Inszeniert und geschrieben von wechselndem Personal, ist die Anthologie „Love, Death & Robots“ eine Sammlung von Kurzfilmen aus dem weiten Feld der Science-Fiction in diversen Ausgestaltungen und in Verbindung mit weiteren Genres. Produziert von unter anderem David Fincher und Tim Miller bekommt man so eine erzählerische Bandbreite für ein älteres Publikum, wobei die Geschichten von verschiedenen Studios umgesetzt wurden. Die Reihenfolge ist explizit egal, jede Episode steht dabei für sich und nicht immer gibt’s ein Happy End.
In „Sonnie's Edge“ steuert die titelgebende Sonnie per Chip-Implantat ein Monster in Ringkämpfen gegen die Kreaturen der Konkurrenz. Dabei scheint ihre Motivation von Rache geprägt und dass der Veranstalter sie dazu überreden will, den nächsten Kampf zu verlieren, motiviert sie nur noch mehr.
Entstanden ist der animierte Kurzfilm beim Blur Studio und optisch kann sich das Werk durchaus sehen lassen. Die Umgebung wirkt mitunter fotorealistisch, die Figuren sind detailliert und es fetzt in der Arena sehr ordentlich, manche Splattereinlage geht auch über diese Szenen hinaus. Auch das dystopische Design an sich ist ansprechend, nur inhaltlich will das Ganze nicht so recht zünden. Dazu ist mir diese alles durchziehende FU-Attitüde zu platt. Und obwohl ein Twist am Ende noch eine kleine Überraschung versucht, bleibt der Beitrag erzählerisch schwach und für den (Action-)Kern irrelevant.
Bleibt die bestechende Optik mit ein paar Gewaltspitzen, was diese Episode immer noch sehenswert macht.
6/10
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In „Three Robots“ machen eben diese einen Ausflug auf die Erde. Die Menschheit ist inzwischen vernichtet und so streifen sie durch die Ruinen und versuchen, Gewohnheiten und Hinterlassenschaften der früheren Bewohner zu deuten.
Dies geschieht in dem vom Blow Studio geschaffenen Kurzfilm auf sehr humorvolle Weise, wenn die drei sehr unterschiedlichen Figuren ihr Un- oder Halbwissen über die Menschheit zur Schau stellen und verschiedene Orte und Einrichtungen analysieren. Sprachlich dabei teils recht robust steckt in den witzigen Dialogen aber oft auch eine gewisse Beobachtungsgabe oder Kritik, die man als (noch) lebendes Wesen durchaus mal überdenken kann. Dabei schaffen es die unterschiedlich designten Roboter in kürzester Zeit, dass man sie als Individuen wahrnimmt. Von banal bis allumfassend, in der Kürze der Zeit aber natürlich alles nur angerissen.
Optisch ist das ebenfalls sehr gelungen. Hätte gerne noch länger gehen dürfen und so ist „Three Robots“ das Highlight der ersten Staffel.
8/10
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„The Witness“ ist auf der Flucht, denn sie hat im Haus gegenüber einen Mord beobachtet und der Killer ist nun hinter ihr her. Vom Animationsstudio Pinkman.TV kommt dieser Beitrag, der die Protagonistin durch eine große gesichtslose Stadt schickt, dies mit lautmalerischen Einblendungen und nicht mit Nacktheit geizend. Dabei konzentriert er sich überwiegend auf seine Präsentation denn auf den Inhalt, die Hatz ist das Ziel. Denn das Ziel selbst ist keines.
Optisch sieht das wieder chic aus, wenn auch die Zeigefreudigkeit selbstzweckhaft scheint und keinerlei Relevanz besitzt. Trotzdem ein flotter Beitrag, der allerdings keinen Nachhall entstehen lässt.
6/10
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„The Dump“ ist das Zuhause von Dave, der auf der Müllkippe lebt. Dies aber nicht allein, wie der dort auftauchende Inspektor bald feststellen muss. Immerhin ist dieser Beitrag des spanischen Animationsstudios Able & Baker einer der kürzeren, denn Freude macht er nicht. Optisch zwar wieder auf gehobenem Niveau, doch ist hier zum einen jede Figur zum Davonlaufen und unsympathisch, zum anderen ist die Story einfach uninteressant. Bleibt ein recht fader Eintrag in die Anthologie, den man gerne auslassen kann.
4/10
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„When the Yogurt Took Over“ zeigt in wenigen Minuten eine auf den ersten Blick absurde Idee, in der eine intelligente Joghurtkultur zum Leben erweckt wird und sich bis zur Weltherrschaft entwickelt. Dies nicht mit Gewalt, sondern durch Analyse. Absurd, ja, aber auf den zweiten Blick schlummert hier, in Verbund mit dem Ende der Geschichte aus dem Blow Studio, eine Kritik an der Unfähig- oder auch Unselbständigkeit der Menschheit im Hinblick auf Problemlösungsstrategien. Kann man auch prima auf's Individuum herunterbrechen und bebildert somit eigentlich nur den Alltag hinter der Fassade der Phantastik. Stilistisch, insbesondere die menschlichen Figuren betreffend, trifft das weniger meinen Nerv. Ansonsten aber ein durchaus interessanter Beitrag.
7/10
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In „Suits“ bekommen es Farmer mit angriffslustigen Aliens zu tun, die durch Portale schlüpfen und für einigen Munitionsverbrauch sorgen. Erstellt von Blur Studio gibt’s hier einen wilden Mix mit Bauernhof-Mechwarrior-Alienmonster-Gedöns, was zwar interessant aussieht, aber die einzelnen Bauteile nicht so recht ineinandergreifen lassen will. Auch wirkt es in seiner Erzählung recht einfach, Mensch gegen Aliens, ist darin aber immerhin flott und in seiner Wald- und Wiesenoptik hübsch anzuschauen. Trotzdem keine der Episoden, die lange im Kopf bleiben.
6/10
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In „Sucker of Souls“ aus dem Studio La Chachette weckt eine Expedition ein uraltes Wesen auf. Dies hat fatale Folgen und resultiert in einen explosiven Überlebenskampf.
Wissenschaftler und Söldner stoßen auf dämonische Kreatur. Erstere haben Brillen auf der Nase, zweitere oft Kraftausdrücke auf der Zunge. Soweit die Klischees, die in dem klassisch gezeichnet wirkenden Kurzfilm neben seinem Tempo und mancher Blutfontäne stehen. Die Geschichte wird umrissen, wirklich Zeit hat diese nicht, da wird die Bekanntheit des Hintergrunds ab Erwähnung des Antagonisten als gegeben vorausgesetzt. Das mit den Katzen ist eine schnurrige Idee, wird aber kaum genutzt. Insgesamt ein kurzweiliger, aber auch inhaltlich recht überschaubarer Beitrag, bei dem man vielleicht mehr auf Atmosphäre als proletiges Gelaber hätte setzen können.
6/10
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Zwei an der Straße im Nirgendwo gestrandete Kollegen erleben in „Fish Night“ eine außergewöhnliche Nacht. Erstellt vom Studio Platige Image ist der Kurzfilm optisch durchaus ansprechend. In kräftigen Farben und einem klaren visuellen Stil macht er durchaus was her, lässt inhaltlich trotz des sich zwischendurch aufbauenden Mysteriums aber zu viel offen, um am Ende irgendein Gefühl narrativer Zufriedenheit zu hinterlassen. Da lässt sich was hineininterpretieren, befriedigend ist das letztlich aber nicht.
5/10
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„Lucky 13“ ist der Name eines Truppentransporters. Bei Einsätzen mit diesem fanden schon zwei Crews den Tod. Und weil daher damit niemand fliegen will, bekommen die Neulinge das Fluggerät vor die Nase gesetzt. Jetzt ist das Lt. Colby und die fliegt damit brenzlige Einsätze. Da stellt sich die Frage, ob die Unglücksnummer nicht doch ein gutes Omen sein kann.
Fliegerei und Aberglaube, das liegt nicht immer weit auseinander. Sony Pictures Imageworks bastelt daraus diesen Kurzfilm, der chic aussieht und einige rasante und krachige Szenen bietet. Das militante Umfeld ist da eher so lala, die Objektbindung muss man vielleicht nachvollziehen können und die Maschine als Teil der Crew ist halt schon ein ausgelutschtes Motiv. Trotzdem nett anzusehen.
6/10
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In „Blindspot“ überfällt eine Gang aus Cyborgs einen Transporter, um an einen Chip zu kommen. Dabei läuft natürlich nicht alles nach Plan. Allerdings gibt mir der Beitrag von Elena Volk's Independent Studio keinen Grund, warum mir das nicht ziemlich egal sein sollte. Zwar kann der Kurzfilm mit seiner Rasanz punkten, die Figuren bleiben allerdings unsympathisch und geben die üblichen obercoolen Phrasen von sich. Stilistisch solide, inhaltlich einsilbig, nicht im Gedächtnis bleibend und insgesamt verzichtbar.
4,5/10
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„Beyond the Aquila Rift“ bringt ein interstellares Reisesystem das Schiff von Thom und seiner Crew, die mitten im Nirgendwo aufwacht. Und doch ist da eine Thom bekannte Figur, Greta, die ihm bald das Geheimnis dieser Irrfahrt nahebringt.
Das Studio Unit Image packt dies in ansprechende Bilder, teilweise weht der Gedanke an Photorealismus durch den Raum. Trotzdem bleibt bei genauerem Hinsehen den Figuren dieses Attribut verwehrt. Die Geschichte selbst hat einen netten Twist und erzeugt mit ihren Enthüllungen durchaus Atmosphäre. Allerdings wirkt die prominent bebilderte Sexszene selbstzweckhaft und unnötig, zieht aber (gewollt?) die Aufmerksamkeit auf diese Episode. Schade eigentlich, hätte man sich ohne diese mehr um die Figuren und den Hintergrund der Geschichte kümmern können. Trotzdem eine der interessanteren Episoden.
6/10
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In „Ice Age“ entdeckt ein gerade in eine neue Wohnung gezogenes Paar eine ganze Welt im Gefrierschrank. Der Kurzfilm der Studios Digic Pictures und Atomic Ficiton dampft dabei eine nette Idee auf ein paar Minuten ein, was in diesem Format ziemlich gut funktioniert. Dabei ist das hier der einzige Film in der Staffel, in dem es auch rein real gefilmte Szenen zu sehen gibt. Ungewohnt, bringt aber etwas Abwechslung in die Anthologie.
Evolution und der Kreislauf der Existenz im Schnelldurchlauf, durchaus ansprechend gemacht, etwas witzig und in der Kürze eine gute Umsetzung.
7/10
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Die „Helping Hand“ scheint für Astronautin Alexandria die einzige Rettung zu sein, da sie aufgrund eines Einschlags langsam von ihrem Schiff wegtreibt. Das Ganze mündet in eine folgenschwere und schmerzhaft anzusehende Entscheidung, die der Kurzfilm von Axis Studios im Orbit bebildert. Erinnert teils an den Kinofilm „Gravity“ (2013), hat für das Szenario aber nur ein paar Minuten und ufert daher nicht aus. Die Animationen sind okay, Weltraum geht immer, nur die Gesichtsanimationen reißen aus dem Geschehen. Auch die Frage, warum Madame kein Sicherungsseil o. Ä. nutzt, gerade bei solch einem Einsatz, kann für Irritation sorgen. Trotzdem aufgrund der kurzweiligen Ausführung und dem fühlbaren Schmerz ein solider Eintrag in die Reihe.
6/10
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Blau ist an sich schon eine schöne Farbe, das „Zima Blue“ ist hierin noch mal etwas Besonderes. Zumindest für den gefeierten Künstler Zima, der diesen Blauton immer wieder in seine Werke einbaut. Dahinter verbirgt sich eine interessante Geschichte, die er mit der Journalistin Claire teilen will, bevor er sein letztes Kunstwerk enthüllt.
Passion Animation Studios hat die paar Minuten, die der Beitrag dauert, recht vollgepackt. Wo andere Einträge eine visuell ansprechende Idee liefern, spielt „Zima Blue“ mit der Idee, wonach es einem wirklich verlangt, wo man sein Zuhause sieht. Dass hierein die Herkunft spielt, die eigene Evolution und eine immerwährende Suche - in der kurzen Laufzeit findet sich einiges hierzu wieder. Sagte mir das Figurendesign auch nicht sonderlich zu und hätte ich gerne noch länger den Ausführungen der Titelfigur gelauscht, ist „Zima Blue“ ein sehenswerter Kurzfilm und gehört zu den interessanteren Beiträgen der Anthologie.
7/10
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In „Good Hunting“ jagen Liang und sein Vater eine Hulijing, eine Gestaltwandlerin, die zwischen der menschlichen Form und der eines Fuchses wechseln kann. Doch ist das nur der Beginn der Geschichte dieses Beitrags des Studios Red Dog Culture House. Inhaltlich packt man hier einiges rein, es geht weiter mit der Tochter der Gejagten, die Liang später in Hong Kong trifft, welches sich nach und nach zu einer Metropole in Steampunk-Optik entwickelt. Und um die Themen Kolonialismus, Rache, Magie und technischen Fortschritt. Visuell ist der Kurzfilm in seiner klassischen 2D-Optik und dem Steampunk-Design ansprechend, inhaltlich aber ziemlich überladen mit den angesprochenen Themen mitsamt der Beziehung zwischen den beiden Hauptfiguren. Sicherlich Stoff für etwas Längeres, mir war das hier zu komprimiert.
6/10
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In „Alternate Histories“ erlebt man die Demo eines Programms, mit dem man die Auswirkungen der Veränderung historischer Ereignisse simulieren kann. Als Beispiel gibt es so diverse Episoden, in denen Hitler 1908 umkommt und dann sieht man eben, inwiefern sich manches in der Geschichte anders entwickelt hätte.
Und so sehr die Grundidee des Sun Creature Studios auch gefällt, die Ausführung ist nicht ganz überzeugend. Das beginnt beim visuellen Stil und endet bei den Todesarten, die sich schnell in die Absurdität verabschieden. Die daraus entstehenden veränderten Ereignisse werden nur angerissen, manche sind in der Tat aber recht witzig. Aufgrund des Themas wäre das eine Spielwiese für manch historischen und / oder politischen Witz gewesen, daraus macht das Skript aber leider recht wenig. Nicht schlecht, aber am Ende bleibt so das Gefühl, dass hier viel Potential liegen gelassen wurde.
5,5/10
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„The Secret War“ findet abseits der bekannten Schlachtfelder statt, von denen es im Zweiten Weltkrieg so einige gibt. Hier kämpft sich eine Gruppe der Roten Armee durch die Wälder Sibiriens, die von monströsen Gestalten heimgesucht werden.
Dabei sieht der vom Studio Digic Pictures produzierte Film recht chic aus, auch wenn man trotz der Optik immer mal wieder daran erinnert wird, dass es sich um animierte Figuren handelt und es letztlich wie eine sehr lange Zwischensequenz in einem Videospiel aussieht. Trotzdem macht das in filmischer Hinsicht was her und erzählt eine Geschichte, die durchaus Potential für etwas Längeres birgt. Selbst in der kurzen Laufzeit erkennt man unterschiedliche Figuren, das winterliche Drumherum wirkt und als Monsterfilm hätte das vielleicht was. Die Musik erinnert stellenweise arg an einen Superheldenfilm aus 2013, der Aufbau ist komprimiert und dadurch inhaltlich nicht sonderlich ausufernd, aber atmosphärisch ist das Ganze durchaus.
7/10
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In „Shape-Shifters“ sieht man eine Einheit der US-Armee in Afghanistan, von der zwei Mitglieder Werwölfe sind. Meist in menschlicher Gestalt unterstützen sie die Truppe bei Einsätzen. Dabei haben sie nicht nur mit Ablehnung innerhalb der Einheit zu kämpfen, auch ein einheimischer Werwolf scheint sich in der Gegend herumzutreiben.
Wieder eine Folge, die sich um einen möglichst realistischen Stil bemüht und wieder sieht das nicht schlecht und doch künstlich aus (Gesicht, Augen). Wieder (wie „Suits“) vom Blur Studio erstellt, hat die Geschichte einen interessanten Ausgangspunkt, aufgrund der Kürze reicht es dann aber nur für ein Kratzen an der Oberfläche. Für das Format durchaus okay, allerdings aufgrund der kaum interessanten / sympathischen Figuren und dem unvermeidlichen Patriotismus kein Highlight.
5/10
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Die erste Staffel zeigt eindrücklich, wie vielfältig das Genre ist, wenn auch viele Beiträge nach dem Photorealismus schielen. Insgesamt ein spannendes Projekt mit schwankender (inhaltlicher) Qualität, aber aufgrund eben dieser Diversität dürfte da jede/r mal fündig werden.