen anwidern wird. Und doch ein Film, der mit schauspielerischer Klasse, brillanten Schwarz-Weiß-Bildern und tollen Kameraeinstellungen zu begeistern weiß. - Schon die Anfangssequenz ist äußerst intensiv und zeigt zu welchen Grausamkeiten bereits Kinder fähig sind. Eigentlich ist "The Painted Bird" ein Episodenfilm. Die einzelnen Episoden sind jeweils nach den Personen benannt, mit denen der junge Protagonist zu tun hat bzw. auf die er trifft. In eigentlich jeder dieser kleinen Geschichten bricht sich irgendwann äußerste Brutalität Bahn, die dazu noch intensiv geschildert wird. Das Ganze wirkt mitunter verstörend brutal, was auch darin begründet liegt, dass der Leitragende in der Regel der kleine Junge ist, der, vollkommen allein gelassen, die endlos scheinenden Weiten des vom Krieg gebeutelten Osteuropas durchschreitet. Doch nicht immer ist er das Opfer, sondern es kommt auch immer wieder zu Brutalitäten zwischen den Erwachsenen, die aber vorwiegend aus der kindlichen Sicht geschildert werden. Im gesamten Film gibt es kaum nette Figuren. Die erste Person, die dem Jungen gegenüber positiv eingestellt ist, ist ausgerechnet ein deutscher Soldat, der ihn eigentlich erschießen soll, ihm aber die Flucht ermöglicht. - Beinahe drei Stunden lange Tortur, die die Grausamkeit des menschlichen Wesens in der Zeit des Zweiten Weltkriegs beleuchtet, ohne den Krieg selbst zum Thema zu machen. In der Welt von "The Painted Bird" sind alle Menschen Monster und der Film nimmt bei dieser Interpretation kein Blatt vor den Mund. Tabus sind ihm dabei ebenso fremd. Gewalt gegen Kinder, Gewalt gegen Frauen, Gewalt gegen Tiere sowie Sex mit Kindern und Tieren. Schonungslos konfrontiert Regissuer Václav Marhoul den Zuschauer mit dem eigentlich Unerträglichen. Sehr eindrücklich wird die Spirale der Gewalt gezeigt. Der Junge, der immer wieder Gewalt auf unterschiedlichste Art und Weise erfährt, wird auch selbst gewalttätig. - Krieg und Judenverfolgung spielen nur am Rande eine Rolle. Vielmehr ist "The Painted Bird" das Portrait einer verrohten Gesellschaft, die aus den Augen des Jungen wahrgenommen wird. Sein Leid in Zeiten von Hoffnungslosigkeit und Armut, beraubt von jeglichen gesellschaftlichen Normen und Sitten, regt zum Nachdenken an und fesselt trotz seiner brutalen Intensität über die gesamte Spielzeit. Einige bekannte Darsteller ergänzen zudem den sonst größtenteils eher unbekannten Cast. So überzeugt vor allem Harvey Keitel als Priester, aber auch Stellan Skarsgård, Barry Pepper und Udo Kier überzeugen in ihren Gastrollen. - "The Painted Bird" ist manchmal schwer auszhaltendes, aber dennoch großartiges Kino mit Anspruch.