Was auch immer das chinesische Publikum ausgerechnet an der Finanz- und Korruptionssaga 'Storm' von Filmemacher David Lam reizt, der Regisseur und Autor hat mit dem nach längeren Hiatus vollzogenen Comeback Z Storm (2014) und den Nachzüglern gerade an den Kinokassen alles richtig gemacht und wohl die entscheidenden Knöpfe gedrückt. Vier Filme in fünf Jahren, dazu der nächste bereits angekündigt und in Vorbereitung, und mit dem durchaus erstaunlichen Umstand, dass trotz eher mäßiger Kritiken und auch Qualitäten nicht nur jeweils die Fortsetzung erfolgreicher als der Vorgänger war, sondern P Storm selber einzeln die Gesamtsumme des Kinoeinspiels von Z Storm, S Storm (2016) und L Storm (2018) bricht. Erstaunlich auch der Hintergrund der Reihe, behandelt man mit Korruption und Verschwörung sicherlich ein globales Thema, ist man als mehr oder minder (in)offizielle Würdigung der ICAC, dem Schauplatz Hong Kong und auch der Verwendung lokaler Darsteller eigentlich auch nur auf diesen begrenzten Rahmen und das wenige und auch nichtige Zutun der Volksrepublik allerhöchstens als schlappe Alibifunktion abgezielt; zumal die Inszenierung von Lam trotz einer gewissen steten Verbesserung seit dem Ursprung immer noch eher das Format eines größeren Fernsehfilms aufweist und selbst in guten Momenten wie der Erstürmung und Verteidigung eines Safe Houses die positiv gehobene Mittelmäßigkeit eigentlich nicht verlässt.
Geschickterweise ist P Storm nun der erste Höhepunkt zumindest von der Geschichte her, werden die vorausgegangenen Filme noch einmal ratifiziert 'zusammengefasst' bzw. in der Prämisse hierfür erwähnt:
Investigator William Luk [ Louis Koo ] vom Independent Commission Against Corruption (ICAC) lässt sich mit Absicht wegen Gefährdung des Straßenverkehrs unter Alkoholeinfluss festnehmen und für drei Monate ins Chek O Gefängnis inhaftieren, um dort Korruptions- und Missbrauchsvorwürfe nachzugehen, die seitens des jungen Wärters Wong Ka-On [ Adam Pak ] kommen und vor allem den schwerreichen Häftling Cao Yuen-Yuen [ Raymond Lam ] betreffen. Cao, der vor mehreren Jahren inhaftiert wurde, da er über bei Landraub auf den New Territories auch buchstäblich über Leichen gegangen ist und selbst vom Gefängnis aus noch die einzige Zeugin Natalie [ Chrissie Chau ] bedroht, soll die Leitung bezüglich frühzeitiger Entlassung wegen guten Verhaltens bestochen hab; und das, obwohl er mit seinen Mannen ständig im Clinch mit dem Mithäftling Wong Man-Bun [ Gordon Lam ], einem ehemaligen und auch Luk unliebsam bekannten Polizisten steht. Luk, der von außen von seinen Kollegen Ching Tak-Ming [ Kevin Cheng ] und Lau Po-Keung [ Julian Cheung ] unterstützt wird, merkt sofort beim Eintreffen im Knast um die Zustände, an denen die Aufsicht von Superintendent Sum Kwok-Keung [ Patrick Tam ] nicht ganz unschuldig ist.
Das Gefängnis als neues und vor allem auch anderes Setting ist dabei durchaus als Clou zu sehen, HK hat eine gute Tradition von Prison Movies, China gar keine bekannte, was womöglich ursächlich für den doch unerwartet großen Erfolg von sage und schreibe 115 Mio. USD dort war; denn an der Umsetzung und gerade den gewählten Darstellern dessen kann es nicht liegen (und an einer eventuellen Anbiederung an das chinesische Publikum bzw. die Be- und Empfindlichkeiten des Staates zum Glück auch nicht). Noch vor der Titelsequenz verlagert sich der Film nach einer größeren nächtlichen Verfolgungsjagd auf den Straßen der Stadt, der Festnahme der Hauptfigur und der erklärenden Rückblende des Wieso und Warum sofort hinter die schwedischen Gardinen, wobei dort vor allem die Verbindung zum Erstling Z Storm gesucht wird und alles andere recht negiert.
Denn hier wie auch in den Vorgängern, die man im Übrigen schon kennen sollte, da es rein von der Konstellation und dem Auftreten einiger sonstiger blink-or-you'll-miss Charaktere nützlich, wenn auch nicht zwingend erforderlich für das Verständnis ist, werden oftmals Darsteller in neuen Rollen und teils auch durchaus irritierend wieder verwendet, statt eine frische Besetzung zu generieren und neue Gesichter zu implementieren. So ausgedünnt an Schauspielern kann die Sonderverwaltungszone eigentlich nicht sein, dass man immer auf die gleichen Leute zurückgreift, zumal sich für die Figur des Gefängniswärters bspw. auch andere Namen ins Spiel gebracht hätten als ein Patrick Tam, welcher in L Storm schon einen Finanzhai auf Geldbeute spielt; auch die insgesamt vierte Benennung von Lo Hoi-Pang im vierten Film und auch die nächste Todesszene seinerseits ist (wie weitere erneut verwendete Mitstreiter) eher als Witz zu sehen. Als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme eines dafür sicherlich dankbaren und immer wieder gern dabei seienden Drehteams: okay.
Ansonsten ist der Start ganz flott, die Prämisse sitzt, das Setting hat gleich auf Anhieb die einheimische Konkurrenz um Breakout Brothers und Prison Flowers inspiriert, und in der Vollzugsanstalt wird eifrig auf Konfrontation gegangen und sowohl die Einrichtung in der Umkleidekabine vor den Duschzellen und in der Küchenabteilung ruiniert als auch zuvor und danach in zumeist auch physischen Auseinandersetzungen destruktiv ausgetobt und abreagiert. Überhaupt ist alle wenigen Minute etwas los und geht's hoch her, was der teilweise recht absehbaren Dramaturgie und der fehlenden Raffinesse der auch eher deutlichen und dadurch simpel wirkenden Inszenierung zugutekommt; in Sachen Unterhaltungswert und Anpeilen bzw. Beibehaltung an früheres HK-Kino mit der Negierung des derzeitigen 'Fortschrittes' seitens der chinesischen Präsenz macht Lam mittlerweile im Grunde nichts verkehrt und vielmehr alles richtig.