Review

Staffel 3

In der dritten Staffel der Anthologie „Love, Death & Robots“ hat sich am Grundprinzip nichts geändert. Eine Sammlung von Kurzfilmen aus dem weiten Feld der Science-Fiction in diversen Ausgestaltungen und in Verbindung mit weiteren Genres. Produziert von unter anderem David Fincher und Tim Miller bekommt man so eine erzählerische Bandbreite für ein erwachsenes Publikum, wobei die Geschichten von verschiedenen Studios umgesetzt wurden.

In „Exit Strategies“ gibt es ein Wiedersehen mit den drei Robotern aus der ersten Staffel. Immer noch sind diese auf der verwüsteten Erde unterwegs, nachdem die Menschheit ausgestorben ist. Allerlei Beobachtungen und Kommentare, hier über ein Prepper-Camp, eine umfunktionierte Bohrinsel und ein Raketenstartgelände im Hinblick auf die Struktur der Gesellschaft, ihr Handeln, Versagen und die Konsequenzen daraus gibt es in gewohnt süffisantem Ton. Nicht sonderlich tiefgehend, aber eben einfach mal vor den Latz geballert, wobei der Bezug zu manchem Problem der Gegenwart nicht zu übersehen ist. Dabei erfährt man auch etwas über die Hintergründe der alles vernichtenden Katastrophe und die Reaktionen darauf.
Erneut vom spanischen Blow Studio realisiert ist der erneute Einsatz der drei Roboter ein wieder unterhaltsamer und mitunter pointierter Ausflug und ein frühes Highlight der dritten Staffel. Sieht gut aus, macht Spaß, gerne wieder.
7,5/10

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„Bad Travelling“ kann man es nennen, wenn das eigene Segelschiff von einer monströsen Riesenkrabbe attackiert wird. Nachdem sich das Vieh unter Deck eingenistet und seine Forderung formuliert hat, bringt es damit die Besatzung (und diese wiederum auch sich selbst) in Schwierigkeiten.
Inszeniert von David Fincher und dem Blur Studio, spielt man mit Entscheidungen, Konsequenzen und Manipulation zwischen den Besatzungsmitgliedern. Visuell ist das mitunter stark, manchmal aber auch unausgegoren in der Bewegung der Figuren. Das Design mag dabei gewöhnungsbedürftig sein, mit knapp über 20 Minuten hat man aber auch einige Zeit, sich daran zu gewöhnen. Am Ende ist die Geschichte immerhin um Wendungen bemüht, fühlt sich aber immer wie ein Fragment eines größeren Teils an. Es bleibt das Gefühl, dass es da insbesondere vor diesem Ausschnitt noch viel mehr zu erzählen gäbe. An Horrorelementen ist die Folge nicht so sparsam und unterm Strich bleibt eine durchaus interessante Folge, die aber immer wie ein Teil eines ungesehenen größeren Teils wirkt. Aber bei Schifffahrtsfilmchen kann ich schwer nein sagen.
6/10

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Wieder einmal außerweltlich wird es in „The Very Pulse of the Machine“. Nach einem Unfall ist Astronautin Kivelson auf dem Jupitermond Io auf sich allein gestellt. Mit externer Sauerstoffversorgung macht sie sich auf den beschwerlichen Weg zum Landefahrzeug. Aufgrund einer Verletzung ist dieser ohne morphine Substanzen allerdings nicht zu meistern, Halluzinationen inklusive.
Alles unter dem ewigen Sturm auf dem Jupiter, der wie ein alles beobachtendes Auge auf die Astronautin blickt. In einem durchaus ansprechenden Stil und einigen phantastischen Sequenzen schleppt sich Kivelson gen Ziel, sieht Merkwürdigkeiten und mag an Erkenntnissen reicher werden. Letzteres überträgt sich nicht auf's Publikum, dazu ist das Ganze zu wenig ausgearbeitet. Auch hat man nicht so recht aus den Vollen geschöpft, wenn man hier schon mit Halluzinationen hantiert. Und doch bietet der Beitrag ein paar hübsche Szenen, ist kurzweilig, bietet abseits einiger Zitate und dem da-draußen-Gefühl aber nichts von Nachhall.
6/10

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Apokalypse im Schnelldurchlauf gibt es in „Night of the Mini Dead“. Nach einem Unfall infolge ungezügelter Lust auf einem Friedhof überrennt eine Horde Zombies den Planeten, alles in Modelloptik sowie beschleunigt - und dadurch irgendwie auch niedlich. Am Ende steht die Erkenntnis, dass sich das Universum auch für die größte Katastrophe, die sich auf der Erde ereignen würde, nur einen Furz interessiert. Vielleicht ein kleiner Denkanstoß, nicht alles (vor allem sich selber nicht) so wichtig zu nehmen.
Der Beitrag des Studios Buck besticht durch Optik und Idee, wobei Letztere recht einfach gehalten ist. Dafür wirkungsvoll und unterhaltsam in Szene gesetzt, nach fünf Minuten netto ist der Spaß auch schon vorbei. Aber lieber so als künstlich aufgebläht und so ist der Weltuntergang im Miniaturformat eine doch spaßige Angelegenheit geworden.
7,5/10

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„Kill Team Kill“ ist dann der vorläufige Tiefpunkt der Staffel. In dem Kurzfilm von Titmouse stößt eine Gruppe von Green Berets auf ein Monstrum aus einem CIA-Labor. Und man ballert und metzelt sich eben gegenseitig über den Haufen. Garniert wird dies mit allerlei dummem Proletengelaber und Gefluche. Alles schnell öde, abseits dessen bietet der Beitrag aber auch nicht viel. Die Optik ist schon okay, inhaltlich ist es ein Nichts und wieder einmal weiß man mit der Freiheit, die man innerhalb der Anthologie den Studios lässt, nichts Kreatives anzufangen. Schwach.
3/10

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In „Swarm“ untersucht Dr. Afriel eben genau diesen, der im All als quasi abgeschlossenes System seit einer Ewigkeit existiert. In dieser Welt trifft er auf Galina und zusammen studieren sie die verschiedenen Gruppen von Kreaturen im Schwarm. Dass Afriel noch weitere Pläne mit den Lebewesen hat, stößt nicht überall auf Gegenliebe.
Inszeniert von Tim Miller und dem Blur Studio ist das hier eine so lala-Folge. Einerseits besticht sie mit einer interessanten Optik und dem Bau einer in sich funktionierenden Welt, einem komplexen System. Andererseits ergeht sie sich gerade zum Ende hin in Erklärungen und beendet sich dann einfach abrupt. Das war's, hab alles gesagt, Schluss. Wirkt inhaltlich unfertig, trotz netter Horroreinlage. Ich wartete bis zum Ende darauf, dass sich eine Klammer schließt. Aber so, wie das hier konstruiert ist, kann man
5/10

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„Mason's Rats“ sind eine Plage für den schottischen Bauern Mason und so beschließt er, Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Von einer Tech-Firma ersteht er zuerst Laserschussanlagen und später einen autonomen Kampfroboter, um den Viechern Herr zu werden. Denn diese haben sich in dieser Zukunftsvision schon längst weiterentwickelt und schlagen zurück.
Passenderweise von den schottischen Axis Studios produziert, ist der Kurzfilm eine nette Schnetzelei im halb-komödiantischen Gewand. Allerdings ist er auch so inszeniert, dass man die kleinen Tierchen mögen soll. Klappt nicht, ich kann Ratten einfach nicht ab. Die Eskalation, die hier im durchaus blutigen Krieg gegen die Nager bebildert wird, ist Malen nach Zahlen und das Ende fällt eben dem dann doch überzeichneten Ton anheim. Optisch mal wieder gelungen ist der Beitrag für die einmalige Sichtung okay, bietet aber nichts, was ihn aus dem Pulk der vorhandenen Folgen herausstechen lässt.
5/10

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Ein Trupp Marines entert zur Befreiung einer Geisel ein Höhlensystem und findet etwas „In Vaulted Halls Entombed“. Bis dahin kämpft es sich aber noch durch die steinernen Gänge und hat es mit mordlustigen kleinen Gesellen zu tun. Doch egal, wie brenzlig es wird – es bleibt immer genug Zeit dabei zuzusehen, wie ein Kollege von diesen zerlegt wird.
Einer der Punkte, die die Folge nicht so gut machen, wie sie sein könnte. Das Verhalten der Marines ist eben gewöhnungsbedürftig und nicht immer sinnvoll. Dafür bietet der Beitrag von Sony Picture Imageworks eine ansprechende Optik und in der zweiten Hälfte mit Erreichen der Halle doch auch genug Mysterium. Zum Ende hin wird’s dann sogar interessant, aber dann ist die Chose auch schon wieder vorbei. Hätte man sich eher auf die Hauptattraktion konzentriert denn auf die ganzen Scharmützel bis dahin, es hätte mehr fasziniert. Und doch reicht es in Anbetracht der anderen Folgen in dieser Staffel damit schon für's obere Mittelfeld.
6/10

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„Jibaro“ kommt ohne Worte aus und ist doch stark in seiner Aussagekraft. Eine an die Konquistadoren erinnernde Gruppe wird dabei von einer im Wasser wohnenden Sirene in den Wahnsinn getrieben. Ausnahme ist ein Mitglied, das ihren Gesang nicht hören kann, doch in der Folge erliegt es seiner Gier nach ihrem Reichtum und begibt sich auf eine schicksalshafte Reise.
Der Kurzfilm des Studios Pinkman.TV ist der wohl außergewöhnlichste in der dritten Staffel. Nicht nur das Fehlen von Gesprochenem, auch der visuelle Stil hebt sich in vielfältiger Form von dem bisher Gesehenen ab. Die Perspektiven, Schnitte und der mitunter surreale Stil verleihen dem Beitrag eine ganz eigene Präsentation. Faszinierend fremd und doch einen Sog entwickelnd. Inhaltlich für Interpretationen offen, mag das Szenario als eine Metapher für die Ausbeutung der Natur stehen, für die menschliche Gier und das durch sie geschaffene Verderben. Keiner ist davor gefeit, wenn er den Ruf vernimmt.
Ein spannender Beitrag zum Abschluss der Staffel, eins der Highlights, anziehend und ambivalent, befremdlich und doch kann man nicht wegsehen.
7/10


Fazit:
Wie schon zuvor steht auch dieses Mal die Optik oftmals über dem Inhalt. Zwar hat auch die dritte Staffel gute Episoden zu bieten, doch schwankt die Qualität hier deutlich mehr. Auch ist es immer noch verwunderlich, dass die Studios die ihnen gegebene Freiheit hinsichtlich der älteren Zielgruppe vornehmlich für Sex und Gewalt nutzen. Ein erwachsenes Publikum bedeutet vielleicht auch mal Anspruch oder Tiefgang. Doch zu oft verlässt sich die Serie auf Schauwerte mit eventuell einer Pointe.
Trotzdem auch in der dritten Auflage noch eine unterhaltsame Anthologie.

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