Review

Staffel 2 - 9/10

Staffel 2


Wenn Animateure von Schafen träumen 

Meine vielleicht schon jetzt liebste und kreativste Anthologieserie aller Zeiten oder zumindest der letzten Jahre ist zurück auf Netflix. „Love Death & Robots“ Volume 2 bietet acht neue animierte Episoden voller Emotionen, Erfindungen, Ermordungen und Eroberungen fremder Welten. Und auch wenn das alleroberste Niveau der ersten, aus dem Nichts hereinbombenden Ausgabe nicht ganz gehalten oder gar getoppt werden kann, spricht mich auch die heisserwartete Fortsetzung enorm an. In all seinen Facetten, Farben und Styles. Das Warten hat sich gelohnt. Selbst wenn man „nur“ acht Kurzgeschichten bekommt. Aber nächstes Jahr soll schon mehr kommen. Hier meine kurze Übersicht und Einschätzung der einzelnen Episoden. 

AUTOMATED CUSTOMER SERVICE
8/10
Das Haushaltsgerät einer älteren Dame spielt plötzlich verrückt und macht Jagd auf ihren süßen Wauwau...
Ein guter Einstieg in die diesjährige Anthologie (obwohl es glaube ich international unterschiedliche Reihenfolgen gibt). Gruselige Menschgesichter und -körperformen. Erinnert ein wenig an eine Mischung aus „Wall-E“ und „Chopping Mall“. Humorvoll und gruselig. Knuddeliger Hund. Badass Finnish. Selbst wenn man natürlich allgemein „Maschinenapokalypse“ fast nicht mehr sehen kann. Und nicht allzu hübsch in meinen Augen. 

ICE
7/10
In einer Zukunft, in der die meisten Menschen körperlich erweitert und verbessert worden sind, zeigt ein junger Mann seinem Bruder, dass auch „normale“ menschliche Körper noch keine Auslaufmodelle sein müssen...
Optisch vielleicht das Highlight der gesamten Staffel. Absolut sensationell und eigen. Jedes Bild ein Poster. Cool as Ice. Aber erzählerisch und charakterlich eher mager. Plus: der Ansatz und Hauptaugenmerk dieser Welt kommt zu kurz. Dennoch: allein audiovisuell eine Wucht! 

POP SQUAD
9,5/10
In einer Welt, in der Menschen (auf natürlichem Weg) nahezu unsterblich scheinen und Kinderkriegen verboten ist, bekommt eine Art Kopfgeldjäger plötzlich Probleme mit seinem Gewissen...
Natürlich von „Blade Runner“ inspiriert, auch „Altered Carbon“ lässt grüßen. Und dennoch: emotional, audiovisuell, gesellschaftlich und ethisch ein packendes Kraftpaket, dass bei einem bleibt. Obwohl die Muster bekannt sind, man sich den Ausgang denken kann. Famos. 

SNOW IN THE DESERT
9/10
Ein regenerierender Loner und gesuchter Mann findet in der Wüste seine überraschende Erfüllung...
Visuell überragend und oft fotorealistisch. PS6 lässt grüßen. Wieder eine Welt, wie so oft bei „LD&R“, aus der Mann mehr sehen will. Viel mehr. Einen Langfilm. Brutal und romantisch. Poetisch und actionreich. Geil. Einfach geil. Heftig, wie weit dieser Animationsstil etwa seit dem „Final Fantasy“-Film gekommen ist. 

THE TALL GRASS
8,5/10
Ein Zug hält im Nirgendwo, umringt von hohem Gras, Nebel und Dunkelheit. Doch diese „Raucherpause“ kann für einen Passagier gefährliche Auswirkungen haben...
Der Style sticht heraus, ist sehr speziell und wie gemacht für Gothic Horror. Lovecraft-Vibes. Love it. Spannend. Düster. Gruselig. Auch fein. Klassischer Horror - gefühlt aber aus der Zukunft. Leicht traurige und melancholische Untertöne sogar - von wegen „Menschen, die die falsche Haltestelle genommen haben“. 

ALL THROUGH THE HOUSE
9,5/10
Ein Geschwisterpaar wartet in der Weihnachtsnacht gespannt auf ihre Geschenke bzw. eher den legendären Überbringer dieser. Doch irgendwie hatten sie sich Santa ganz anders vorgestellt...
Soo lustig und genial! Nicht nur für Eltern oder Kinder. Simpel, kurz, effizient. On point. Pixar goes Horror.

LIFE HUTCH
8,5/10
Ein Pilot landet nach einer kriegerischen Auseinandersetzung im All auf einem fremden Planeten Bruch. Er findet Unterschlupf in einem einsamen Bunker und Rettung scheint auf dem Weg. Doch sein Überleben ist dennoch alles andere als sicher...
Mit Michael B. Jordan spektakulär besetzt. Optisch einwandfrei und nahezu echt. Next-Level-Animation. Zutiefst beeindruckend. Erinnert etwas an das neue Game „Returnal“. Spannend. Schweißtreibend. Letztendlich aber nur ein kurzer Ausschnitt und Teaser. Wirkt eher wie eine Tech-Demo. Aber eine großartige. 

THE DROWNED GIANT
9/10
Ein nackter Riese wird tot an den Strand gespült und entwickelt sich schnell zu einer beliebten Sehenswürdigkeit für Anwohner und Touristen. Ein Poet findet das gleichzeitig unwürdig wie wunderschön...
Lyrisch, menschlich, traurig und groß. Vor allem gefühlstechnisch. Selbst wenn man nicht genau und auf Anhieb weiß, warum. Über Sensationen, Märchen, Vergänglichkeit, Gewohnheit, Zeit und Ruhe. 

Fazit: auch mit „nur“ acht neuen Folgen und dem verlorenen ganz großen Wow- und Überraschungseffekt (plus extrem hohe Erwartungen) ist Volume 2 von „Love Death & Robots“ eine echte Ansage. Nicht nur in Sachen Kreativität und visuellem Einfallsreichtum, nicht nur in Sachen Animationsfilm - sondern an die komplette Filmbrache! Und das im besten wie im gruseligsten Sinne. Braucht man da noch Schauspieler? ;) „Love Death & Robots“ ist jedenfalls/hoffentlich gekommen um zu bleiben! (9/10)

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