Review

Staffel 4

In der vierten Staffel der Anthologie „Love, Death & Robots“ hat sich am Grundprinzip (fast) nichts geändert. Eine Sammlung von Kurzfilmen aus dem weiten Feld der Science-Fiction in diversen Ausgestaltungen und in Verbindung mit weiteren Genres. Unter der Regie von unter anderem David Fincher und Tim Miller bekommt man eine erzählerische Bandbreite für ein erwachsenes Publikum, wobei die Geschichten von verschiedenen Studios umgesetzt wurden. 


„Can't Stop“ erinnert nicht von ungefähr an den gleichnamigen Song der Band Red Hot Chili Peppers. Die von David Fincher inszenierte Episode zeigt genau diesen Song als Konzertmitschnitt, wobei alle Figuren inklusive Publikum Marionetten sind. Soll zumindest so aussehen, denn dass das Ganze letztlich animiert ist, bleibt offensichtlich. Hergestellt vom Blur Studio bleibt zum einen die Frage, warum man also eine Kunstform mit einer anderen replizieren wollte. Und zum anderen, was das überhaupt in „Love, Death & Robots“ zu suchen hat. Der Kurzfilm wirkt thematisch fremd, auf eine Pointe wartet man vergebens. Visuell und technisch ist das durchaus kompetent umgesetzt, letztlich wirkt es aber wie ein Eitelkeitsprojekt des ehemaligen Musikvideofilmers Fincher.  
Vergebens wartet man auf eine Überraschung, einen Twist oder irgendwas, das dem hier eine Verbindung zu der Anthologie verleiht. Entweder ist mir da was entgangen oder es gibt da einfach nichts. Unterm Strich ein mich ratlos zurücklassender Auftakt in die vierte Staffel.
3/10

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In „Close Encounters of the Mini Kind" geht der Erstkontakt mit einer außerirdischen Spezies dank schießwütiger Menschlein ziemlich schief, was in Invasion, Krieg und mehr endet. Klingt dramatisch, ist aber recht witzig, denn der vom Studio BUCK geschaffene Kurzfilm präsentiert sich im Stil von "Night of the Mini Dead" aus der vorigen Staffel. So bekommt man wieder einen temporeichen, albernen und in dieser wunderschönen Miniaturwelt-Optik präsentierten Beitrag. Der Humor ist dabei eher flach und derbe, witzig genug ist der Beitrag allemal. 
Ein actionreiches und unterhaltsames Hin und Her unter Verwendung diverser Schauplätze auf der Welt und Versatzstücken aus dem Fundus der SciFi-Filme. 
7/10

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Lydia Rose alias „Spider Rose“ sitzt in ihrem Netz und s(p)innt, nachdem unter andrem ihr Ehemann bei einem Angriff durch eine andere Spezies ums Leben kam, auf Rache. Doch bekommt sie stattdessen erst einmal ein neues Haustier mit interessanten Fähigkeiten. Mal wieder vom Blur Studio hergestellt bietet der Kurzfilm von Jennifer Yuh Nelson wie der aus dem gleichen Hause in Staffel zwei stammende „Swarm“ eine ansprechende Optik, bleibt inhaltlich aber wenig spannend. Unter anderem, weil auch hier allerlei Gedanken laut ausgesprochen werden müssen und die Hauptfigur für den Zuschauer somit permanent Exposition betreibt. Darüber hinaus ist der Racheplot selbst einfach gehalten und ist die Charakterentwicklung bedingt durch die kurze Laufzeit natürlich eher übersichtlich, so kann man den Fortgang einfach zu oft erahnen. 
Das Design ist in Ordnung und so ein Netz im All macht schon was her. Es bleibt eher die visuelle denn inhaltliche Seite des Kurzfilms im Gedächtnis. 
5/10

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„How Zeke got Religion“ erzählt der so betitelte Beitrag des Studios Titmouse. In diesem macht sich die Crew eines Bombers während des Zweiten Weltkriegs auf, eine Kirche auf dem Festland zu zerstören. Dass darin gerade eine finstere Kreatur beschworen wird, bekommen die Flugzeuginsassen bald zu spüren.
Wie es der Titel verrät geht es um die Erkenntnis eines Crew-Mitglieds in religiöser Hinsicht. Dies geht recht blutig vonstatten, attackiert von einer dämonischer Kreatur werden nicht wenige Leute explizit beseitigt, was dann auch einen nicht geringen Teil der Laufzeit einnimmt. Das Design ist chic mit seinen Farbflächen, den gemäldeartigen Wolken, der flüssigen Animation und dem höllischen Fluggast.
Dass der Titel einen Teil der Geschichte vorwegnimmt ist vielleicht kritikwürdig und die zweite Hälfte besteht überwiegend aus Gematsche, was knapp an der Eintönigkeit vorbeischrammt. In seiner Kürze und mit der gelungenen Präsentation macht der Beitrag aber dennoch gut was her.
7/10

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In „The Other Large Thing“ erlebt man den Kater Sanchez, der nach der Weltherrschaft strebt. Dazu bedient er sich der Hilfe eines neuen Haushaltsroboters, den seine prolligen Besitzer angeschafft haben. Daraus macht das Studio AGBO einen netten Beitrag, der hübsch animiert ist und manche Vermutung über die Felidae bestätigt. Arrogant und herrschsüchtig ist Sanchez, dessen wahrer Name ein anderer ist, und die Episode mag einen Bezug zu „Three Robots“ haben, endet mir aber zu abrupt. Vielleicht kommt da noch was, vielleicht war die Idee alle. Animiert ist das chic, hier und da zündet der Witz, insgesamt ein netter Beitrag. 
6/10 

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„400 Boys“ machen anderen Überlebenden in einer postapokalyptischen Welt das Leben schwer. So verbünden sich die anderen Gruppen, um dieser Bedrohung den Garaus zu machen. Dies packen die Passion Animation Studios in eine passende Atmosphäre, in feurige Töne getaucht macht die bebilderte Umgebung durchaus was her. Der Stil ist diesbezüglich gelungen – nicht aber in Bezug auf die Figuren. Deren Design spricht mich nicht an, ist irgendwie in der Perspektive oft verzerrt bzw. gestreckt und auch der grundlegende Stil ist einfach nichts für mich. So konkurrieren Umgebung und Wesen, die Geschichte selbst bleibt wie ein zufällig gewählter Abschnitt einer größeren Erzählung. So ist der von Robert Valley inszenierte Kurzfilm irgendwas zwischen ansehnlich und Geschmackssache und bleibt mir kaum in Erinnerung.
5/10 

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„The Screaming of the Tyrannosaur“ hört man im so benannten Beitrag, inszeniert von Tim Miller mit dem Blur Studio. Über dem Jupitermond Europa liefern sich Gladiatoren einen barbarischen Kampf zur Belustigung der Haute Volaute und wer auf Dinosaurier vor einer Weltraumkulisse steht, bekommt hier was in der Richtung geliefert. Visuell ist das chic, wobei die menschlichen Figuren etwas abfallen. Die Erzählung vom Wunsch nach Freiheit und Auflehnung gegen das System ist nett, inhaltlich aber nichts Besonderes und selbst in diesem kurzen Format etwas lang geraten.
5/10

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„Golgotha“ steht hier nicht für den Hügel, religiös wird es in dieser von Tim Miller inszenierten Folge dennoch. Der Priester Donal Maguire hat die Ehre, den Erstkontakt mit einer außerirdischen Rasse herzustellen. Dies geschieht bei einem Strandspaziergang und nimmt einen anderen Verlauf, als Maguire sich wohl erhofft hat. Die Auswirkungen von Glaube und Religion oder Fanatismus bebildert dieser überwiegend real gefilmte Kurzfilm und wieder einmal ist das Ganze recht flach und auf eine offensichtliche Pointe hin erstellt. Das geht dann auch etwas hopplahopp und schon ist die Episode vorbei. Visuell ansprechend, aber inhaltlich dünn.
5/10

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„For He Can Creep“ basiert auf der gleichnamigen Kurzgeschichte von Siobhan Carroll, in welcher der Autor Christopher Smart in einer Anstalt von Satan selbst aufgesucht wird. Er verlangt ein Gedicht von Smart, welches das Ende der Welt bedeuten würde. Doch Smarts Katze Jeoffry hat etwas dagegen. Verpackt ist diese von Emily Dean inszenierte Episode in eine famose Optik, stilistisch gehört das hier zu den ansprechendsten Beiträgen der Staffel. Die Geschichte selbst ist im Kern einfach, wird aber durch die Inszenierung aufgewertet. Dazu gehört auch die Musik (Mozarts Requiem geht immer) und die stimmliche Vertonung. Ein gelungener Kurzfilm.
7/10

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Gegen Ende haut die Staffel mit „Smart Appliances, Stupid Owners" noch ein relatives Highlight raus. Im Stile einer Dokumentation erzählen diverse Haushaltsgeräte & Co. etwas über ihre Anwender und -innen. Und dies führt in dem von Patrick Osborne inszenierten Kurzfilm zu durchgehend negativen Meldungen. So gibt die Episode einen kleinen Einblick in die gescheiterte Existenz der Spezies Mensch und dies durch mehrere kurze Statements von einem Katzenklo oder einem Thermostat. Alles smarte Geräte natürlich, die Kommentare sind oft treffend. Der Humor ist dabei nicht sehr elaboriert, beschreibt aber eben genau dadurch den Zustand der hier abgebildeten Gesellschaft. Das hätte gerne länger gehen dürfen, läuft sich so aber immerhin nicht tot. Auch durch seinen Stil à la Stop-Motion hebt sich die Episode vom Rest ab. Witzig, kommentierend, kurzweilig.
7,5/10

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Fazit:
Insgesamt nicht mehr so stark wie vorige Staffeln. Da fehlt mir bei den kurzen Geschichten zu oft der besondere Funken. Das Konzept und gerade die drei Attribute, die den Titel der Serie ausmachen, wurden hier mehr als zuvor vernachlässigt, man fühlt sich an manch schon Gesehenes erinnert und Staffel vier offenbart gewisse Abnutzungserscheinungen. Immer noch einen Blick wert, aber nicht mehr so durchgehend faszinierend.

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