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Das Ende ist da - zumindest vorläufig - denn die Zeit der 2012 gestarteten "Avengers" im MCU ist vorbei, um für Disney einer neuen Generation Platz zu machen und die Nebenfiguren noch weiter ausbauen zu können.
Da der Schöpfer so vieler Figuren, der große Stan Lee, in persona nun ja leider auch nicht mehr Bestandteil der Welt seiner Schöpfungen ist, erscheint der Zeitpunkt auch durchaus passend gewählt, die große Phase des Marvel Cinematic Universe mit "Endgame" zu beenden.

Zum Kinostart war von allerlei Bombast und Schnulzenhaftigkeit die Rede, überlanger Griff in die Klischee-Kiste und einem Finale, dass es einfach nur allen Recht machen möchte.
So undifferenziert diese Kritiken - so befriedigend ist das finale Ergebnis für den Zuschauer und Fan des bisherigen MCU ausgefallen, denn es werden nahezu alle Erwartungen erfüllt, die der Vorgänger "Infinity War" aufgeworfen und ziemlich hektisch und ruckartig in Gang gebracht hat.

Besagter "Infinity War" ist in meiner Wertung auch ein echter Stinker geworden und nun bügelt zum Glück das große Finale nahezu alles aus, was der Vorgänger falsch gemacht hat.

Der übermässige Einsatz von CGI-Action-Overkill des Vorgängers hält sich in "Endgame" deutlich mehr in Grenzen, dafür gibt es viele ruhigere Dialog-Momente und Versuche, den ohnehin schon in 7 Jahren charakterisierten Figuren mehr Tiefe und Motivation zu verleihen (soweit das in einem Comic-Abenteuer geht).

Die Story ist natürlich wieder sehr turbulent zurechtgebogen, wartet aber dann doch mit einigen Überraschungen auf, mit denen ich persönlich nicht gerechnet habe.
Dazu gehört sicherlich hauptsächlich das Herausmanövrieren aus der Sackgasse, in die man die Geschichte mit "Infinity War" zweifelsohne gedrängt hat.
Hier wirkt zwar vieles improvisiert und das rechtzeitige Auftauchen von Carol Danvers alias Captain Marvel ist sicher sehr selbstzweckhaft dazugekommen, doch kann man natürlich immer die Genialität eines Howard Stark, Vater und Beginner der MCU-Disney-Erfolgsgeschichte verwenden, um Lösungen aus dem Ärmel zu schütteln, die mit Charme und Witz as usual präsentiert werden können.

Wohingegen meine Erwartungen vollends erfüllt wurden, war das  - absolut spoilerfreie - zukünftige Verzichten auf Hauptfiguren, die man über die Jahre sehr wohl liebgewonnen hat aber für die es natürlich irgendwann einmal Zeit zum Abschiednehmen ist. In diesem Sinne wird die neue Generation bzw. die Nachfolger der Avengers ein paar Zepter weitertragen (in einem Falle sogar wörtlich zu nehmen) aber auch viel anders machen können, ohne der Serie und finanzkräftigem Zugpferd des Maus-Konzerns untreu zu werden.

Man kann also "Avengers: Endgame" sehr viel vorwerfen aber sicher nicht, dass das MCU Schindluder mit einigen seiner Figuren getrieben hat, indem es sie in "Infinity War" gewollt schockierend abtreten liess und sie dann im Nachfolger nicht wieder zurück holt. Man bekommt nämlich nahezu alle vergangenen Figuren aus dem MCU noch einmal zu Gesicht - wenn auch teilweise arg kurz. Aber das ist ein nettes Detail in Richtung Fan-Service, das niemand besser versteht einzusetzen als Disney.

Daher kann ich jedem versichern, der sich das große Finale zu Gemüte führen möchte, dass er nicht enttäuscht sein wird, denn so viel ist sicher: Jedes Ende ist auch wieder ein Anfang.

Allerdings ist das MCU für mich definitiv am Ende angekommen, denn "Endgame" funktioniert tatsächlich als die Tür, welche man nach über 7 Jahren als Ausstieg nutzen kann, ohne etwas im weiteren Geschehen zu verpassen und diesen Weg nutze ich auf alle Fälle sehr gerne und mit gutem Gewissen.

Danke dafür, Disney

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