Bei dem (auch noch) unter verschiedenen Titel florierenden Bad Lieutenant, einem Nachfolgefilm von immerhin The Man from Nowhere (2010) und (dem ungeachtet aller Qualitäten) vom Publikum schmählich ignorierten No Tears for the Dead (2014) ließe sich angesichts der Distribution aufgrund der Übereinstimmung das Gleiche schreiben wie auch bei u.a. Drug King, Steel Rain oder Illang: The Wolf Brigade: Außerhalb Südkoreas und nach einem kurzen Kinolauf dort weltweit rein auf den Abonnenten- und Abrufdienst Netflix eingeschränkt, ist diese Wahl der Verbreitung im gefühlten Sinne und dies mangels eigentlichen Wissens über a) den gezahlten Preis für diese Exklusivität und b) der tatsächlichen Abrufzahlen der jeweiligen Produktionen nachteilig zu sehen. Jeweils Werke von bekannten Regisseuren, jeweils durchaus mit einer Größenordnung und entsprechenden finanziellen Hintergrund produziert, mit Starschauspielern und auch ursprünglich einem Marketing für eben die Leinwand fabriziert, gehen diese Arbeiten allein in der Masse an hauseigenen Filmen des Streamingdiensten und an anderen Ankäufen unter, werden oftmals übersehen oder im weiteren Angebot nach hinten gestellt, auf den 'Stapel gelegt' und vergessen oder gleich ignoriert. Einmal versendet und mit Glück gesehen oder auch nicht, und dann ad acta gelegt und nicht mehr registriert.
Dabei war die 'Zwangspause' für den Filmemacher Lee nach dem überraschenderweise an den Kinokassen wenig überzeugenden, aber von der Kritik und auch den Rezensenten oftmals vielfach gelobten No Tears for the Dead schon lang genug und die halbe Ewigkeit gefühlt:
Polizist Jo Pil-ho [ Lee Sun-kyun ], von seinen Kollegen auch abschätzig 'Johnson' genannt, hat sich in seinem Beruf so arrangiert, dass er diesen höchstens noch pro forma ausübt, und stattdessen selber überall die Hand aufhält und gar Verbrechen verübt. Zwar ist ihm die Interne unter Führung von Kim Min-jae [ Kim Min-jae ] auf den Fersen, liegen allerdings noch nichts Konkretes für zumindest die Korruption vor. Eines Tages, nach einem in Feuer aufgegangenen Warenlager, in dem die Beweismittel der Polizei aufbewahrt werden, glaubt man sich am Ziel. Jo wurde bewusstlos vor dem brennenden Reservoir gefunden, im Gebäude selber die Leiche seines Komplizen Han Gi-cheol [ Jung Ga-ram ]. Doch so einfach sind die Dinge nicht, was auch der wenig kooperative Jo bald feststellt, als der Auftragskiller Kwon Tae-joo [ Park Hae-joon ] auf ihn losgeht.
Veröffentlicht letztlich als Jo Pil-ho - The Dawning Rage und auch so gelistet, und zuvor als Bad Police bzw. Bad Lieutenant angepriesen, wobei der letzte Titel naturgetreu der Auffälligste ist, hat man mit der Variante von Abel Ferrarra ebenso wenig gemein wie mit dem gleichnamigen von Werner Herzog, außer: dass die Figur im Mittelpunkt des Geschehens ein Polizist ist, der eben nicht strikt nach Vorschriften arbeitet, sondern seine Marke und seine Dienstwaffe dafür benutzt, genau diese nach seinen Gutdünken auszulegen und nicht etwa die Kriminalität aktiv zu bekämpfen, sondern sich selber an dem Spiel beteiligt. Und somit eine ernstzunehmende Gefahr für seine Umwelt darstellt, statt sich als 'Freund und Helfer' zu generieren. Doch erstens braucht es einen wie ihn, um sich dem anderen Übel in der Geschichte entgegen zu stellen. Doch zweitens ist er ziemlich aus der Übung.
Hier wie auch dort wird dabei mitten in das Geschehen gesprungen, der Polizist ist schon zutiefst in die Machenschaften verstrickt, es ist zur Normalität nicht bloß für ihn, sondern auch für seine Umwelt geworden und Korruption, Machtmissbrauch, sogar direkte Straftaten wie ein Einbruch in eine Bank werden ignoriert und akzeptiert. Dabei interessiert nicht, wie er dazu geworden ist, und was ihn antreibt, sondern das sich Bewegen im verbrecherischen Umfeld, dass den Berufsalltag für den ehemaligen Gesetzeshüter darstellt und wo das Polizeirevier nicht die Arbeitsstätte im eigentlichen Sinne, sondern eher ein behelfsmäßiger Ort für das Netzwerk aus illegalen Kontakten und manchmal eben auch der Drangsalierung der Spielverderber vom Internal Affairs ist. Störend ist auch, dass beim vermeintlich letzten und ganz groß geplanten Ding ein komplettes Gebäude in Flammen aufgeht und lichterloh explodiert.
"I became a cop because cops scare me."
Regisseur und Autor Lee nutzt dabei auch kleinere Details, mitsamt plötzlichen Rückblenden, um sowohl die Geschichte eines wieder um Herrschaft in seinem Leben ringenden Charakters zu erzählen als auch das Genre des Polizeifilmes, diesmal aus einer etwas anderen Warte heraus und vor allem mit nur kleineren, teilweise gar antiklimatischen Aktionszenen zu bedienen. Waren die Personen zuvor in seinen Werken schon wichtig in ihrer Existenz und wurden sie auch dort entsprechend emotional und dramaturgisch unterstützt und in ihrer Umwelt mit all den größeren und kleineren Dingen des alltäglichen Lebens fixiert, so ist dies hier auch der Fall; auch die scheinbaren zwischengeschalteten Akte sind (mehr oder minder) bedeutsam und wird ein Gesamtbild hier nur durch das Puzzle aus allen Eindrücken, sei es Zufällen, sei es Zwischenfällen, sei es kurzen Momenten von Humor oder sporadischen Gewaltakten oder auch gefühlten oder doch tatsächlichen Füllmaterial erzeugt. Stark gespielt und persönlich wirkend, vielleicht etwas zu viel gewollt und zu unfokussiert.