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Die Brüder Corey (Joe Bocian) und Jeffery (Brian Landis Folkins) betreiben ein lukratives Geschäft, indem sie den Krankentransportfunk abhören und mit ihrem Krankenwagen dann schnell vor Ort sind um Verletzte aufzusammeln. Diese werden jedoch nicht versorgt, sondern betäubt und an einem abgelegenen Ort seziert, um die Organe auf dem Schwarzmarkt zu verkaufen. Eines Tages gerät auf diese Weise auch die blonde Cindy (Jenice Marshall) in die Gewalt der Brüder, die es jedoch nicht schaffen, sie zu töten. Stattdessen beschließen die beiden, sie vorerst (eingesperrt in einem OP-Container auf einer Metallliege) am Leben zu lassen - zu sehr erinnert sie Cindy an ihre verstorbene Schwester. Cindy ihrerseits, genauso hübsch wie clever, findet sich mit der verfahrenen Situation schnell ab und versucht, die beiden Brüder gegeneinander auszuspielen. Denn während Corey der dominierende der beiden ist und alles zu kontrollieren scheint (mittels Kamera im Container, K.O.-Tropfen im Wasser und dergleichen) ist der empfindsame Jeffery autistisch veranlagt und tut alles, was ihm Corey aufträgt. Ein Psycho-Spiel um Einfluß und Informationen beginnt - die toughe Cindy, die selbst nächtliche Vergewaltigungen unter Drogeneinfluß wegsteckt, will mit allen Mitteln ihre Freiheit wiedererlangen, bevor sie - wie all ihre VorgängerInnen - auf dem Seziertisch endet..

Vermeintlich starker Tobak, den Regisseur und Drehbuchautor Rodney Wilson hier unter dem etwas reißerischen deutschen Titel Slashed - Aufgeschlitzt präsentiert: Nach einer eher irreführenden Anfangsszene mit einem etwas abgedrehten Pärchen, das sich beim Liebesspiel in der Küche versehentlich ein Messer durch die Hand sticht, treten die beiden ungleichen Brüder auf den Plan und nehmen die fauchende Dame kurzerhand mit - die Anfangs-Credits mit reichlich menschlichen Innereien lassen auf einen Torture Porn schließen, doch dann entwickelt sich der im US-Original Paramedics benannte Film zu einer kammerspielartigen Dreiecksbeziehung, die sich fast ausschließlich im meist hell erleuchteten OP-Container abspielt. Corey, der eine sadistische Ader zu haben scheint, läßt sich nur selten aus der Ruhe bringen und akzeptiert sogar beifallklatschend, als ihm Cindy offenbart, daß sie seinen zurückgeblieben wirkenden Bruder gegen ihn instrumentalisieren wird. Der hat derweil ständig Gewissensbisse und betrachtet ständig ein Foto, das alle drei Geschwister zusammen zeigt. Als ihm Cindy einen blowjob verpasst, kann er sich kaum dagegen wehren, während sich Corey, der all dies per Video aufzeichnet, schon auf den nächsten Schritt vorbereitet...

Während man bei dem vorgegeben minimalen Setting wenig Abstriche machen kann, muß vor allem die darstellerische Leistung der drei Hauptakteure hervorgehoben werden: alle drei verkörpern ihre Rollen durchweg glaubhaft, besonders der den schüchternen Jeffery darstellende Brian Landis Folkins macht seine Sache sehr gut. Mit der Zeit mag man sich zwar wundern, wieso Cindy jeden neuen Tag wie aus dem Ei gepellt aussieht, obwohl sie eigentlich nur eine winzige Toilette samt Waschbecken zur Verfügung hat, warum sie nie die Gelegenheit ergreift, durch die Tür zu fliehen, obwohl meist nur einer der beiden Brüder anwesend ist und letztere meist offensteht, oder auch wieso offenbar noch niemand den Organhändlern auf die Spur gekommen ist, da die Opfer ja sicher vermisst und gesucht werden und Krankenwagen ja auch irgendwo registriert sind und von Zeugen beobachtet werden - aber all dies muß sich dem Psychoduell zwischen Corey und Cindy unterordnen.
Paramedics mit seinen an sich belastenden Themen Organhandel, Vergewaltigung und Inzest besteht hauptsächlich aus Dialogen, entlastet den Zuschauer aber vor allem durch den Umstand, daß die Darsteller die bedrückende Situation mit vorgespielter Cleverness handeln und bietet somit insgesamt nur wenige blutige Szenen - zwar fand ich das Ende nicht sonderlich gelungen, aber einen Blick ist dieser ungewöhnliche Horror-Streifen durchaus wert: 6 Punkte.

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