Als sich David Cronenberg Mitte der Achtziger an ein Remake von „Die Fliege“ wagte, war der Aufschrei unter den alteingesessenen Horrorfans groß. Mittlerweile liefert der Mitbegründer des Body Horror selbst Stoff für Modernisierungen. Die Zwillinge Jen und Sylvia Soska bleiben dem Kern der Vorlage von 1977 treu, eine eigene Handschrift ist allerdings nur bedingt erkennbar.
Rose (Laura Vandervoort) arbeitet als Schneiderin für einen exzentrischen Designer. Nach einem schweren Unfall mit dem Roller ist ihr Gesicht entstellt und so entschließt sie sich, Teil einer Forschungsarbeit des modernen Mediziners Burroughs (Ted Atherton) zu werden, der sich auf Hauttransplantationen per Stammzellenbildung spezialisiert hat. Nach erfolgreicher Behandlung erscheint Rose wie neu, doch eine Nebenwirkung ist ein unstillbarer Durst nach menschlichem Blut…
Cronenberg stand seinerzeit nicht viel Kohle zur Verfügung, so musste er für die Hauptrolle auf Pornodarstellerin Marilyn Chambers zurückgreifen, die er nicht für die ideale Besetzung hielt.
Die Geschwister Soska entschieden sich derweil für Laura Vandervoort, deren Figur eine Wandlung von der Unscheinbaren zum Hingucker durchleben soll, was sich allein am Ablegen einer Brille manifestiert und schon dadurch nicht sonderlich gleubhaft gestaltet. Allerdings wird man mit dem Charakter schon aufgrund des üblen Schicksals, - schließlich musste nach dem Unfall der halbe Kiefer zusammengetackert werden, rasch warm.
Leider erfüllen die oberflächlich gezeichneten Nebenfiguren viele Klischees der Modebranche: Der egozentrische Designer, die koksende Belegschaft und der Fotograf, der zugleich als vages Love Interest dient, sorgen kaum für Sozial, - oder Gesellschaftskritik. Auch die Mediziner bleiben figurentechnisch unterentwickelt, zumal die operative Anwendung reichlich nebulös bleibt. Folgerichtig ergeben sich speziell in der ersten Hälfte einige Durchhänger, da etwaige Bluttaten auf sich warten lassen.
Interessanter gestaltet sich das Treiben, als ein Schauspieler am Set nicht nur dreht, sondern durchdreht, während einer Party das Virus der vermeintlichen Tollwut verbreitet wird oder final die Vorbereitungen für den Catwalk unter keinem guten Stern stehen.
Die zahlreichen Gewalteinlagen, hauptsächlich in Form von Fleischwunden durch Bisse sind nahezu durch die Bank per Handarbeit entstanden und können sich definitiv sehen lassen.
Auch einige Alptraumsequenzen sind schick gestaltet und muten ein wenig surreal an und als das Operationsteam, gekleidet mit roten Seidengewändern zur Tat schreitet, wähnt man sich beinahe bei einem religiösen Ritual, dem eine gewisse bizarre Stimmung anhaftet.
Alltägliche Begebenheiten leiden demgegenüber an oftmals flachen Dialogen und den überwiegend gelangweilt wirkenden Mimen, bei denen Vandervoort eine positive Ausnahme bildet.
Atmosphärische Ansätze sind vorhanden, die Auswahl und Gestaltung der Sets ist okay und auch die musikalische Untermalung geht in Ordnung. Doch Spannung will erst gegen Ende ein wenig mehr aufkommen, da sich das Geschehen bis dato regelmäßig ausbremst und zu selten Action liefert.
Ein minimaler Twist bringt der Geschichte letztlich nicht mehr allzu viel und somit versinkt die Neuauflage so ziemlich im Mittelmaß.
5,5 von 10