In dieser Peter Pan Version zeigt Steven Spielberg das bunteste Nimmerland, den besten Hook-Darsteller (Dustin Hoffman), erstklassige Spezialeffekte und das Ganze innerhalb einer interessanten Geschichte.
Aber Hook ist kein Kinderfilm und ein Film für Erwachsene ist es auch nicht geworden. Hook ist also weder Fisch noch Fleisch.
Vielleicht wollte Spielberg einfach einen Film für Leute wie sich selbst machen. Erwachsene also, die laut aufkreischen, wenn ihnen etwas gut gefällt – ein Kinderfilm für Erwachsene? Aber jetzt mal Hand aufs Herz – wer braucht eine neues Genre? Ist nicht ein gutgemachter Kinderfilm auch immer ein Film für Erwachsene (siehe Harry Potter)?
Aber umgekehrt gilt das leider nicht und das ist auch der große Kritikpunkt bei Hook. Kinder können diesen Film leider nur mit viel gutem Willen genießen. Zum einen ist daran die Gesamtlänge schuld (136 Minuten!) – Aber zusätzlich ist Hook an vielen Stellen einfach zu langatmig.
Die Langeweile beginnt leider sehr früh. Ganze 34 Minuten (also eine halbe Ewigkeit) müssen die Zuschauer warten, bis der Held endlich in Nimmerland ankommt. Kinder, die auf einen Peter Pan Film hoffen, haben in dieser Zeit längst die Geduld verloren und beklagen sich lauthals.
Im Prinzip kann man das gut nachvollziehen. Das ist wohl so, als wenn man sich auf einen Actionkracher mit Stallone freut und nach einer halben Stunde wird immer noch geredet oder man leiht sich einen Porno und da geht es erst nach einer Stunde zur Sache.
Nein, das will man so nicht haben. Bei Genrefilmen gilt die 10-Minuten-Regel und dass Spielberg sich bei Hook dreimal so lange Zeit nimmt, bis er eine Kinderwelt entstehen lässt, ist einfach ärgerlich.
Und dann ist da noch der zweite schlimme Fehler, der einem guten Kinderfilm nie passiert: Der Held ist ein Erwachsener (Robin Williams). Wieder eine goldene Regel, die Spielberg gebrochen hat. Bekanntlich können sich Kinder mit Rehen. Löwen, Hühnern oder sogar Blechrobotern identifizieren – solange diese kindliche Züge zeigen. Aber nie mit Erwachsenen.
Peter Pan bleibt aber bei Hook erwachsen (was im Prinzip der schlimmste Widerspruch ist!), das heißt der Schauspieler Robin Williams bleibt Robin Williams (egal ob er nur überdreht spielt oder zu viel Koks intus hat). Er wird nicht von einem Kinderdarsteller abgelöst – nein, nimmt einfach noch eine Nase (ja da hat wohl noch was reingepasst ...). Und hüpft zuletzt im grünen Harlekingewand durchs Bild. Sehenswert ist das nicht.
Die andere traurige Geschichte heißt Julia Roberts. Anfang der 90er war sie auf dem Höhepunkt ihrer Schönheit und Ausstrahlung – und was macht Spielberg? Er verpasst ihr eine widerliche Kurzhaarfrisur und lässt sie permanent wütend blicken. Das ist eine furchtbare Verschwendung von weiblicher Schönheit. Roberts fehlt dadurch jegliche Ausstrahlung und alles Bezaubernde – obwohl sie doch eine Elfe spielt! Es gibt nur eine Szene, in der ihr Glanz kurz aufblitzt – aber durch Roberts Intensität passt das gar nicht zu dieser Stelle ...
Aber, aber, aber so schlecht wie es sich in dieser geballten Form anhört ist der Film dann auch wieder nicht. Wie schon zu Beginn erwähnt ist die Kulisse erstklassig und das Jungenparadies Nimmerland quicklebendig! Es herrscht bunte Anarchie und Dustin Hoffman überzeugt 100-prozentig als Bösewicht Hook. Besser kann man die Rolle wirklich nicht spielen. Schade nur, dass Hoffman der einzige im Set bleibt, den Spielberg zu Höchstleistungen motivieren konnte.
Inhaltlich gibt es auch nicht so viel zu meckern. Der Papa soll seine Kindheit nicht ganz vergessen ist die Botschaft, dann klappts auch besser mit den Kindern und das Ende ist natürlich hochgradig familientauglich – insofern hat der Film zwar einige Macken – und damit eindeutig nicht E.T. Qualitäten – aber er gehört trotzdem zu den besseren Kinderfilmen. Robin Williams bleibt dessen ungeachtet Geschmackssache ...