Review

Schwingen des Schmetterlings

Es fühlt sich an, wie eine Schallplatte mit Sprung, weil ich mich gefühlt jedes Jahr (mindestens) wiederhole: die Spanier sind die momentanen Thrillerkönige und Erben Hitchcocks. Noch vor den skandinavischen Staaten mit ihren unterkühlten und ebenfalls oft starken Krimis. Von „The Body“ über „Julias Eyes“ bis „The Invisible Guest“ gibt es für diese These genug Belege, die drei sind meist ja nur die oft genannte Speerspitze. Einen nicht zu verachtenden Anteil an dieser iberischen Renaissance an Spannung und Twists hat Oriol Paulo, vor allem als Schreiber aber mittlerweile auch als Regisseur. Sein neuester Streich „Parallelwelten“ ist eine Netflixproduktion und dementsprechend nur dort zu sehen. Und das sollten die Leute auch tun! Denn dieser Zeiträtselthriller sollte wirklich nicht im Wust des großen, roten N untergehen. Die sehr fein durchdachte Geschichte (die nicht annähernd so wirr wirkt, wenn man sie sieht) handelt von zwei elektromagnetische Stürme, die über einen Fernseher zwei Zeitebenen, die 25 Jahre auseinanderliegen ('89 und 2014), miteinander verbinden...

Mehr muss und sollte man über „Parallelwelten“ gar nicht wissen. Blind und als positive Überraschung macht er am meisten Spaß. Es entwickelt sich ein starker Sog und die außergewöhnlich schnell entstandene Neugier lässt nie spürbar nach. Ein Mix aus „Frequency“, „The Butterfly Effect“ und „Your Name.“ entsteht, der mal wieder beweist, wie gut Paulo schreiben, verstricken und überraschen kann. Doch „Parallelwelten“ funktioniert auch außerhalb seiner vielen Wendungen und Haken. Der Look ist (wie gewohnt aus Spanien) exquisit, den Darstellern vertraut man schnell und für einen Film mit einer Art von Zeitreisen gibt es gar nicht mal so viele Logikfragen- und -Löcher. Obwohl im Mittelteil vielleicht etwas gekürzt werden könnte und die Auflösung mir etwas zu glatt geht. Insgesamt hatte ich jedoch eine sehr gute Zeit. Erst recht wenn man Zeitreisen und mörderische Rätsel mag. Den mögen auch Frauen! Der Vorzeigefilm fürs Netflix&Chilln, bei dem man ganz sicher nicht abschaltet oder der Fummelei verfällt. Egal, wer neben euch liegt! 

Fazit: ein weiterer klasse Thriller aus der Feder von Oriol Paulo. „Parallelwelten“ fesselt von der ersten Sekunde, die Twists ziehen und sind sinnvoll, die Atmosphäre ist dicht und alle Darsteller machen ihre Sache top. Hat mir (sehr) gut gefallen. Verwurstelte Zeitschienen wie sie öfters aufgezogen werden könnten. Geheimtipp auf Netflix. Obwohl die Muster und Prämissen nie ganz neu erscheinen, ist das Ding seine zwei Stunden Lebenszeit mehr als wert. Versprochen!

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