In der zweiten Staffel der Anthologie „Love, Death & Robots“ hat sich am Grundprinzip nichts geändert. Eine Sammlung von Kurzfilmen aus dem weiten Feld der Science-Fiction in diversen Ausgestaltungen und in Verbindung mit weiteren Genres. Produziert von unter anderem David Fincher und Tim Miller bekommt man so eine erzählerische Bandbreite für ein älteres Publikum, wobei die Geschichten von verschiedenen Studios umgesetzt wurden. Dabei wurde die Episodenanzahl in Staffel zwei allerdings reduziert, immer noch steht jede Episode dabei für sich und nicht immer gibt’s ein Happy End.
Der "Automated Customer Service" ist keine allzu große Hilfe, als ein Staubsaugerroboter Amok läuft. Die Atoll Studios erschufen eine Stadt, in der vieles automatisiert wurde, Helferroboter für alle Gelegenheiten bevölkern diesen von Senioren bewohnten Ort. Was anfangs an einen Teil aus „Wall-E“ erinnert, pfeift allerdings auf eine gesellschaftskritische Komponente und randaliert sich einfach am gesteigerten Killerpotenzial des Haushaltshelfers hoch. Wirkt der kleine Sauger in seinem klinischen Apple-Design noch ansehnlich, ist die menschliche Hauptfigur einfach nur hässlich. Geschmackssache, ich fand's furchtbar. Auch das Ende ist recht überzogen, sonderlich ernst nimmt der Film sich aber eh nicht. Ich hätte Spannung der Absurdität hier vorgezogen, so reicht es nur für einen soliden Start in die zweite Staffel.
5,5/10
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„Ice“ handelt von einem Planeten, auf dem fast alle Menschen gemoddet sind, bis auf Sedgwick. Dieser fühlt sich dadurch ausgeschlossen und überredet seinen Bruder, mit ihm und einer Gruppe raus in die Eiswüste zu gehen, um Eiswale zu sehen – was sich als nicht ungefährlich herausstellt.
Der Kurzfilm des Passion Animation Studios, das in Staffel 1 schon „Zima Blue“ beisteuerte, erzählt hier im Kern die Geschichte zweier Brüder und dem Thema des Außenseitertums. Die gewollte Integration, das Anderssein. Dafür, dass er eine recht eisige und industrialisierte Welt bietet und das Thema der Modifizierung von Menschen anspricht, macht er aus diesen Zutaten recht wenig. Man konzentriert sich eher auf das Zwischenmenschliche des Bruderpaars. Meinetwegen, wirkt aber im Bezug auf das Drumherum ziemlich verschenkt. Auch ist das Figurendesign für meine Augen keine Freude, ganz im Gegenteil. Dafür wirkt alles Nichtmenschliche durchaus interessant. Der Rest, also die eigentliche Geschichte, ist es nicht.
4/10
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Die „Pop Squad“ kümmert sich um die Regulierung der Einwohnerzahl. Denn so es den Bessergestellten durch eine spezielle Behandlung möglich ist, quasi ewig zu leben, verbringt eine andere Gruppe das Dasein in den unteren Regionen der großen Städte. Hier findet etwas statt, was verboten ist – natürliche Fortpflanzung.
Eine Gesellschaft, in der Kinder nicht mehr benötigt werden, denn es macht ja niemand für sie Platz. In dieser Dystopie des Blur Studio wird der Nachwuchs beseitigt und für diese Aufgabe gibt es eine spezielle Einheit der Polizei. Nicht alle sind dabei frei von Zweifeln, wie sich mit fortschreitender Spielzeit zeigt und so ist das klassische Thema um Leben, Menschsein und Unsterblichkeit hier eingebettet in ein chic designtes SciFi-Szenario à la „Blade Runner“ mit seinen Noir-Anleihen, ergänzt von Art déco-Design. Das macht was her und auch inhaltlich ist der Kurzfilm reizvoll, würde sich sogar für ein größeres Projekt empfehlen.
Interessante Geschichte, optisch ansprechend und ausnahmsweise mal zu kurz.
7,5/10
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„Snow in the Desert“, das heißt Snow auf der Flucht. Denn dieser wird von Kopfgeldjägern aufgrund einer besonderen Fähigkeit, die ihm innewohnt, gejagt. Dabei erwehrt er sich nicht nur seiner Angreifer, er findet auch mehr, als er zuerst gedacht hat.
Wieder mal Ansätze zum Thema des Seins, verpackt in einem teils blutigen Jagdszenario. Das Studio Unit Image präsentiert ein ansprechendes Design mit ebensolchen Bildern, technisch ist die Episode gelungen. Inhaltlich kann sie da nicht mithalten, bietet zwar durchaus passende Einzelteile, wirkt am Ende aber insgesamt nicht rund erzählt, zu Bruchstückhaft und ohne einen richtigen Fluss. Man erkennt die Intention, es hapert aber an der Umsetzung. Trotzdem eine okaye Episode, war mir inhaltlich nur zu wenig ausgekleidet. Einer dieser Fälle, denen die kurze Laufzeit nicht guttut.
6/10
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In „The Tall Grass“ lauert manche Gefahr, wie der namenlose Passagier bald feststellt. Denn kaum aus dem unplanmäßig gestoppten Zug gestiegen, wecken Lichter und Geräusche aus dem angrenzenden hohen Gras sein Interesse.
Und wie es oft so ist, manchen Versuchungen sollte man einfach nicht nachgeben. Das lernt auch der Protagonist des Kurzfilms aus den Axis Studios. Auffällig ist hier zuerst der Stil, wie gemalt wirken Figuren und Umgebung. Eine sehr ansprechende visuelle Präsentation. Inhaltlich ist das Ganze eher einfach, dennoch effektvoll und kurzweilig. In der Kürze bringt der Beitrag Horror auf den Bildschirm, eingebettet in ein begrenztes Terrain, das trotzdem kurz unendlich scheint. Farben und visueller Stil gefallen und das ergibt trotz der simplen Geschichte einen interessanten Eintrag in die Anthologie und einen der besseren in der zweiten Staffel.
7/10
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Es ist Weihnachten und „All through the House“ wartet man auf die Bescherung. So ist es mitten in der Nacht, als die beiden Geschwister unten ein Geräusch hören. Den Weihnachtsmann mal sehen, das wäre doch was. Also schleichen sie runter. Doch sieht das, was da werkelt, so gar nicht nach dem aus, was sie erwartet haben.
Die Episode aus dem Studio Blink Industries spielt mit der Erwartung oder eher mit der Vorstellung eines vermeintlich bekannten Charakters – und lässt diesen davon gröbst abweichen. Eine spaßige Idee, die ebenso die Wirkung der Optik dem Verhalten konträr gegenüberstellt und am Ende einen kurzen, aber doch witzigen Beitrag liefert. Optisch in der Stop-Motion-Technik verhaftet kann der Kurzfilm zwar seine Idee ausformulieren, doch bleibt diese eben sehr knapp. Aber dafür auch auf das Wesentliche fokussiert, was mit der gelungen Präsentation einen ebensolchen Beitrag in der Reihe darstellt.
7/10
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Abgestürzt ist der Raumpilot Terence in „Life Hutch“. Nach einem Kampf im Orbit sucht der Verletzte Zuflucht in einem Bunker, doch ergeben sich dort durch eine Fehlfunktion gleich neue Probleme.
Wieder einer der Beiträge, die eher durch die Optik glänzen, diese ist dafür mehr als gelungen. Ansonsten bietet die Episode nicht viel Aufregendes und die Frage, warum ein Wartungsroboter überhaupt zu solch einem Verhalten befähigt werden kann, ließ mich nicht los. Es bleibt der Überlebenskampf, garniert mit ein paar Rückblenden. Letztere verraten im Endeffekt nichts über den Hauptcharakter oder das Szenario und was somit bleibt, ist eben die durchaus tolle Optik aus dem Blur Studio. Trotzdem hat man das ausgelutschte Szenario schnell wieder vergessen.
5/10
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In „The Drowned Giant“ wird der Körper eines Riesen an die britische Küste gespült. Dies bringt einen Forscher dazu, den Leichnam regelmäßig aufzusuchen, die Veränderungen zu kommentieren und mit Betrachtungen über den Riesen, das Leben und die Mitmenschen zu garnieren.
Wieder mal das Blur Studio, das hier den abschließenden Kurzfilm der zweiten Staffel bereitstellt. Und dieser ist bei aller Geschwätzigkeit durchaus von manchem Gedanken beseelt. So geht es weniger um die erstaunliche Figur an sich, denn eher um den Umgang mit solch einer. Auch zu beobachten ist, mit welch mangelndem Respekt die Menschen damit umgehen sowie die Kurzlebigkeit des Interesses daran, welches sich rein auf Oberflächlichkeiten beschränkt. So mag man Raubbau thematisiert sehen, im Spiegel des Riesen auch an sich selbst, den Menschen. Da sind die Kommentare des Forschers nur ein Hinführen zu den Überlegungen, die man hier entdecken mag, was den Beitrag mit der gelungenen Präsentation zu einem guten Abschluss dieser Staffel macht.
7/10
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Auch Staffel 2 bringt eine gewisse Vielfalt mit. Mal mehr, mal weniger gelungen, wobei dies immer im Auge des Betrachters liegt. Technisch wieder auf hohem Niveau ist die Anthologie immer noch ein Gewinn für ein interessiertes Publikum.