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Vielleicht ist es ein nicht unerheblicher Verdienst von Chuck Norris, dass Ranger im Allgemeinen einen guten Ruf genießen, was er über einige Jahre in „Walker, Texas-Ranger“ unter Beweis stellen konnte. Dass weniger erfahrene Kräfte auch mal ins Straucheln geraten können, untermauert der Survival-Trip von Roxanne Benjamin.

Wendy (Karina Fontes) ist eine bislang recht unerfahrene Rangerin und erhält den Auftrag, Hinweistafeln an verschiedenen Orten im Park anzubringen. Nach einer Weile verläuft sich die junge Frau und findet dabei die Leiche eines Mannes. Per Funk wird sie dazu aufgefordert, den Tatort zu sichern und bis zum nächsten Morgen in der Nähe auszuharren. Wendy bleibt keine andere Wahl, als sich ihren Ängsten zu stellen…

Idyllwild in Kalifornien bietet einen wunderbar rauen Schauplatz mit Wald, einigen Felsen und dazugehörigen Panoramablicken. Über weite Teile gibt es lediglich Wendy und die Leiche, was zunächst nicht sonderlich aufregend klingt, sich jedoch als latent unbehaglich entpuppt. Zwar sollte man keine übermäßige Tortur erwarten, doch dafür bleibt Regisseurin Benjamin angenehm bodenständig und konfrontiert die Protagonistin mit dem, was an prekären Situationen in so einer vermeintlich einsamen Nacht eintreten könnte.

Bereits mit der Schrift der Credits und der eindeutig in den 80ern verankerten Klängen des Scores wird ein wenig Retro-Feeling versprüht und in Ansätzen fühlt man sich an eine Mischung aus „Der Mann in den Bergen“ und „Picknick am Valentinstag“ erinnert. Immer wieder fällt der Blick auf die Leiche, welche bereits seit einigen Tagen unter einem Plateau liegen muss, - abgestürzt oder von einem wilden Tier erlegt scheinen nahe liegend.

Auf Dauer verhält sich Wendy allerdings ein wenig tollpatschig, was nicht nur auf die mangelnde Erfahrung zurückzuführen ist. Ein Spray sollte man besser nicht bei Gegenwind anwenden und nicht erst bis zum Einbruch der Dunkelheit warten, um in selbiger Feuerholz und Schlafunterlage vorzubereiten. Andere Begebenheiten sind wiederum gut nachvollziehbar, denn in der dauerhaften Nähe einer Leiche kann man nach einigen Stunden schon mal halluzinieren und beim kleinsten Knacken im Unterholz hochschrecken.

Stimmungsvolle und spannende Einlagen sind somit durchaus zu verzeichnen und trotz der simplen Ausgangssituation ereignet sich genügend, um am Ball zu bleiben. Zudem wird teils geschickt mit der Wahrnehmung der Protagonistin gespielt, was gegen Ende einen leichten Mystik-Touch erfährt und bei einigen Betrachtern leichte Verwirrung stiften könnte.

Performt wird die Chose von Karina Fontes ganz okay, gefordert wird sie allerdings erst gegen Finale und während einiger stiller Momente des Ausharrens. Der Score liefert einen bunten Querschnitt nostalgisch anmutender Klänge, was jedoch treffend die Atmosphäre unterstreicht. Auch die solide Kamera sorgt für Abwechslung, während der Schnitt ein passables Timing aufweist.

Ein Survival-Thriller muss nicht zwangsläufig Todesgefahren am Fließband liefern. Hier ist zwar nicht übermäßig viel Bewegung im Spiel, doch speziell auf atmosphärischer Ebene vermag der Indie-Stoff zu überzeugen. Ein vergleichsweise ruhiger Beitrag, der mit geringem Budget und schlichten Mitteln recht versiert hantiert.
6,5 von 10

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