Spielbergs bei der Kritik nicht gerade wohlgelittene Interpretation des beliebten „Peter Pan“-Themas kommt in der Werkschau des Regisseurs immer schlechter weg, als sie es verdient hat. Sicherlich hat Spielberg dem Stoff mal wieder mehr Kitsch beigemengt, als gut für ihn wäre, und singt das Hohelied auf die gute heile Familie, die wichtiger ist als alles andere auf dieser Welt, eher schief und laut und wenig subtil, aber man kann der Idee, den ewigen Jungen Peter Pan erwachsen werden und seine Vergangenheit im Nimmerland vergessen zu lassen, ihren Reiz nicht absprechen.
Sobald Pan (Robin Williams), der Anwalt geworden ist und über seinen Job seine Familie vernachlässigt, mit Hilfe der kleinen Fee Glöckchen (Julia Roberts) nach Nimmerland fliegt, von wo er seine entführten Kinder retten möchte und in dem er sogleich mit seinem großen Widersacher Captain Hook (Dustin Hoffman) konfrontiert wird, um im Anschluß drei Tage Zeit zu erhalten, sich wieder seiner Wurzeln zu erinnern, um gegen ihn anzutreten, erwartet den Zuschauer ein knackebuntes Abenteuer, das zwar den Studio-Look niemals abstreifen kann, doch visuell dennoch sehr ansprechend und einfallsreich umgesetzt ist. Manche der nicht immer kindgerechten Gags lernt man dabei erst mit der Zeit schätzen, vor allem rund um den von Selbstzweifeln zerfressenen und vor Depressionsattacken nicht sicheren Hook, der innerhalb von Sekundenbruchteilen mit Selbstmord droht und dann seinen Gehilfen Smee (sehr lustig und ideal besetzt: Bob Hoskins) darum bittet, ihn davon abzuhalten. Generell reißt der ausgesprochen launige Hoffman alle Szenen, in denen er auftaucht, mit Leichtigkeit an sich und überspielt damit oftmals auch die allzu süßlich-sentimental geratenen Momente. Obwohl der offizielle Bösewicht, der nicht die Hauptrolle spielt, wie man anhand des Titels annehmen könnte, kommt man nicht umhin, ihn mit seinen Macken liebzugewinnen. Schwerer tut sich da schon Williams, den man wirklich mögen muß, um sich später von seinem kindlichen Gehabe, das er zurückgewinnt und von da an ständig zur Schau trägt, nicht genervt zu fühlen.
Im bunten Bombast kommt dabei mitunter der gewisse Zauber, der frühere Spielberg-Produktionen wie „E.T. - Der Außerirdische“ wie einen Schleier umgibt, etwas zu kurz. Ganz abwesend ist er allerdings nicht, etwa wenn Pan von den verlorenen Jungen endlich wiedererkannt wird oder Pan seinen eigenen Werdegang vom Jungen zum Familienvater rekapituliert. Seine Stärken hat der Film allerdings hauptsächlich dann, wenn er nicht ganz so ernst sein möchte und sich um amüsante Dialogzeilen oder kleine Gags bemüht, was bei aller Uneinheitlichkeit im Ton erfreulich oft vorkommt, wohingegen die dramatischen Elemente leider immer ein Stück weit zu dick aufgetragen sind und so manches Klischee zu viel enthalten. Aufgrund der Länge von fast 140 Minuten kann man außerdem froh sein, daß sich Spielberg für eine Streichung der ursprünglich neun Songs entschieden hat. Die wären möglicherweise sogar zu akzeptieren gewesen, dann hätte aber an der langen Exposition, die rund eine halbe Stunde ausmacht, gespart werden müssen, die auch jetzt schon den Eindruck vermittelt, daß man hier hätte straffen können.
So ist „Hook“ letztlich beileibe keine Spielberg-Sternstunde und „Peter Pan“-Verfilmungen gibt es reichlich und einige davon sind besser (darunter auch der Disney-Film), die harschen Kritiken indes sind nicht nachvollziehbar. Eine interessante Variation der Vorlage, zumeist kurzweilig und amüsant. 7/10.